Betrogen worden? Das tust du jetzt
Die erste Stunde zählt am meisten. Hier steht Schritt für Schritt, was du je nach Zahlungsweg tun kannst und wo du dich in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Belgien meldest.
Wenn du gerade merkst, dass du auf einen Betrug hereingefallen bist, zählt jede Stunde. Die Reihenfolge unten ist so gewählt, dass du zuerst das erledigst, was sich später nicht mehr nachholen lässt.
Die ersten 30 Minuten
- Zahl nichts mehr. Auch nicht für angebliche Steuern, Gebühren oder eine Freigabe. Diese Forderung gehört fast immer zur Masche.
- Ruf deine Bank an. Die Nummer steht auf deiner Karte und in der App deiner Bank. Je früher die Bank Bescheid weiß, desto eher lässt sich eine Zahlung noch stoppen.
- Brich den Kontakt ab. Antworte nicht mehr. Hat jemand per Fernwartung auf deinen Rechner zugegriffen, zum Beispiel mit AnyDesk oder TeamViewer, trenn das Gerät vom Internet.
- Sichere alles, was du hast. Screenshots der Plattform, Chatverläufe, E-Mails, Kontoauszüge, Namen, Telefonnummern und bei Krypto die Adresse der Wallet, an die du gezahlt hast.
- Ändere deine Passwörter, wenn du Zugangsdaten herausgegeben hast. Fang mit deinem Postfach und dem Onlinebanking an, und nimm dafür ein anderes Gerät als das betroffene.
Wie hast du bezahlt?
Was du zurückholen kannst, hängt fast nur vom Zahlungsweg ab. Tipp auf deinen Fall.
Per Überweisung
sofort, am besten in den ersten Stunden
Eine Überweisung lässt sich nicht einfach zurückbuchen. Deine Bank kann aber einen Rückruf beim Empfänger versuchen. Das klappt nur, solange das Geld noch auf dem Konto des Empfängers liegt. Betrüger leiten es meist schnell weiter.
Ein Beispiel: Markus überweist um 10 Uhr 2.000 Euro an eine angebliche Handelsplattform. Um 11 Uhr wird er misstrauisch. Ruft er jetzt an, hat die Bank noch eine Chance. Wartet er bis zum nächsten Morgen, ist das Geld in aller Regel weg.
Bei einer Echtzeitüberweisung ist das Geld in Sekunden beim Empfänger. Frag trotzdem sofort nach.
Per Lastschrift
8 Wochen, ohne Mandat 13 Monate
Hier hast du die besten Karten. Eine Lastschrift kannst du innerhalb von acht Wochen ohne Begründung zurückgeben. Hast du nie eine Erlaubnis zum Abbuchen erteilt, hast du sogar 13 Monate Zeit. Das geht meist direkt in der App deiner Bank oder mit einem Anruf.
Mit Kreditkarte oder Debitkarte
Karte sofort sperren, Rückbuchung oft bis etwa 120 Tage
Lass die Karte zuerst sperren. Danach bittest du deine Bank um eine Rückbuchung, im Fachjargon Chargeback. Die Fristen dafür legen die Kartenfirmen fest, oft sind es rund 120 Tage.
Hast du eine Zahlung gar nicht selbst ausgelöst, meldest du das so schnell wie möglich, spätestens innerhalb von 13 Monaten. Hast du die Zahlung dagegen selbst bestätigt, etwa in der App, wird es schwieriger. Versuch es trotzdem, jede Meldung zählt.
Über PayPal
180 Tage
Melde den Fall im Konfliktlösungszentrum von PayPal. Dafür hast du 180 Tage Zeit. Bei Geldanlagen greift der Käuferschutz in vielen Fällen nicht. Die Meldung lohnt sich trotzdem, weil PayPal so das Konto des Empfängers prüfen und sperren kann.
In Krypto
zurückholen fast unmöglich, Spuren sofort sichern
Eine Kryptozahlung lässt sich nicht rückgängig machen. Was du tun kannst: Notiere die Adresse des Empfängers und die Transaktionsnummer (den sogenannten Hash). Hast du das Geld über eine Handelsplattform verschickt, melde den Fall auch dort.
Der Weg des Geldes ist in der Blockchain öffentlich sichtbar. Landet es später auf einer regulierten Plattform, kann diese das Konto einfrieren, wenn die Polizei anfragt. Deshalb ist deine Anzeige mit den genauen Adressen so wichtig.
Mit Guthabenkarten oder Gutscheincodes
sofort
Wer eine Zahlung mit Gutscheincodes oder Guthabenkarten verlangt, betrügt. Kein seriöser Anbieter und keine Behörde will so bezahlt werden. Melde den Code sofort beim Herausgeber der Karte. Ist er noch nicht eingelöst, lässt er sich manchmal sperren.
Hast du persönliche Daten herausgegeben?
Viele Maschen zielen nicht nur auf dein Geld, sondern auch auf deine Identität. Mit einer Ausweiskopie und einem Selfie lassen sich Konten und Verträge auf deinen Namen eröffnen.
- Ausweis, Selfie oder Adresse: Erwähne das ausdrücklich in deiner Anzeige. So kannst du später belegen, dass jemand anderes deine Daten benutzt. In Deutschland zeigt dir eine kostenlose Selbstauskunft bei der Schufa, ob plötzlich fremde Verträge auf deinen Namen laufen.
- Zugang zum Onlinebanking: Lass den Zugang von der Bank sperren und neu einrichten.
- Fernwartung auf deinem Rechner: Lass das Gerät prüfen oder setz es neu auf, bevor du dort wieder Bankgeschäfte machst.
Wo du dich meldest
Erstatte in jedem Fall Anzeige bei der Polizei. Ohne Anzeige helfen dir Bank und Versicherung oft nicht weiter. Welche Stellen dazukommen, hängt von deinem Land ab.
Deutschland
- Anzeige bei der Polizei, auch online über die Onlinewache deines Bundeslandes
- Karte sperren über den Sperrnotruf 116 116
- Den Anbieter bei der BaFin melden, der Aufsicht über Banken und Finanzdienste
- Beratung bei der Verbraucherzentrale
Österreich
- Anzeige bei jeder Polizeiinspektion. Hinweise zu Internetbetrug nimmt auch die Meldestelle des Bundeskriminalamts entgegen.
- Karte über die Sperrnummer deiner Bank sperren
- Den Anbieter bei der Finanzmarktaufsicht (FMA) melden
- Aktuelle Maschen und Warnungen bei der Watchlist Internet
Schweiz
- Anzeige bei der Polizei deines Kantons
- Den Vorfall dem Bundesamt für Cybersicherheit (BACS) melden
- Prüfen, ob der Anbieter auf der Warnliste der FINMA steht
Belgien
- Anzeige bei der lokalen Polizei
- Karte sperren über Card Stop, 078 170 170
- Den Anbieter bei der FSMA melden, der belgischen Finanzaufsicht
- Betrug beim Meldepunkt des Wirtschaftsministeriums melden
- Verdächtige Nachrichten an suspicious@safeonweb.be weiterleiten, mehr dazu bei Safeonweb
Vorsicht vor dem zweiten Anruf
Ein paar Wochen nach dem Betrug melden sich oft angebliche Anwälte, Behörden oder Firmen, die dein Geld zurückholen wollen. Sie wissen erstaunlich viel über deinen Fall. Das liegt daran, dass sie dieselben Leute sind oder die Daten gekauft haben. Sobald jemand für die Rückholung Geld im Voraus verlangt, ist es dieselbe Masche ein zweites Mal. Mehr dazu in Wenn schon Geld weg ist.
Und noch etwas: Es passiert klugen, vorsichtigen Menschen. Betrüger arbeiten mit Zeitdruck, Vertrauen und viel Übung. Schäm dich nicht, sondern handle schnell. Das ist das Beste, was du jetzt tun kannst.
Die Fristen oben stammen aus dem europäischen Zahlungsrecht. Die Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) gilt in der ganzen EU. In der Schweiz gilt sie nicht, dort regeln Bankverträge und Kartenbedingungen die Einzelheiten.
Bei einer nicht autorisierten Zahlung muss die Bank den Betrag grundsätzlich bis zum Ende des nächsten Geschäftstags erstatten, wenn du den Vorfall unverzüglich meldest, spätestens innerhalb von 13 Monaten nach der Belastung (Artikel 71 und 73 PSD2). Ausnahmen gelten, wenn du vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt hast, etwa indem du eine TAN an Fremde weitergegeben hast. Ob grobe Fahrlässigkeit vorliegt, ist im Streitfall eine Einzelfrage.
Bei einer Lastschrift im SEPA Basisverfahren hast du ein bedingungsloses Erstattungsrecht von acht Wochen (Artikel 76 und 77 PSD2). Fehlt ein gültiges Mandat, gilt die Zahlung als nicht autorisiert und die 13 Monate greifen.
Eine Überweisung, die du selbst freigegeben hast, gilt als autorisiert, auch wenn du dabei getäuscht wurdest. Deshalb gibt es keinen Anspruch auf Erstattung, nur den Versuch eines Rückrufs. Seit Oktober 2025 prüfen Banken im Euroraum vor einer Überweisung, ob Name und IBAN des Empfängers zusammenpassen. Eine Warnung an dieser Stelle solltest du immer ernst nehmen.
Die Rückbuchung bei Karten ist kein gesetzliches Recht, sondern ein Verfahren der Kartenorganisationen. Die Fristen hängen vom Grund der Beanstandung ab und laufen meist ab dem Buchungstag oder dem vereinbarten Liefertermin.
Bei Kryptotransfers gibt es keine Stelle, die eine Zahlung zurückdrehen kann. Ermittler können Transaktionen aber verfolgen. Viele Betrugsfälle enden erst Monate später mit beschlagnahmten Geldern, wenn die Spur zu einer Plattform mit Identitätsprüfung führt.
Zusammenfassung
- Zuerst nichts mehr zahlen und sofort die Bank anrufen.
- Lastschrift und Karte bieten die besten Chancen, Überweisung und Krypto die schlechtesten.
- Immer Anzeige erstatten und auf den zweiten Anruf der angeblichen Retter gefasst sein.
Hast du es verstanden?
Warum solltest du bei einer Überweisung sofort die Bank anrufen?
Ein Rückruf klappt nur, solange das Geld noch auf dem Konto des Empfängers liegt. Betrüger leiten es meist innerhalb von Stunden weiter.
Wie lange kannst du eine Lastschrift zurückgeben?
Acht Wochen ohne Begründung. Hast du nie eine Erlaubnis erteilt, 13 Monate.
Woran erkennst du die Masche mit der Rückholung?
Jemand bietet an, dein verlorenes Geld zurückzuholen, und verlangt dafür vorher eine Zahlung.
Quellen und Weiterlesen
- Richtlinie (EU) 2015/2366 über Zahlungsdienste (PSD2), Artikel 71 bis 77. Quelle ansehen ↗
- BaFin, Informationen für Verbraucher. Quelle ansehen ↗
- Polizeiliche Kriminalprävention, Tipps zu Betrug. Quelle ansehen ↗
- Watchlist Internet, aktuelle Betrugsmaschen in Österreich. Quelle ansehen ↗
- FINMA, Warnungen und Warnliste. Quelle ansehen ↗
- FSMA, belgische Finanzaufsicht. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Wenn schon Geld weg istBetrugsschutz
- Einen Anbieter prüfenBetrugsschutz
- Gurus und SignalgruppenBetrugsschutz