Inflation und Kaufkraft
Der Kontostand bleibt gleich, aber was man sich davon kaufen kann, wird jedes Jahr weniger.
4.000 Euro liegen seit drei Jahren auf dem Girokonto, ohne konkreten Zweck, einfach als Polster. Das Konto bringt keine Zinsen. Das Gefühl dabei: Das Geld ist sicher, es wird ja nicht weniger.
Die Zahl auf dem Kontoauszug stimmt — sie sinkt tatsächlich nicht. Aber Preise steigen im Lauf der Zeit, und mit ihnen sinkt, was sich für denselben Betrag kaufen lässt. Bei spürbarer Inflation über mehrere Jahre kann ein Betrag, der nominal exakt gleich geblieben ist, real ein Zehntel oder mehr seiner ursprünglichen Kaufkraft verloren haben.
Sicherheit hat also zwei Bedeutungen, die leicht verwechselt werden: Nominale Sicherheit heißt, die Zahl auf dem Konto sinkt nicht. Reale Sicherheit heißt, man kann sich morgen noch genauso viel dafür kaufen wie heute. Ein zinsloses Girokonto bietet nur das Erste.
Der Unterschied zwischen nominalem und realem Wert ist rein rechnerisch einfach, wird aber im Alltag selten sichtbar gemacht: Der nominale Betrag ist die Zahl auf dem Kontoauszug. Der reale Wert ist diese Zahl, bereinigt um die Preissteigerung seit dem Zeitpunkt, zu dem das Geld angelegt wurde. Weil der Kontoauszug immer nur den nominalen Betrag zeigt, bleibt der Kaufkraftverlust unsichtbar, solange man nicht aktiv vergleicht, was derselbe Betrag vor drei Jahren gekostet hätte im Vergleich zu heute.
Das bedeutet nicht, dass jedes Geld investiert werden sollte — ein Notgroschen für kurzfristig mögliche Ausgaben (Autoreparatur, Zahnarzt, Jobverlust) muss jederzeit verfügbar und im Wert stabil sein, dafür ist ein zinsloses oder niedrig verzinstes Konto nach wie vor der richtige Ort, siehe Der Notgroschen zuerst. Die Frage betrifft nur den Teil des Geldes, der über einen angemessenen Notgroschen hinausgeht und über Jahre ohne konkreten kurzfristigen Zweck liegen bleibt — für diesen Teil lohnt sich der Blick auf Wie Inflation deine Kaufkraft auffrisst, um eine Anlageform zu finden, die zumindest die Preissteigerung ausgleicht.
Verstehens-Check
Zusammenfassung
- Ein gleichbleibender Kontostand bedeutet nicht gleichbleibende Kaufkraft.
- Nominale Sicherheit und reale Sicherheit sind zwei verschiedene Dinge.
- Ein Notgroschen bleibt sicher verfügbar, der Rest verdient eine Anlage gegen Inflation.
Hast du es verstanden?
Warum ist Geld auf einem zinslosen Girokonto nicht wirklich sicher?
Weil der Betrag in Euro zwar gleich bleibt, seine Kaufkraft durch Inflation aber jedes Jahr sinkt — der Nennwert bleibt sicher, der reale Wert nicht.
Was ist der Unterschied zwischen nominaler und realer Sicherheit?
Nominale Sicherheit bedeutet, dass die Zahl auf dem Konto nicht sinkt. Reale Sicherheit bedeutet, dass man sich morgen noch genauso viel dafür kaufen kann wie heute.
Bedeutet das, das gesamte Geld sollte investiert werden?
Nein. Ein Notgroschen für kurzfristige Bedürfnisse gehört weiterhin auf ein sicher zugängliches Konto — es geht um den Teil des Geldes ohne kurzfristigen Zweck.