Der Notgroschen
Der Notgroschen sind drei bis sechs Monatsausgaben auf einem Konto, an das du jederzeit herankommst. Er soll nicht wachsen. Er sorgt dafür, dass du deine Geldanlage auch in schlechten Zeiten durchhältst.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du ausrechnen, wie groß dein eigener Notgroschen sein sollte.
Der Notgroschen ist Geld, das langweilig herumliegt, und das darf er auch. Er ist für die kaputte Waschmaschine, die Autoreparatur, die Zahnarztrechnung und für den Fall, dass die Arbeit wegfällt.
Die Faustregel
Die übliche Faustregel sind drei bis sechs Monatsausgaben. Es geht um deine Ausgaben, nicht um dein Einkommen. Braucht Jonas im Monat 1.800 € zum Leben, sind das 5.400 bis 10.800 €.
Was bei dir den Ausschlag gibt
Wie viel es bei dir sein sollte, hängt von deinem Leben ab. Sicherer Job, keine Kinder, günstige Wohnung: eher drei Monate. Selbstständig, schwankende Einnahmen, Familie, altes Auto: eher sechs oder mehr.
Wo das Geld liegt
Wichtig ist, wo das Geld liegt. Am besten auf einem Tagesgeldkonto, von dem du es in ein, zwei Tagen hast. Nicht in Aktien, nicht in Krypto und nicht jahrelang im Festgeld. Dass der Notgroschen durch die Inflation langsam an Wert verliert, ist der Preis dafür, dass er da ist, wenn du ihn brauchst. Diesen Preis zahlst du gern, spätestens beim ersten Notfall.
Man kann den Notgroschen wie eine Versicherung sehen, deren Beitrag die entgangene Rendite ist. Liegen 10.000 € auf dem Tagesgeld statt in einem breiten Aktiendepot, das im Schnitt vielleicht vier Prozentpunkte mehr bringt, kostet dich das rechnerisch etwa 400 € im Jahr. Dem gegenüber steht der Schaden, wenn du in einem Rückgang verkaufen musst: Solche Rückgänge lagen in der Vergangenheit schnell bei 20 bis 50 Prozent, und viele steigen danach nie wieder ein.
Drei Arten von Überraschungen
Statt einer pauschalen Zahl hilft es, an drei Arten von Überraschungen zu denken. Kleine, ein paar hundert Euro, kommen oft vor und laufen über das normale Monatsbudget. Mittlere, etwa eine Autoreparatur für ein bis drei Monatsausgaben, kommen alle paar Jahre. Große, vor allem wenn das Einkommen wegfällt, bestimmen die Obergrenze. Wie groß die sein muss, hängt davon ab, wie gut du abgesichert bist und wie schnell du wieder Arbeit finden würdest.
Warum kein ETF
Warum kein ETF? Anteile lassen sich zwar an jedem Börsentag verkaufen, aber du weißt nicht, was sie in dem Moment wert sind, in dem du das Geld brauchst. Und Notfälle wie ein Jobverlust kommen oft gerade dann, wenn es auch an der Börse schlecht läuft. Geld, das du zwar bekommst, aber nicht in der erwarteten Höhe, hilft im Notfall wenig.
Zusammenfassung
- Drei bis sechs Monatsausgaben, nicht Monatseinkommen.
- Aufs Tagesgeld, nicht an die Börse.
- Dass er an Kaufkraft verliert, ist der Preis dafür, dass er da ist.
Hast du es verstanden?
Richtet sich der Notgroschen nach deinem Einkommen oder nach deinen Ausgaben?
Nach den Ausgaben. Es geht darum, wie lange du ohne neue Einnahmen leben kannst.
Warum eignet sich ein Aktien ETF nicht als Notgroschen?
Weil du nicht weißt, was er wert ist, wenn du das Geld brauchst, und Notfälle oft mit schlechten Börsenzeiten zusammenfallen.
Was kostet dich der Notgroschen?
Die Rendite, die dir entgeht. Dafür musst du seltener zum falschen Zeitpunkt verkaufen.
Was andere dazu oft fragen
Wie viel Notgroschen brauche ich, bevor ich anlege?
Üblich sind drei bis sechs Monatsausgaben. Wer ein unsicheres Einkommen hat, selbstständig ist oder Kinder hat, nimmt eher mehr. Gemeint sind die Ausgaben, nicht das Einkommen.
Darf der Notgroschen auf dem Tagesgeldkonto liegen?
Ja, dafür ist Tagesgeld gut geeignet. Das Geld muss jederzeit verfügbar sein und darf nicht schwanken. Aktien oder ETFs erfüllen das nicht.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Nimm deine monatlichen Ausgaben aus der Lektion zum Haushaltsbudget und rechne den Betrag für drei und für sechs Monate aus. Wähle anhand deiner Lage, also Job, Familie und Auto, eine der beiden Zahlen und begründe sie in einem Satz. Gib die Zahlen dann in den Notgroschenrechner ein und prüfe, wie lange du damit ohne Einkommen auskommst.