Rug Pull
Die Macher eines Kryptoprojekts ziehen das eingesammelte Geld ab und verschwinden. Die Warnzeichen kannst du vor dem Kauf öffentlich einsehen, wenn du weißt, wonach du suchst.
Ein neues Projekt startet mit Webseite, Whitepaper und einer lebhaften Chatgruppe. Anleger tauschen echte Coins gegen den neuen Token. Irgendwann ziehen die Macher die hinterlegte Liquidität ab, und niemand kann den Token mehr verkaufen.
Manchmal geht es noch direkter. Der Vertrag enthält von Anfang an Funktionen, mit denen die Macher beliebig neue Token schaffen oder Verkäufe sperren können. Beim sogenannten Squid Game Token 2021 konnten die Käufer von Anfang an nicht verkaufen. Der Preis stieg in wenigen Tagen auf über 2.800 Dollar, dann verschwanden die Macher, und der Token war nichts mehr wert.
Die Prüfliste ist kurz und wirksam. Kennt man die Gründer mit Namen, und lässt sich das nachprüfen? Ist die Liquidität für längere Zeit gesperrt? Wie viele Token liegen in den größten Wallets? Hat jemand Unabhängiges den Vertrag geprüft?
Findest du auf eine dieser Fragen keine Antwort, ist das deine Antwort. Bei neuen Token muss dir niemand etwas offenlegen, und wer nichts offenlegt, hat dafür meistens einen Grund.
Einiges kannst du direkt im Vertrag prüfen: ob es Funktionen gibt, mit denen nachträglich neue Token geschaffen werden, ob jemand die Regeln für den Handel ändern darf, ob Verkäufe beschränkt werden können und ob die Macher ihre Sonderrechte abgegeben oder an eine Zeitsperre gebunden haben. Bei Verträgen mit offenem Code kann das jeder nachlesen.
Wie die Token verteilt sind, zeigen öffentliche Daten der Blockchain. Liegt ein großer Teil bei wenigen Adressen, können deren Besitzer den Preis mit einem Verkauf vernichten, ganz egal, wie gut sich das Projekt entwickelt. Bedenke aber, dass Bestände auf viele Adressen verteilt sein können. Das macht die Prüfung schwieriger und weniger aussagekräftig.
Ist die Liquidität für eine gewisse Zeit gesperrt, sinkt das Risiko, dass sie sofort abgezogen wird. Weg ist es damit nicht. Läuft die Sperre ab, ist das Risiko wieder da. Prüfberichte zu den Verträgen suchen nach technischen Fehlern. Ob die Macher ehrlich sind, prüfen sie nicht. Sie ersetzen deshalb nicht die Frage, wer hinter dem Projekt steckt und was er davon hat.
Zusammenfassung
- Anonyme Gründer sind das stärkste einzelne Warnzeichen.
- Prüfe Verwaltungsrechte im Vertrag und die Verteilung der Bestände.
- Eine Sperre der Liquidität verschiebt das Risiko nur. Weg ist es damit nicht.
Hast du es verstanden?
Was passiert bei einem Rug Pull?
Die Macher ziehen die hinterlegte Liquidität ab, und niemand kann den Token mehr verkaufen.
Welche Vertragsmerkmale sind prüfbar?
Ob neue Token geschaffen werden können, ob jemand die Handelsregeln ändern oder Verkäufe sperren darf und wer Sonderrechte hat.
Was leistet ein Prüfbericht nicht?
Er sucht nach technischen Fehlern. Ob die Macher ehrlich sind, prüft er nicht.
Passt dazu
- Not your keys, not your coinsStufe 2
- Ein Whitepaper prüfenStufe 4
- Automatisierter HandelStufe 5