Ein Whitepaper prüfen
Die meisten Warnzeichen stehen im Dokument selbst oder fehlen darin auffällig. Anonyme Gründer, fehlende technische Substanz und Ertragsversprechen sind die drei wichtigsten.
Ein Whitepaper soll erklären, welches Problem gelöst wird und wie. Wenn du nach dem Lesen nicht in einem Satz sagen kannst, was das Projekt tut, ist das schon die Antwort.
Drei Warnzeichen sind besonders zuverlässig. Erstens anonyme oder erfundene Gründer, was sich über Rückwärtssuche der Profilbilder oft in Minuten prüfen lässt. Zweitens Renditeversprechen ohne erkennbare Quelle. Drittens ein Text, der vor allem aus Marktgröße und Zukunftsvisionen besteht statt aus Technik.
Weitere Punkte: Gibt es funktionierenden Code, den man ansehen kann? Wurde er von unabhängiger Seite geprüft? Wem gehören die meisten Token? Wie schnell werden sie freigeschaltet?
Und der einfachste Test überhaupt: Wenn eine feste Rendite versprochen wird, ohne dass jemand erklären kann, wer diese Rendite erwirtschaftet, dann kommt sie von den nächsten Einzahlern. Dafür gibt es einen Namen und der ist über hundert Jahre alt.
Prüfbare Merkmale lassen sich in vier Gruppen ordnen: Identität und Nachvollziehbarkeit des Teams, technische Substanz und Verfügbarkeit von quelloffenem Code, Prüfberichte unabhängiger Dritter zu den Verträgen, sowie Verteilung und Freigabestruktur der Token. Fehlen mehrere dieser Gruppen vollständig, ist eine Bewertung des Projekts nicht möglich, unabhängig vom Inhalt des Dokuments.
Prüfberichte zu Smart Contracts sind hilfreich, aber begrenzt aussagekräftig. Sie beziehen sich auf einen bestimmten Codestand und einen festgelegten Prüfumfang, der Ausnahmen enthalten kann. Ein vorhandener Bericht ist deshalb kein Sicherheitsnachweis, sondern lediglich die Grundlage für die Frage, was geprüft wurde und was ausdrücklich nicht.
Ökonomisch ist jedes Renditeversprechen daran zu messen, aus welcher Quelle es stammt. Nachvollziehbare Quellen sind Transaktionsgebühren, Zinsen aus tatsächlicher Kreditvergabe oder Erträge aus Sicherungsleistungen. Wo die Quelle nicht benannt werden kann oder aus der Ausgabe neuer Token besteht, handelt es sich um eine Umverteilung von späteren zu früheren Teilnehmern.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Anonyme Gründer, fehlende Technik, Ertragsversprechen ohne Quelle.
- Ein Prüfbericht sagt nur, was geprüft wurde, nicht dass es sicher ist.
- Ertrag ohne benennbare Quelle stammt von den nächsten Einzahlern.
Hast du es verstanden?
Welche vier Bereiche sollte man prüfen?
Team und Identität, technische Substanz und Code, unabhängige Prüfberichte, Tokenverteilung und Freigabeplan.
Was sagt ein Prüfbericht zu Smart Contracts aus?
Nur was zu einem bestimmten Codestand und Prüfumfang untersucht wurde, nicht dass das Projekt sicher ist.
Woran misst man ein Renditeversprechen?
An der benennbaren Quelle. Ohne solche stammt der Ertrag von späteren Einzahlern.
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