Die Tasse mit Henkel
Ein runder Boden über Wochen oder Monate, ein kleiner Rücksetzer und dann der Ausbruch über das alte Hoch. Das Muster ist bekannt, sein Nutzen umstritten.
Die Tasse mit Henkel wurde vor allem durch William O'Neil bekannt, der sie in den 1980er Jahren als Kaufmuster für wachsende Unternehmen beschrieb.
Worum es geht
Nach einem Hoch fällt der Kurs langsam, bildet einen runden Boden und steigt wieder auf die alte Höhe. Dort gibt er noch einmal leicht nach, der Henkel. Viele, die am alten Hoch gekauft hatten, verkaufen hier zum Einstandspreis. Danach ist der Weg frei, so die Idee.
Woran du es erkennst
- Ein runder, kein spitzer Boden.
- Die Tasse dauert meist Wochen bis Monate.
- Der Henkel ist klein und liegt in der oberen Hälfte der Tasse.
- Ein Schluss über dem Rand gilt als Ausbruch.
Wie das Kursziel geschätzt wird
Die Tiefe der Tasse wird zum Rand addiert. Rand bei 90 €, Boden bei 75 €, also 15 € Tiefe: Das Ziel liegt bei rund 105 €.
Wo es dich in die Irre führt
Wie rund ein Boden sein muss und wie klein ein Henkel, ist Ansichtssache. Und die Tasse braucht lange, bis sie fertig ist. In dieser Zeit kann viel passieren, was mit dem Chart nichts zu tun hat.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Eva hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 150 €. Eine Aktie hat eine Tasse gebildet und steigt aus dem Henkel über den Rand bei 90 €. Der Henkel lag bei 86 €. Eva kauft bei 90,50 € und setzt ihren Stop Loss bei 85,50 €. Bei diesem Abstand kauft sie 30 Stück für 2.715 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Kurs steigt auf 102 € und Eva verkauft vor dem geschätzten Ziel. Eva liegt 345 € vorne, nach 2 € Gebühren und 1,20 € Spread bleiben 341,80 €.
Wenn es schiefgeht: Der Ausbruch scheitert, der Stop wird bei 85,30 € ausgeführt. Das sind 156 € Verlust, mit Kosten 159,20 €.
Weil der Henkel 5 € unter dem Einstieg lag, konnte Eva nur 30 Stück kaufen. Ein weit entfernter, aber sinnvoller Stop macht die Position klein.
William O'Neil beschrieb das Muster in „How to Make Money in Stocks“ (1988) als Teil seiner CAN SLIM Methode, die auch Gewinnwachstum und Marktlage einbezieht. Das Muster allein war bei ihm nie das ganze Signal.
Eine Variante ohne Henkel heißt Untertasse oder runder Boden. Auch hier ist die Einordnung schwer, weil runde Böden erst im Rückblick eindeutig aussehen.
Zusammenfassung
- Die Tasse mit Henkel ist ein runder Boden mit kleinem Rücksetzer vor dem Ausbruch.
- Das Ziel ist die Tassentiefe, zum Rand addiert.
- Das Muster braucht lange und ist Ansichtssache.
Hast du es verstanden?
Rand bei 90 €, Boden bei 75 €. Wo liegt das Ziel?
Bei rund 105 €.
Was ist der Henkel?
Ein kleiner Rücksetzer nach der Tasse, bevor der Kurs über den Rand steigt.
Wer hat das Muster bekannt gemacht?
William O'Neil.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Cup with Handle (englisch). Quelle ansehen ↗
- Thomas N. Bulkowski: Encyclopedia of Chart Patterns, 3. Auflage 2021.
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