Chartmuster
Die bekannten Chartmuster sind anschaulich, lassen sich aber schwer eindeutig festlegen. Wo sie streng getestet wurden, sind die Ergebnisse überwiegend schwach.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du bekannte Chartmuster einordnen, ohne ihnen mehr zuzutrauen, als Tests zeigen.
Kopf Schulter, Doppeltop, Dreiecke, Flaggen: Über diese Muster gibt es ganze Bücher, und im Rückblick sehen sie immer beeindruckend aus. Zwölf der bekanntesten findest du mit Skizzen in unserer Übersicht der Chartmuster.
Das Problem der Eindeutigkeit
Das Problem ist die Eindeutigkeit. Wann genau ist eine Schulter eine Schulter? Wie schief darf die Nackenlinie sein? Gib zehn Leuten denselben Chart, und sie zeichnen zehn verschiedene Muster hinein.
Warum die Prüfung scheitert
Genau daran scheitert die Überprüfung. Was sich nicht eindeutig festlegen lässt, lässt sich nicht testen. Und was sich nicht testen lässt, kann man nicht als bewährt bezeichnen.
Wo Muster Sinn ergeben
Unsinn ist deshalb nicht alles. Manche Muster beschreiben nachvollziehbare Vorgänge, zum Beispiel, wie in einer Seitwärtsphase nach und nach die wartenden Aufträge abgearbeitet werden. Nur ist das eine Beschreibung und keine Vorhersage. Wer diesen Unterschied übersieht, zahlt dafür.
Will man Muster von einem Computer erkennen lassen, muss man sie genau definieren. Meist wird dafür der Kursverlauf geglättet, dann werden die Hoch und Tiefpunkte bestimmt und Bedingungen dafür festgelegt, wie sie zueinander liegen müssen. Studien, die so vorgehen, finden für einzelne Muster schwache Auffälligkeiten. Nach Abzug der Handelskosten und wenn man berücksichtigt, wie viele Muster getestet wurden, bleibt davon meistens nichts übrig.
Zufallsfunde
Dieser zweite Punkt ist wichtig. Durchsucht man viele Muster, Zeitrahmen und Märkte, findet man allein durch Zufall einige, die gut aussehen. Testest du hundert wertlose Regeln, sehen im Schnitt fünf davon auf dem üblichen Niveau statistisch bedeutsam aus. Ohne eine Korrektur für die Zahl der Versuche bedeutet ein einzelner guter Befund deshalb nichts.
Muster im Zufall
Dazu kommt unser Kopf. Menschen erkennen auch in zufälligen Zahlenreihen häufig Muster. In Versuchen mit ausgedachten Kursverläufen, die nur aus Zufallszahlen bestanden, fanden die Teilnehmer dieselben Formationen wie in echten Charts. Dass du ein Muster erkennen kannst, beweist also noch nicht, dass es etwas bedeutet.
Zusammenfassung
- Was sich nicht eindeutig festlegen lässt, lässt sich nicht prüfen.
- In zufälligen Kursverläufen erkennt man dieselben Muster wie in echten.
- Ein einzelner guter Befund aus vielen Versuchen bedeutet nichts.
Hast du es verstanden?
Warum sind Chartmuster schwer zu überprüfen?
Weil sie sich kaum eindeutig festlegen lassen und das Erkennen subjektiv bleibt.
Was passiert, wenn man sehr viele Muster testet?
Einige sehen allein durch Zufall gut aus. Ohne Korrektur für die Zahl der Versuche ist ein einzelner guter Befund wertlos.
Was zeigen Versuche mit ausgedachten Kursverläufen?
Dass Menschen darin dieselben Muster erkennen wie in echten Charts.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Zeichne in einen Chart deiner Wahl ein Muster ein, das du erkennst. Lass eine zweite Person denselben Chart ohne dein Muster ansehen und ebenfalls eines einzeichnen. Schreibe in zwei Sätzen auf, wo sich beide Zeichnungen unterscheiden und welche Regel fehlt, damit ein Computer das Muster eindeutig erkennen könnte.
Quellen und Weiterlesen
- Die vielzitierte Studie von Lo, Mamaysky und Wang, die Chartformationen erstmals algorithmisch definierte und dabei nur schwache statistische Zusammenhänge fand. Quelle ansehen ↗
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