Welche Versicherungen du wirklich brauchst
Die meisten Menschen sind gleichzeitig zu viel und zu wenig versichert. Sie zahlen für Handy und Brille, haben aber keine Haftpflicht. Wichtig ist nur, was dich finanziell ruinieren könnte.
Die Grundregel steht schon in der Lektion Versicherungen vor Vermögen. Versichere, was dich ruinieren kann. Trag selbst, was du aus deinem Notgroschen bezahlen kannst. Auf dieser Seite wird daraus eine konkrete Liste.
Was fast jeder braucht
Eine Krankenversicherung. In Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden ist sie Pflicht, in vielen anderen Ländern Europas bist du über das staatliche System abgesichert. Kümmern musst du dich vor allem, wenn du dich selbstständig machst oder ins Ausland ziehst.
Eine private Haftpflichtversicherung. Sie zahlt, wenn du aus Versehen anderen einen Schaden zufügst, und kostet meist nur einige Euro im Monat. Kaum eine Versicherung schützt so viel für so wenig Geld. Mehr dazu auf der Seite zur Haftpflicht.
Eine Auslandsreisekrankenversicherung, sobald du verreist. Sie kostet oft nur 10 bis 20 Euro im Jahr und übernimmt, was die gesetzliche Versicherung im Ausland nicht zahlt, etwa einen Rücktransport nach Hause.
Was von deiner Lage abhängt
Die Absicherung deiner Arbeitskraft. Wer von seinem Einkommen lebt, hat mit seiner Arbeitskraft meist den größten Wert, den er besitzt. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist deshalb für die meisten Berufstätigen wichtig. Mehr dazu auf der Seite zur Berufsunfähigkeit.
Eine Risikolebensversicherung, wenn andere von deinem Einkommen abhängen, etwa Kinder oder ein Partner mit gemeinsamem Hauskredit. Sie zahlt eine feste Summe, wenn du stirbst, und ist ohne Sparanteil erstaunlich günstig. Ohne Menschen, die von dir abhängen, brauchst du sie nicht.
Eine Kfz Haftpflicht, wenn du ein Auto hast. Sie ist in der ganzen EU Pflicht.
Eine Wohngebäudeversicherung, wenn dir ein Haus gehört. Ein abgebranntes Haus ohne Versicherung, auf dem noch ein Kredit liegt, ist einer der schlimmsten finanziellen Fälle überhaupt.
Eine Hausratversicherung lohnt sich, wenn deine Einrichtung viel wert ist. Für ein WG Zimmer mit gebrauchten Möbeln ist sie eher verzichtbar.
Was du meistens nicht brauchst
Hier verdient vor allem der Verkäufer. Typische Beispiele sind Versicherungen für Handy, Brille oder Reisegepäck, Garantieverlängerungen im Elektromarkt, Restschuldversicherungen zu Krediten und Sterbegeldversicherungen. Die Schäden sind entweder klein genug, um sie selbst zu bezahlen, oder die Bedingungen schließen so viel aus, dass im Ernstfall wenig übrig bleibt.
Tom zahlt für die Versicherung seines Handys 9 Euro im Monat, im Schadensfall kommen noch 100 Euro Selbstbeteiligung dazu. In zwei Jahren sind das 216 Euro Beiträge. Legt er das Geld stattdessen zur Seite, hat er ein Polster für eine Reparatur, und wenn nichts kaputtgeht, gehört es ihm.
Vorsicht bei allem, was Versicherung und Geldanlage in einem Vertrag verbindet, etwa eine Kapitallebensversicherung oder eine fondsgebundene Rentenversicherung mit hohen Abschlusskosten. Beides getrennt ist fast immer günstiger und flexibler.
Nach dem Abschluss hast du in der Regel 14 Tage Zeit, den Vertrag ohne Begründung zu widerrufen, bei Lebensversicherungen in Deutschland 30 Tage. Die Frist beginnt erst, wenn du alle Vertragsunterlagen bekommen hast. Das gibt dir Luft, wenn du dich an einem Beratungstermin hast überreden lassen.
Bei vielen Verträgen lohnt ein Blick auf die Selbstbeteiligung. Wer kleine Schäden selbst trägt, zahlt oft deutlich weniger Beitrag. Das passt zur Grundregel: Versicherung für die großen Schäden, Notgroschen für die kleinen.
Die Unfallversicherung ist ein Sonderfall. Sie zahlt nur nach einem Unfall, die meisten Fälle von Berufsunfähigkeit entstehen aber durch Krankheiten, vor allem psychische Erkrankungen und Probleme mit Rücken und Gelenken. Als Ersatz für eine Berufsunfähigkeitsversicherung taugt sie deshalb kaum.
Versicherungen werden in Europa sehr unterschiedlich angeboten. In Frankreich steckt die private Haftpflicht oft schon in der Hausratversicherung, in Belgien heißt die Familienhaftpflicht schlicht „familiale“. Welche Absicherung der Staat bei Krankheit und Erwerbsunfähigkeit übernimmt, unterscheidet sich stark. Prüf deshalb zuerst, was du über Arbeitgeber und Sozialversicherung schon hast, bevor du etwas dazukaufst.
Einmal im Jahr lohnt ein kurzer Blick in deine Verträge. Passen sie noch zu deinem Leben? Nach Umzug, Heirat, Kind oder Jobwechsel ändert sich oft, was du brauchst.
Zusammenfassung
- Versichere, was dich ruinieren kann, und zahl Kleinigkeiten selbst.
- Haftpflicht, Krankenversicherung und bei Berufstätigen die Arbeitskraft stehen ganz oben.
- Handy, Brille, Reisegepäck und Garantieverlängerungen brauchst du meistens nicht.
- Versicherung und Geldanlage gehören in getrennte Verträge.
Hast du es verstanden?
Nach welcher Regel entscheidest du, ob sich eine Versicherung lohnt?
Versichere Schäden, die dich finanziell ruinieren könnten. Kleine Schäden zahlst du besser aus dem Notgroschen.
Wann brauchst du eine Risikolebensversicherung?
Wenn andere Menschen von deinem Einkommen abhängen, etwa Kinder oder ein Partner mit gemeinsamem Kredit.
Warum ist eine Handyversicherung meistens kein gutes Geschäft?
Weil die Beiträge über zwei Jahre oft höher sind als eine Reparatur und im Schadensfall noch eine Selbstbeteiligung dazukommt.
Wie lange kannst du einen neuen Versicherungsvertrag in der Regel widerrufen?
14 Tage, bei Lebensversicherungen in Deutschland 30 Tage, gerechnet ab dem Erhalt aller Unterlagen.
Quellen und Weiterlesen
- Verbraucherzentrale, welche Versicherungen sind wichtig. Quelle ansehen ↗
- BaFin, Versicherungen für Verbraucher. Quelle ansehen ↗
- EIOPA, Informationen für Verbraucher in Europa. Quelle ansehen ↗
- Versicherungsvertragsgesetz, § 8 und § 152 (Widerrufsrecht). Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Versicherungen vor VermögenStufe 0
- Die HaftpflichtversicherungGeld im Alltag
- Die Arbeitskraft absichernGeld im Alltag
- Checklisten statt VergleichslisteGeld im Alltag