Die Arbeitskraft absichern
Wer mit 30 berufsunfähig wird, verliert oft über eine Million Euro an künftigem Einkommen. Der Staat fängt davon nur einen kleinen Teil auf. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung schließt diese Lücke, wenn du sie früh und ehrlich abschließt.
Die meisten denken bei Vermögen an Konto und Depot. Für Berufstätige ist der größte Wert aber meist etwas anderes, nämlich die Fähigkeit, in den nächsten Jahrzehnten Geld zu verdienen.
Sophie ist 30 und verdient 2.500 Euro netto im Monat. Bis zur Rente sind das 37 Jahre, zusammen über 1,1 Millionen Euro, ohne eine einzige Gehaltserhöhung. Kann sie wegen einer Krankheit nicht mehr arbeiten, fällt dieses Geld weg. Kein Depot, das jemand mit 30 aufgebaut hat, gleicht das aus.
Was der Staat zahlt
In Deutschland gibt es die Erwerbsminderungsrente. Die volle Rente bekommst du aber nur, wenn du in keinem Beruf mehr als drei Stunden am Tag arbeiten kannst, nicht nur in deinem eigenen. Und sie ist meist deutlich niedriger als das bisherige Nettogehalt. Wer jung ist und erst wenige Jahre eingezahlt hat, bekommt oft besonders wenig. In anderen Ländern Europas gibt es ähnliche Leistungen, die Regeln und Beträge unterscheiden sich stark.
Wie die Versicherung funktioniert
Eine Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dir eine monatliche Rente, wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen voraussichtlich mindestens sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst. Die Rente läuft so lange, bis du wieder arbeiten kannst oder der Vertrag endet, idealerweise mit dem Rentenalter.
Die häufigsten Ursachen sind übrigens keine Unfälle. Ganz vorn liegen psychische Erkrankungen, danach Probleme mit Rücken und Gelenken und Krebs.
Worauf du beim Abschluss achtest
- Früh abschließen. Der Beitrag hängt stark von Alter und Gesundheit ab. Mit Mitte zwanzig und ohne Vorerkrankungen ist er am niedrigsten.
- Gesundheitsfragen ehrlich beantworten. Lass dir vorher deine Patientenakte von Ärzten und Krankenkasse geben. Wer etwas verschweigt, riskiert, dass die Versicherung im Ernstfall nicht zahlt.
- Genug Rente vereinbaren. Sie sollte reichen, um deine festen Kosten zu decken. Für viele sind das 1.000 bis 2.000 Euro im Monat.
- Laufzeit bis zur Rente. Ein Vertrag, der mit 55 endet, lässt dich in den Jahren allein, in denen das Risiko am höchsten ist.
Der Beitrag hängt stark vom Beruf ab. Eine Bürokraft zahlt oft deutlich weniger als ein Dachdecker. Wer in einem körperlich harten Beruf arbeitet oder schon Vorerkrankungen hat, bekommt manchmal nur Zuschläge, Ausschlüsse oder eine Ablehnung. Dann lohnt ein Blick auf Alternativen wie eine Erwerbsunfähigkeitsversicherung, die weniger leistet, aber leichter zu bekommen ist.
Weil hier viel Geld und viel Kleingedrucktes im Spiel ist, lohnt sich eine unabhängige Beratung gegen Honorar, etwa bei der Verbraucherzentrale. Dort verdient niemand an deinem Abschluss.
Achte im Vertrag auf den Verzicht auf die sogenannte abstrakte Verweisung. Ohne diesen Verzicht kann die Versicherung dich auf einen anderen Beruf verweisen, den du theoretisch noch ausüben könntest, auch wenn du ihn nie gelernt hast. Gute Verträge verzichten darauf. Eine konkrete Verweisung bleibt meist erlaubt, also dann, wenn du tatsächlich schon in einem anderen, vergleichbaren Beruf arbeitest.
Verletzt du beim Abschluss die Pflicht, alle Gesundheitsfragen richtig zu beantworten, kann der Versicherer vom Vertrag zurücktreten, anfechten oder den Vertrag anpassen. In Deutschland regelt das das Versicherungsvertragsgesetz ab § 19. Bei Fahrlässigkeit gilt das bis zu fünf Jahre nach Abschluss, bei Arglist bis zu zehn Jahre. Deshalb ist die Patientenakte vor dem Antrag so wichtig. Manche Beratungsstellen stellen außerdem eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Versicherern, bevor du dich irgendwo mit Namen bewirbst.
Eine Nachversicherungsgarantie erlaubt dir, die Rente später ohne neue Gesundheitsprüfung zu erhöhen, zum Beispiel nach Heirat, Geburt eines Kindes oder einem höheren Gehalt. Eine Dynamik erhöht Beitrag und Rente jedes Jahr ein wenig, damit die Inflation die vereinbarte Rente nicht auffrisst.
In der Schweiz sichern Invalidenversicherung und Pensionskasse bereits einen Teil ab, eine private Ergänzung schließt die Lücke. In Österreich gibt es die Berufsunfähigkeitspension und die Invaliditätspension. In vielen Ländern bieten Arbeitgeber außerdem kollektive Absicherungen an. Prüf deshalb zuerst, was du schon hast.
Zusammenfassung
- Deine Arbeitskraft ist meist mehr wert als alles, was du bisher gespart hast.
- Der Staat zahlt bei Erwerbsminderung nur wenig und unter strengen Bedingungen.
- Früh abschließen, Gesundheitsfragen ehrlich beantworten, Laufzeit bis zur Rente.
- Unabhängige Beratung gegen Honorar lohnt sich hier besonders.
Hast du es verstanden?
Warum ist die Arbeitskraft für Berufstätige so wertvoll?
Weil das Einkommen der nächsten Jahrzehnte zusammen oft über eine Million Euro ausmacht, mehr als jedes bisher gesparte Vermögen.
Wann zahlt eine Berufsunfähigkeitsversicherung in der Regel?
Wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf voraussichtlich mindestens sechs Monate lang zu mindestens 50 Prozent nicht mehr ausüben kannst.
Warum solltest du vor dem Antrag deine Patientenakte anfordern?
Damit du die Gesundheitsfragen vollständig und richtig beantwortest. Sonst kann die Versicherung im Ernstfall die Leistung verweigern.
Was bedeutet der Verzicht auf abstrakte Verweisung?
Die Versicherung darf dich nicht auf einen anderen Beruf verweisen, den du nur theoretisch ausüben könntest.
Quellen und Weiterlesen
- Deutsche Rentenversicherung, Erwerbsminderungsrente. Quelle ansehen ↗
- Versicherungsvertragsgesetz, §§ 19 bis 22 und §§ 172 bis 177. Quelle ansehen ↗
- Verbraucherzentrale, Berufsunfähigkeitsversicherung. Quelle ansehen ↗
- Informationsstelle AHV/IV, Invalidenversicherung in der Schweiz. Quelle ansehen ↗
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