Versicherungen vor Vermögen
Was dich finanziell ruinieren kann, versicherst du. Was du aus eigener Tasche zahlen kannst, trägst du selbst. Ein einziger großer Schaden ohne Versicherung kann ein Depot auslöschen, das über Jahre gewachsen ist.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einschätzen, welche Risiken du versichern solltest, bevor du Vermögen aufbaust.
Eine Versicherung ist ein einfacher Tausch: Du zahlst einen kleinen, sicheren Betrag, damit dich ein großer, unsicherer Betrag nicht trifft.
Die Regel dahinter
Daraus ergibt sich eine klare Regel. Versichere, was dich ruinieren kann. Versichere nicht, was du aus deinem Notgroschen bezahlen kannst. Ein kaputtes Handy ruiniert niemanden. Ein Schaden, für den du jahrzehntelang haftest, schon.
Ein Beispiel: Mia fährt mit dem Rad, übersieht einen Fußgänger, und der Mann ist danach dauerhaft verletzt. Ohne Haftpflichtversicherung haftet Mia unter Umständen mit ihrem ganzen Vermögen und ihrem künftigen Einkommen. Ihr Depot mit 15.000 € wäre in so einem Fall schnell weg.
Was existenzbedrohend ist
Als existenzbedrohend gelten meist drei Dinge: Schäden, die du anderen zufügst, der Verlust deiner Arbeitskraft und, je nach Lebenslage, die Absicherung von Angehörigen. Diese drei kommen vor jedem Depot.
Policen mit Vermittlerinteresse
Umgekehrt gibt es viele Policen, an denen vor allem der Vermittler verdient. Will dir jemand Versicherung und Geldanlage in einem Produkt verkaufen, sei vorsichtig. Getrennt funktioniert beides in der Regel besser.
Im Schnitt zahlst du bei jeder Versicherung drauf, denn der Versicherer muss Verwaltung, Vertrieb und Gewinn bezahlen. Der Erwartungswert ist für dich also negativ. Sinnvoll ist sie trotzdem, wenn der mögliche Schaden dein Vermögen übersteigt. Dann zählt vor allem, einen Zustand zu vermeiden, aus dem du dich nicht mehr erholen kannst.
Verbindung zum Risikomanagement
Derselbe Gedanke kommt später beim Risikomanagement wieder. Wer alles verliert, hat keine Rendite mehr, mit der er es wieder aufholen könnte. Deshalb hat das Vermeiden des Ruins Vorrang vor dem Maximieren der Rendite. Die Absicherung großer Lebensrisiken ist dieses Prinzip, nur auf dein Leben angewendet statt auf dein Depot.
Kombinierte Produkte
Zu Produkten, die Versicherung und Geldanlage verbinden: Sie verknüpfen zwei Zwecke mit unterschiedlichen Laufzeiten und Kündigungsregeln, und ihre Kosten sind oft schwer zu durchschauen. Getrennt kannst du jeden Teil einzeln vergleichen, wechseln und beenden. Wer auf diese Bequemlichkeit verzichtet, bekommt dafür Vergleichbarkeit, und die ist am Finanzmarkt viel wert.
Zusammenfassung
- Versichere, was dich ruiniert. Trage selbst, was du bezahlen kannst.
- Absicherung kommt vor Anlage, weil man sich vom Ruin nicht erholt.
- Versicherung und Geldanlage gehören in getrennte Verträge.
Hast du es verstanden?
Warum ist eine Versicherung sinnvoll, obwohl sie im Schnitt Geld kostet?
Weil sie einen Schaden verhindert, von dem du dich nicht mehr erholen könntest. Bei solchen Risiken zählt das mehr als der Durchschnitt.
Welche Schäden solltest du eher nicht versichern?
Solche, die du aus deinem Notgroschen bezahlen kannst.
Was spricht gegen Produkte, die Versicherung und Anlage verbinden?
Beide Teile lassen sich dann schlecht vergleichen und wechseln, und die Kosten sind schwer zu durchschauen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreib fünf Schäden auf, die dir passieren könnten, jeweils mit einer Schätzung in Euro. Markiere die, die deinen Notgroschen (rechne ihn im Notgroschenrechner aus) übersteigen oder dich über Jahre belasten würden. Halte fest, wie du für diese Fälle heute abgesichert bist.
Quellen und Weiterlesen
- Ole Peters und Benjamin Skjold (Ergodicity Economics, London Mathematical Laboratory) zeigen, warum der Abschluss einer Versicherung trotz negativen Erwartungswerts rational sein kann: Bei existenzbedrohenden Risiken zählt nicht der Erwartungswert über viele Personen, sondern die Vermeidung des Ruins für die eigene, zeitliche Entwicklung des Vermögens. Quelle ansehen ↗
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