Versicherungen vor Vermögen
Existenzbedrohende Risiken versichert man, kleine trägt man selbst. Ein einziger unversicherter Großschaden kann ein Depot vernichten, das über Jahre aufgebaut wurde.
Eine Versicherung ist kein Produkt für Vorsichtige, sondern Mathematik. Du gibst einen kleinen sicheren Betrag ab, damit ein großer unsicherer Betrag dich nicht trifft.
Daraus folgt die Regel: Versichere, was dich ruinieren kann. Versichere nicht, was du aus dem Notgroschen zahlen kannst. Ein kaputtes Handy ruiniert niemanden. Ein Schaden, für den du jahrzehntelang haftest, schon.
Als existenzbedrohend gelten in der Regel: Schäden, die du anderen zufügst, der Verlust deiner Arbeitskraft, und je nach Lebenslage die Absicherung von Angehörigen. Diese drei kommen vor jedem Depot.
Umgekehrt gibt es viele Policen, die vor allem den Vermittler ernähren. Wenn dir jemand Versicherung und Geldanlage in einem Produkt verkaufen will, ist Vorsicht angebracht. Beides funktioniert getrennt fast immer besser.
Der Entscheidungsrahmen ist der Erwartungswert im Verhältnis zur Ruinwahrscheinlichkeit. Versicherungen haben systematisch einen negativen Erwartungswert für den Versicherten, denn der Versicherer muss Verwaltung, Vertrieb und Gewinn decken. Rational bleibt der Abschluss trotzdem, wenn der mögliche Schaden das Vermögen übersteigt: In diesem Fall zählt nicht der Erwartungswert, sondern die Vermeidung des absorbierenden Zustands, aus dem heraus keine Erholung mehr möglich ist.
Das ist derselbe Gedanke, der später im Risikomanagement wiederkehrt. Wer einen Totalverlust erleidet, hat keine Rendite mehr, mit der er ihn ausgleichen könnte. Deshalb sind Ruinvermeidung und Renditemaximierung getrennte Ziele, und Ruinvermeidung hat Vorrang. Die Absicherung existenzieller Risiken ist die Anwendung dieses Prinzips auf das Leben statt auf das Depot.
Zur Trennung von Absicherung und Anlage: Kombinationsprodukte verbinden zwei Zwecke mit unterschiedlichen Laufzeiten, unterschiedlicher Kündbarkeit und intransparenter Kostenstruktur. Getrennt lässt sich jeder Teil einzeln vergleichen, wechseln und beenden. Der Preis der Bequemlichkeit ist hier fehlende Vergleichbarkeit, und fehlende Vergleichbarkeit ist der teuerste Zustand am gesamten Finanzmarkt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Versichere, was dich ruiniert. Trage selbst, was du zahlen kannst.
- Absicherung kommt vor Anlage, weil Ruin nicht aufholbar ist.
- Versicherung und Geldanlage gehören in getrennte Verträge.
Hast du es verstanden?
Warum ist eine Versicherung rational, obwohl sie im Schnitt Geld kostet?
Weil sie einen Zustand verhindert, aus dem es keine Erholung gibt. Bei existenziellen Risiken zählt die Ruinvermeidung mehr als der Erwartungswert.
Welche Schäden sollte man nicht versichern?
Solche, die man aus dem Notgroschen bezahlen kann.
Was spricht gegen Produkte, die Versicherung und Anlage kombinieren?
Beide Teile werden dadurch unvergleichbar, schwer zu wechseln und intransparent in den Kosten.
Passt dazu
- Bevor du einen Euro anlegstStufe −1
- Der NotgroschenStufe −1
- Ziel und ZeithorizontStufe −1