Der Parabolic SAR einfach erklärt
Der Parabolic SAR setzt Punkte unter oder über den Kurs. Sie rücken jeden Tag näher an den Kurs heran und eignen sich als nachgezogener Stop. In Seitwärtsphasen springen sie ständig hin und her.
SAR steht für Stop and Reverse, also Stoppen und Umdrehen. J. Welles Wilder hat den Indikator 1978 vorgestellt. Die Idee: Solange ein Trend läuft, zieht der Stop mit, und sobald der Kurs ihn berührt, wird die Richtung gewechselt.
Worum es geht
Im Chart siehst du kleine Punkte. Liegen sie unter dem Kurs, gilt der Trend als aufwärts. Liegen sie darüber, als abwärts. Berührt der Kurs die Punkte, springen sie auf die andere Seite.
Ein Beispiel: Eine Aktie steigt seit zwei Wochen, die Punkte liegen darunter und rücken Tag für Tag nach oben. Fällt der Kurs eines Tages unter den Punkt, springen die Punkte über den Kurs. Wer den SAR als Stop nutzt, wäre an diesem Tag ausgestiegen.
So wird gerechnet
Jeder neue Punkt ist der alte Punkt plus ein Stück des Abstands zum bisherigen Extrem, im Aufwärtstrend also zum höchsten Hoch. Dieses Stück heißt Beschleunigungsfaktor. Er beginnt bei 0,02 und steigt bei jedem neuen Hoch um 0,02, höchstens bis 0,2. Dadurch rücken die Punkte immer schneller an den Kurs heran.
Mit Zahlen: Der SAR steht bei 48 €, das höchste Hoch bei 53 €, der Faktor bei 0,04. Der nächste Punkt liegt bei 48 € plus 0,04 mal 5 €, also bei 48,20 €.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Seitenwechsel: Springen die Punkte unter den Kurs, lesen manche das als Kaufsignal, springen sie darüber, als Verkaufssignal.
- Nachgezogener Stop: Viele nutzen die Punkte nur, um einen Stop im laufenden Trend Tag für Tag nachzuziehen.
- Abstand: Ein großer Abstand zwischen Kurs und Punkten zeigt einen kräftigen Trend.
Wo es dich in die Irre führt
In Seitwärtsphasen wechseln die Punkte ständig die Seite. Wer jeden Wechsel handelt, kauft und verkauft immer wieder zu leicht schlechteren Preisen und zahlt jedes Mal Gebühren. Wilder selbst empfahl, den SAR nur in Märkten mit klarem Trend zu nutzen.
Weil der Faktor mit jedem neuen Hoch steigt, rücken die Punkte in langen Trends sehr nahe an den Kurs. Schon ein normaler Rücksetzer löst dann den Stop aus, obwohl der Trend weiterläuft.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Nina hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 150 €. Die Punkte des SAR springen bei einer Aktie unter den Kurs, der nächste Punkt liegt 1 € unter dem Kurs. Nina kauft bei 30 € und setzt ihren Stop Loss bei 29 €. Bei diesem Abstand kauft sie 150 Stück für 4.500 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Trend läuft, die Punkte ziehen täglich nach, bis der Kurs sie bei 33 € berührt. Nina liegt 450 € vorne, nach 2 € Gebühren und 6 € Spread bleiben 442 €.
Wenn es schiefgeht: Die Aktie läuft seitwärts, schon am nächsten Tag berührt der Kurs die Punkte. Der Stop wird bei 28,95 € ausgeführt. Das sind 157,50 € Verlust, mit Kosten 165,50 €.
Nina hat den SAR vor allem als Ausstieg genutzt. Das funktioniert im Trend gut. In der Seitwärtsphase kostet genau diese Nähe der Punkte zum Kurs Geld.
Wilder beschrieb den Parabolic SAR 1978 in „New Concepts in Technical Trading Systems“. Der Name kommt von der Form der Punktreihe, die sich im Trend wie eine Parabel an den Kurs anschmiegt.
Formal: SAR morgen = SAR heute + AF × (EP − SAR heute). EP ist der Extrempunkt, im Aufwärtstrend das höchste Hoch seit Trendbeginn. AF beginnt bei 0,02 und steigt bei jedem neuen Extrem um 0,02 bis höchstens 0,2. Der SAR darf im Aufwärtstrend nie über den Tiefs der letzten beiden Tage liegen.
Weil das System immer im Markt ist, einmal lang und einmal kurz, eignet es sich schlecht als alleiniges Handelssystem. Als Werkzeug zum Nachziehen eines Stops ist es dagegen verbreitet.
Zusammenfassung
- Die SAR Punkte liegen im Aufwärtstrend unter dem Kurs und im Abwärtstrend darüber.
- Sie eignen sich als nachgezogener Stop.
- In Seitwärtsphasen wechseln sie ständig die Seite.
Hast du es verstanden?
Was bedeutet es, wenn die SAR Punkte über den Kurs springen?
Dass der Kurs den letzten Punkt berührt hat. Der SAR geht dann von einem Abwärtstrend aus.
Warum rücken die Punkte im Trend immer schneller an den Kurs?
Weil der Beschleunigungsfaktor mit jedem neuen Hoch steigt.
Warum ist der SAR in Seitwärtsphasen teuer?
Weil die Punkte ständig die Seite wechseln und jeder Wechsel einen Trade mit Gebühren auslöst.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Parabolic SAR (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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