Stop Loss richtig setzen
Ein Stop Loss begrenzt deinen Verlust, einen bestimmten Preis garantiert er aber nicht. Er gehört an die Stelle, an der deine Idee für den Kauf nicht mehr stimmt, und nicht dorthin, wo dein Wunschbetrag liegt.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einen Stop Loss an einer begründeten Stelle setzen statt bei deinem Wunschbetrag.
Der Stop Loss ist die Marke, an der du zugibst, dass du falsch lagst. Wird sie erreicht, wird verkauft, ohne dass du in diesem Moment noch entscheiden musst. Das ist sein ganzer Wert, denn in diesem Moment entscheidet man selten gut.
Zu enge Stops
Der häufigste Fehler ist, ihn zu eng zu setzen. Kurse schwanken auch ohne Grund ein bisschen hin und her. Liegt dein Stop mitten in diesem normalen Rauschen, wird er ausgelöst, obwohl nichts passiert ist, und danach läuft der Kurs oft genau in die Richtung, die du erwartet hattest.
Den Stop verschieben
Der zweithäufigste Fehler ist, ihn zu verschieben, wenn der Kurs näher kommt. Dann hast du keinen Stop mehr, nur noch Hoffnung. Nach unten verschieben ist immer falsch. Nach oben nachziehen, wenn es gut läuft, ist dagegen sinnvoll.
Keine Preisgarantie
Wichtig: Ein Stop garantiert keinen Preis. Springt der Kurs über Nacht nach unten, wird zum nächsten verfügbaren Kurs verkauft, und der kann deutlich tiefer liegen. Der Stop schützt dich im normalen Fall, nicht im Ausnahmefall.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Tom kauft eine Aktie für 40 €. Das letzte deutliche Tief liegt bei 37,80 €, an einem normalen Tag schwankt die Aktie um etwa 0,90 €. Er will pro Trade höchstens 100 € verlieren.
Variante A, Stop nach Wunschbetrag: Tom kauft 100 Stück und setzt den Stop bei 39,00 €, weil dann genau 100 € Verlust entstehen. Am nächsten Tag fällt die Aktie kurz auf 38,80 € und steigt danach auf 44 €. Der Stop hat ausgelöst, Tom ist mit 100 € Verlust und 6 € Kosten draußen und schaut dem Anstieg zu.
Variante B, Stop an der richtigen Stelle: Tom setzt den Stop unter das Tief, bei 37,50 €. Weil er jetzt 2,50 € pro Aktie riskiert, kauft er nur 40 Stück für 1.600 €. Der kurze Rückgang auf 38,80 € berührt den Stop nicht. Bei 44 € verkauft er und liegt 160 € vorne, nach 2 € Gebühren und rund 1,60 € Spread bleiben etwa 156 €.
Wäre die Aktie unter 37,50 € gefallen, hätte Tom 100 € plus Kosten verloren, so wie geplant. Der Stop an der sinnvollen Stelle hat ihn gezwungen, weniger zu kaufen. Das ist der Preis dafür, dass normale Schwankungen ihn nicht ständig rauswerfen.
Wo der Stop hingehört, ergibt sich aus dem Chart. Viele nehmen dafür ein Maß für die übliche Schwankung, etwa ein Vielfaches der durchschnittlichen Tagesspanne, der ATR. So liegt der Stop außerhalb des normalen Hin und Hers. Andere nehmen eine markante Stelle im Chart. Fällt der Kurs darunter, stimmt die ursprüngliche Idee nicht mehr.
Abstand und Positionsgröße
Abstand des Stops und Positionsgröße hängen fest zusammen. Ein Beispiel: Sara will höchstens 150 € riskieren. Die Aktie steht bei 50 €, die ATR liegt bei 1,50 €, und sie setzt den Stop mit zwei ATR Abstand bei 47 €. Dann darf sie 50 Stück kaufen. Hätte sie den Stop bei 49 € gesetzt, dürfte sie 150 Stück kaufen, würde aber viel öfter grundlos ausgestoppt. Viele machen es andersherum. Sie wählen zuerst die Stückzahl und setzen den Stop dann so eng, dass der Verlust passt. Damit werden sie ständig zu früh ausgestoppt.
Gehäufte Stops
Denk auch daran, dass sich Stops an bestimmten Stellen häufen. An runden Zahlen oder direkt unter einem offensichtlichen Tief liegen viele Stops. Werden sie ausgelöst, verstärkt das die Bewegung für einen Moment. Liegt dein Stop genau dort, erwischt dich eine kurze Übertreibung, obwohl sich an der Lage nichts geändert hat. Ein paar Cent Abstand von der runden Zahl helfen oft schon.
Ein Stop Loss Schritt für Schritt
Zusammenfassung
- Der Stop gehört dorthin, wo deine Idee widerlegt ist.
- Weiterer Stop heißt immer kleinere Position.
- Ein Stop schützt im normalen Fall, nicht bei einer Kurslücke.
Hast du es verstanden?
Was passiert bei einer Kurslücke über Nacht?
Der Stop wird zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt, und der kann deutlich schlechter sein.
Was folgt aus einem weiteren Abstand des Stops?
Eine entsprechend kleinere Position, damit das Risiko gleich bleibt.
Warum sind runde Zahlen als Stopmarke ungünstig?
Weil sich dort viele Stops häufen und kurze Übertreibungen sie mit auslösen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Du willst eine Aktie zu 25 € kaufen. Nach deiner Begründung gehört der Stop Loss auf 23,50 €, und du willst höchstens 90 € verlieren. Rechne mit dem Positionsgrößenrechner oder von Hand, wie viele Stück du kaufen darfst und wie hoch deine Kaufsumme dann ist.
Quellen und Weiterlesen
- Die Studie von Carol Osler (Federal Reserve Bank of New York) zeigt, dass sich Stop Loss Orders an auffälligen Kursniveaus wie runden Zahlen häufen und ihre Auslösung selbstverstärkende Kursbewegungen und Kaskaden erzeugen kann. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Order-ArtenStufe 2
- Positionsgröße berechnenStufe 3
- Spread, Slippage und LiquiditätStufe 2
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