Das Hammer Kerzenmuster
Eine einzelne Kerze am Ende eines Abwärtstrends: kleiner Körper oben, kaum oberer Docht, ein unterer Docht mindestens doppelt so lang wie der Körper. Er zeigt, dass Verkäufer den Kurs gedrückt haben, Käufer ihn aber wieder hochgezogen haben.
Der Hammer ist eine der bekanntesten einzelnen Kerzenformationen. Er taucht nach einem Rückgang auf und gilt als möglicher erster Hinweis, dass der Verkaufsdruck nachlässt.
Worum es geht
Innerhalb eines Tages fällt der Kurs deutlich, dreht dann aber und schließt nahe dem Eröffnungskurs. Der lange untere Docht zeigt, wie tief die Verkäufer den Kurs zwischenzeitlich gedrückt hatten, bevor die Käufer übernahmen.
Woran du es erkennst
- Ein kurzer Körper im oberen Drittel der Handelsspanne.
- Ein unterer Docht, der mindestens doppelt so lang ist wie der Körper.
- Kaum oder gar kein oberer Docht.
- Das Muster steht nach einem klaren Abwärtstrend, sonst ist die Form bedeutungslos.
Was danach normalerweise passiert
Ein Hammer allein ist kein Kaufsignal. Die meisten warten die nächste Kerze ab: schließt sie über dem Hammer, gilt das Muster als bestätigt. Bleibt die Bestätigung aus, war es nur eine einzelne auffällige Kerze ohne Folgen.
Wo es dich in die Irre führt
Ein kleiner Körper mit langem Docht entsteht auch mitten in einem Seitwärtsbereich, ohne jede Bedeutung. Und selbst nach einer Bestätigung dreht der Kurs oft nur kurz, bevor der Abwärtstrend weitergeht. Wie Untersuchungen zu einzelnen Kerzenmustern zeigen, ist die Trefferquote ohne zusätzlichen Kontext, etwa eine Unterstützungszone, nicht viel besser als Münzwurf.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Jonas hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 150 €. Eine Aktie fällt von 40 € auf 28 €, bildet dort einen Hammer mit Tief bei 26 € und schließt am nächsten Tag klar darüber bei 29,80 €. Jonas kauft bei 30,00 € und setzt seinen Stop Loss bei 25,80 €. Bei diesem Abstand kauft er 35 Stück für 1.050,00 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Kurs steigt auf 36,00 € und Jonas verkauft. Jonas liegt 210 € vorne, nach 2 € Gebühren und 1,40 € Spread bleiben 206,60 €.
Wenn es schiefgeht: Der Ausbruch scheitert, der Stop wird bei 25,70 € ausgeführt. Das sind 150,50 € Verlust, mit Kosten 153,90 €.
Jonas hat erst nach der bestätigenden Kerze gekauft, nicht schon am Hammer selbst. Der Stop unter dem Docht ist eng, deshalb passen viele Stück in sein Risiko von 150 €.
Die japanische Kerzenchart-Technik wurde im Westen vor allem durch Steve Nisons Buch „Japanese Candlestick Charting Techniques“ (1991) bekannt, das auf jahrhundertealten Aufzeichnungen japanischer Reishändler aufbaut. Der Hammer heißt so, weil er wie ein Hammer mit kurzem Kopf und langem Stiel aussieht.
Wichtig ist die Unterscheidung zum sogenannten Hanging Man, der genauso aussieht, aber am Ende eines Aufwärtstrends steht und dort als Warnsignal gilt, nicht als Kaufsignal. Die Kerzenform allein sagt also nichts, der Kontext davor entscheidet.
Zusammenfassung
- Ein Hammer steht am Ende eines Abwärtstrends, kleiner Körper oben, langer unterer Docht.
- Ohne Bestätigung durch die nächste Kerze ist er nur eine auffällige Form ohne Aussage.
- Dieselbe Form am Ende eines Aufwärtstrends heißt Hanging Man und bedeutet etwas anderes.
Hast du es verstanden?
Woran erkennst du einen Hammer?
Kleiner Körper oben, unterer Docht mindestens doppelt so lang wie der Körper, kaum oberer Docht, nach einem Abwärtstrend.
Reicht ein Hammer allein als Kaufsignal?
Nein, die meisten warten eine bestätigende Kerze ab, die über dem Hammer schließt.
Was bedeutet dieselbe Form nach einem Aufwärtstrend?
Dann heißt sie Hanging Man und gilt als mögliches Warnsignal, nicht als Kaufsignal.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Hammer (englisch). Quelle ansehen ↗
- Steve Nison: Japanese Candlestick Charting Techniques, 2. Auflage 2001.
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