Quellensteuer auf ausländische Dividenden
Wenn eine ausländische Firma dir eine Dividende zahlt, behält ihr Heimatland vorher einen Teil ein. Ein Doppelbesteuerungsabkommen rechnet das meiste davon auf deine Steuer zu Hause an, den Rest kannst du oft zurückfordern.
Anna aus Österreich besitzt Aktien einer US Firma. Zahlt die Firma 100 Euro Dividende, überweisen die USA ihr nicht 100 Euro, sondern behalten vorher etwas ein. Dieser Einbehalt am Ursprungsort heißt Quellensteuer, im Englischen withholding tax.
Wie viel ein Land einbehält
Ohne jedes Abkommen dürften die USA bis zu 30 Prozent einbehalten. Weil Österreich und die USA ein Doppelbesteuerungsabkommen haben, sinkt der Satz für Privatanleger in der Praxis meist auf 15 Prozent, wenn der Broker das richtige Formular für dich hinterlegt hat. Von den 100 Euro Dividende kommen dann 85 Euro bei Anna an, 15 Euro bleiben in den USA.
Wie die Anrechnung funktioniert
Zu Hause zahlt Anna trotzdem Steuer auf die vollen 100 Euro Dividende, in Österreich 27,5 Prozent Kapitalertragsteuer, also 27,50 Euro. Die 15 Euro, die schon in den USA einbehalten wurden, rechnet Österreich darauf an. Anna zahlt zu Hause nur noch 12,50 Euro nach. Insgesamt hat sie also 27,50 Euro Steuer gezahlt, nicht 42,50 Euro. Bis zu dem Satz, den das Abkommen vorsieht, meist 15 Prozent, funktioniert diese Anrechnung automatisch über die Steuererklärung oder direkt über die Bank.
Was du dir zurückholen kannst
Behält ein Land mehr ein, als das Abkommen erlaubt, etwa weil der Broker kein Formular hinterlegt hatte und die vollen 30 Prozent abgezogen wurden, rechnet dein Heimatland trotzdem nur den Abkommenssatz an. Die Differenz, in diesem Beispiel 15 Prozentpunkte, musst du direkt bei der ausländischen Steuerbehörde zurückfordern. Das kostet Zeit, oft mehrere Monate, und für kleine Beträge lohnt sich der Aufwand kaum. Manche Broker füllen das nötige Formular von sich aus richtig aus und sparen dir diesen Schritt komplett.
Worauf du bei Broker und ETF achtest
Bei US Aktien und US ETFs verlangen die meisten Broker ein Formular namens W-8BEN, das bestätigt, dass du keine US Person bist. Ohne dieses Formular ziehen die USA automatisch die vollen 30 Prozent ab. Bei ETFs kommt das Fondsdomizil dazu: Ein in Irland aufgelegter ETF auf US Aktien zahlt auf US Dividenden meist nur 15 Prozent Quellensteuer, ein in Luxemburg aufgelegter ETF auf dieselben Aktien oft 30 Prozent. Bei der Wahl zwischen zwei sonst gleichen ETFs auf denselben Index lohnt sich deshalb ein Blick auf das Fondsdomizil, am besten Irland für US Aktien.
Quellensteuersätze in Europa
So viel behalten die Länder auf dieser Seite laut Gesetz von Dividenden ein, die an Privatanleger im Ausland gehen. Mit einem Doppelbesteuerungsabkommen sinkt die Belastung meistens auf 15 Prozent, den Rest musst du dir zurückholen.
| Land | Gesetzlicher Satz | Hinweis |
|---|---|---|
| Schweiz | 35 Prozent | viel zurückzuholen, deshalb besonders wichtig |
| Belgien | 30 Prozent | viele Ausnahmen und ermäßigte Sätze |
| Österreich | 27,5 Prozent | |
| Deutschland | 26,375 Prozent | 25 Prozent plus Solidaritätszuschlag |
| Italien | 26 Prozent | |
| Spanien | 19 Prozent | |
| Niederlande | 15 Prozent | entspricht meist schon dem Abkommenssatz |
| Frankreich | 12,8 Prozent | Satz für Privatpersonen |
| USA | 30 Prozent | 15 Prozent mit Formular W-8BEN |
Sonderfall REITs
Dividenden von US REITs, also börsennotierten Immobiliengesellschaften, fallen bei den meisten Abkommen nicht unter den reduzierten Satz. Hier bleibt es häufig bei 30 Prozent Quellensteuer, unabhängig vom Formular.
Zusammenfassung
- Quellensteuer wird im Land der Firma einbehalten, bevor die Dividende bei dir ankommt.
- Ein Doppelbesteuerungsabkommen rechnet den einbehaltenen Betrag meist bis zu einem festen Satz auf deine Steuer zu Hause an.
- Mehr als dieser Satz musst du selbst im Ausland zurückfordern, das W-8BEN Formular und das Fondsdomizil bei ETFs verhindern das oft von vornherein.
Hast du es verstanden?
Was ist Quellensteuer?
Der Steuerabzug, den das Land einer Firma direkt bei der Dividendenzahlung einbehält, bevor sie bei dir ankommt.
Wie verhindert ein Doppelbesteuerungsabkommen doppelte Steuer?
Dein Heimatland rechnet die im Ausland einbehaltene Quellensteuer bis zu einem vereinbarten Satz auf deine dortige Steuer an.
Warum lohnt sich ein Blick auf das Fondsdomizil bei ETFs?
Ein irisch domizilierter ETF auf US Aktien zahlt oft nur 15 statt 30 Prozent Quellensteuer auf US Dividenden.
Wie hoch ist die Quellensteuer auf Dividenden in Europa?
Das hängt vom Land ab. Die Schweiz behält 35 Prozent ein, Belgien 30, Österreich 27,5, Deutschland 26,375, Italien 26, Spanien 19, die Niederlande 15 und Frankreich 12,8 Prozent für Privatpersonen. Mit einem Doppelbesteuerungsabkommen sinkt die Belastung meistens auf 15 Prozent.
Quellen und Weiterlesen
- PwC Worldwide Tax Summaries, Übersicht der Quellensteuersätze (Stand 2026). Quelle ansehen ↗
- Die genauen Sätze für Deutschland, Österreich, die Schweiz, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien und die Niederlande stehen auf den jeweiligen Länderseiten. Quelle ansehen ↗
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