Diversifikation in der Praxis
Du hast dein Geld auf fünf verschiedene Tech-Aktien verteilt und fühlst dich damit breit aufgestellt. Ob das stimmt, hängt nicht davon ab, wie viele Aktien im Depot liegen, sondern wie unabhängig sie voneinander sind.
Du bist überzeugt, dass Technologie und KI die Zukunft prägen werden, und hast dein Depot entsprechend aufgebaut: fünf verschiedene große Tech-Aktien, jede davon in etwa gleich stark gewichtet. Kein Sparplan, keine ETFs, nur Einzelaktien aus derselben Branche. Weil es fünf unterschiedliche Unternehmen sind, hast du das Gefühl, ausreichend gestreut zu sein.
Das Gefühl trügt. Diversifikation bedeutet nicht, mehrere Positionen zu halten, sondern Positionen zu halten, die sich bei einem gemeinsamen Auslöser nicht gleichzeitig in dieselbe Richtung bewegen. Fünf Tech-Aktien reagieren auf dieselben Ereignisse meist sehr ähnlich: steigende Zinsen, eine neue Regulierung für die Branche oder ein enttäuschender Ausblick eines großen Wettbewerbers können alle fünf Aktien gleichzeitig unter Druck setzen.
Das Depot ist damit weniger gestreut, als die Anzahl der Positionen vermuten lässt. Es trägt im Kern ein einziges großes Risiko — nämlich das der Tech-Branche insgesamt — nur verteilt auf fünf Etiketten.
Echte Streuung entsteht erst, wenn Positionen aus unterschiedlichen Branchen, Regionen und im besten Fall unterschiedlichen Anlageklassen kombiniert werden, sodass ein einzelnes Ereignis nicht das gesamte Depot gleichzeitig trifft.
Das entscheidende Maß dafür, wie stark sich zwei Anlagen gemeinsam bewegen, ist die Korrelation. Bei einer Korrelation nahe +1 bewegen sich zwei Kurse fast im Gleichschritt, bei einer Korrelation nahe 0 weitgehend unabhängig voneinander, bei negativer Korrelation tendenziell gegenläufig. Aktien aus derselben Branche weisen historisch meist eine deutlich positive Korrelation zueinander auf, weil sie auf dieselben branchenspezifischen Nachrichten, Zinsänderungen und Konjunkturzyklen reagieren.
Das reduziert den Diversifikationseffekt einer zusätzlichen Position innerhalb derselben Branche erheblich: Statistisch sinkt das Gesamtrisiko eines Depots vor allem dann spürbar, wenn neue Positionen eine niedrige oder sogar negative Korrelation zu den bestehenden aufweisen — nicht allein dadurch, dass die Anzahl der Positionen steigt.
In der Praxis lässt sich das grob prüfen, indem man sich fragt: Welches einzelne Ereignis könnte alle Positionen im Depot gleichzeitig deutlich treffen? Lässt sich ein solches Ereignis leicht finden — etwa eine neue Regulierung für eine ganze Branche —, ist das ein Hinweis auf unzureichende Streuung, unabhängig davon, wie viele einzelne Positionen gehalten werden.
Zusammenfassung
- Die Anzahl der Aktien im Depot sagt nichts über echte Streuung aus.
- Aktien aus derselben Branche bewegen sich bei gemeinsamen Auslösern oft gleichzeitig.
- Echte Diversifikation braucht unterschiedliche Branchen, Regionen und Anlageklassen.
Hast du es verstanden?
Warum sind fünf verschiedene Aktien nicht automatisch Diversifikation?
Weil die Anzahl der Positionen nichts über ihre Streuung aussagt. Entscheidend ist, wie stark sich die Kurse gemeinsam bewegen, nicht wie viele Namen im Depot stehen.
Was bedeutet eine hohe Korrelation zwischen Aktien?
Dass sich ihre Kurse überwiegend in dieselbe Richtung bewegen — bei einem gemeinsamen Auslöser fallen oder steigen sie meist gleichzeitig.
Wie lässt sich echte Streuung erkennen?
Am Zusammenspiel verschiedener Branchen, Regionen und Anlageklassen, die nicht von denselben Ereignissen gleichzeitig getroffen werden.
Was würdest du tun?
Passt dazu
- DiversifikationStufe 1
- KorrelationStufe 2
- Anlageklassen im VergleichStufe 0