Diversifikation
Streuung wirkt nur, wenn sich deine Anlagen unterschiedlich verhalten. Zehn Aktien aus derselben Branche sind zehn Positionen, aber kaum Streuung.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du beurteilen, ob ein Depot wirklich gestreut ist oder nur aus vielen ähnlichen Positionen besteht.
Streuung soll dafür sorgen, dass nicht alles gleichzeitig fällt. Deshalb kommt es weniger darauf an, wie viele Positionen du hast, als darauf, wie verschieden sie sind.
Scheinbare Streuung
Hat Felix zehn Aktien von Chipherstellern, fallen die alle zusammen, wenn die Branche schlechte Nachrichten bekommt. Das fühlt sich nach Streuung an, ist aber keine. Echte Streuung geht über Branchen, Länder, Anlageklassen und Währungen.
Die Grenze des Effekts
Der Effekt hat eine Grenze. Die ersten zehn bis zwanzig gut verteilten Positionen bringen den größten Teil des Nutzens, danach wird der Zugewinn schnell klein. Fünfzig Einzelaktien sind vor allem Arbeit. Ein breiter ETF erledigt das für dich mit tausend Firmen auf einmal.
Streuung in Krisen
Wichtig: In schweren Krisen fallen viele Anlagen plötzlich gemeinsam. Streuung schützt dich davor, dass eine einzelne Firma dich ruiniert. Vor einem allgemeinen Einbruch schützt sie dich nicht. Wer das erwartet, wird enttäuscht.
Wie stark ein Depot schwankt, hängt von zwei Dingen ab: wie stark die einzelnen Positionen schwanken und wie ähnlich sie sich bewegen. Mit jeder zusätzlichen Position wird der erste Teil kleiner, weil sich die Eigenheiten einzelner Firmen gegenseitig ausgleichen. Der zweite Teil bleibt. Das Risiko einzelner Firmen kannst du also wegstreuen, das gemeinsame Risiko des Marktes nicht.
Abnehmender Nutzen
Der Nutzen jeder weiteren Position nimmt schnell ab. Der größte Teil der möglichen Beruhigung kommt mit den ersten Positionen, sofern sie sich wirklich unterschiedlich bewegen. Ist die Korrelation hoch, etwa innerhalb einer Branche, bringt jede weitere Aktie kaum etwas, weil sich alle fast gleich bewegen.
Instabile Zusammenhänge
Leider sind die Zusammenhänge nicht stabil. In Krisen bewegen sich riskante Anlagen plötzlich viel stärker gemeinsam als sonst, 2008 und im März 2020 fiel fast alles gleichzeitig. Fachleute nennen das Korrelationsbruch. Streuung wirkt also gerade dann oft am schwächsten, wenn du sie am dringendsten brauchst. Geholfen haben in solchen Phasen meistens nur grundlegend andere Dinge wie sichere Staatsanleihen oder Bargeld.
Zusammenfassung
- Es zählt, wie verschieden die Positionen sind, nicht wie viele es sind.
- Nach etwa zwanzig gut verteilten Positionen bringt jede weitere kaum noch etwas.
- In Krisen bewegt sich vieles gemeinsam, genau dann wirkt Streuung oft am schlechtesten.
Hast du es verstanden?
Welches Risiko lässt sich wegstreuen und welches nicht?
Das Risiko einzelner Firmen verschwindet mit mehr Positionen, das gemeinsame Risiko des Marktes bleibt.
Warum bringen zehn Aktien aus derselben Branche wenig Streuung?
Weil sie sich fast gleich bewegen. Schlechte Nachrichten für die Branche treffen alle zusammen.
Was ist ein Korrelationsbruch?
In Krisen bewegen sich riskante Anlagen plötzlich stark gemeinsam, sodass Streuung genau dann oft am schwächsten wirkt.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Trage ein Depot mit zehn Positionen, deine eigenen oder ein Beispiel, in das Portfolio Röntgenbild ein und schau, ob eine Warnung vor Klumpenrisiko erscheint. Schreibe zusätzlich auf, in welchen der vier Merkmale Branche, Land, Anlageklasse und Währung sich deine Positionen wirklich unterscheiden.
Quellen und Weiterlesen
- Die klassische Studie von Evans und Archer (1968) im Journal of Finance untersuchte empirisch, wie die Streuung eines Aktienportfolios mit zunehmender Anzahl zufällig gewählter Titel abnimmt, und begründete damit die Debatte um die sinnvolle Anzahl von Positionen. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- KorrelationStufe 5
- Die Ein-Prozent-RegelStufe 3
- Trefferquote und ErwartungswertStufe 3
- Passende Fragen zu dieser StufeFragen