Der Dispo
Der Dispo ist der bequemste Kredit, den es gibt, und einer der teuersten. Für ein paar Tage ist er in Ordnung. Als Dauerzustand kostet er dich jedes Jahr spürbar Geld.
Der Dispo, ausgeschrieben Dispositionskredit, erlaubt dir, dein Girokonto bis zu einer bestimmten Grenze ins Minus zu ziehen. Die Bank legt diese Grenze fest, meist bei zwei bis drei Monatsgehältern. Du musst nichts beantragen und nichts unterschreiben. Das Geld ist einfach da.
Diese Bequemlichkeit macht ihn gefährlich. Der Zins liegt in Deutschland oft bei 10 bis 14 Prozent im Jahr, bei manchen Banken noch höher. Ein normaler Ratenkredit kostet meist nur einen Bruchteil davon.
Was das in Euro bedeutet
Aylin ist seit einem Jahr ständig mit rund 2.000 Euro im Minus. Ihre Bank verlangt 12 Prozent. Das kostet sie etwa 240 Euro Zinsen im Jahr, also 20 Euro jeden Monat, ohne dass sie davon irgendetwas hat.
Würde sie die 2.000 Euro mit einem Ratenkredit zu 6 Prozent ablösen und in zwölf Monaten zurückzahlen, zahlte sie insgesamt etwa 65 Euro Zinsen. Danach wäre sie schuldenfrei. Beim Dispo gibt es kein Ende, solange sie nichts ändert.
Wie man in den Dauerdispo rutscht
Meist beginnt es mit einer einzigen größeren Ausgabe, zum Beispiel einer Autoreparatur. Das Konto rutscht ins Minus, das nächste Gehalt gleicht es aus, aber nur für ein paar Tage. Nach einigen Monaten ist das Minus zum Normalzustand geworden. Das Gehalt füllt nur noch das Loch vom Vormonat.
Der beste Schutz ist ein Notgroschen. Wer drei Monatsausgaben auf einem Tagesgeldkonto hat, zahlt die Werkstatt von dort und muss den Dispo gar nicht erst anfassen.
So kommst du wieder heraus
- Schau nach, wie hoch dein Minus im Durchschnitt der letzten drei Monate war. Das ist deine echte Schuld.
- Löse diesen Betrag, wenn möglich, mit einem günstigeren Ratenkredit ab und lass dir danach den Dispo senken oder ganz streichen.
- Bau parallel einen kleinen Puffer auf, damit es beim nächsten unerwarteten Betrag nicht wieder von vorn losgeht.
Solange du im Dispo steckst, lohnt sich Anlegen kaum. Kaum eine Geldanlage bringt verlässlich 12 Prozent. Die Schuld abzubauen bringt sie dir sicher.
Neben dem vereinbarten Dispo gibt es die sogenannte geduldete Überziehung. Sie greift, wenn du über deine Grenze hinaus ins Minus gehst oder gar keinen Dispo vereinbart hast. Dafür verlangen viele Banken noch einmal einige Prozentpunkte mehr.
Die Zinsen werden meist vierteljährlich abgerechnet und dem Konto belastet. Steht das Konto dann noch tiefer im Minus, zahlst du im nächsten Quartal Zinsen auf die Zinsen. Das ist der Zinseszins, nur in die falsche Richtung.
In Deutschland schützt dich eine Regel aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch. Nutzt du den Dispo sechs Monate ohne Unterbrechung und im Durchschnitt zu mehr als 75 Prozent aus, muss dir die Bank ein Beratungsgespräch über günstigere Alternativen anbieten. Ähnliche Pflichten gibt es aus der europäischen Verbraucherkreditrichtlinie auch in anderen EU Ländern.
Wer schon mehrere Kredite, Ratenkäufe und einen vollen Dispo hat, sollte nicht einfach umschulden. Eine kostenlose Schuldnerberatung, etwa bei der Verbraucherzentrale, der Caritas oder der Diakonie, verschafft zuerst einen Überblick. In Österreich und der Schweiz gibt es vergleichbare staatlich anerkannte Stellen.
Zusammenfassung
- Der Dispo kostet oft 10 bis 14 Prozent im Jahr und ist für ein paar Tage gedacht.
- Ein Dauerminus wird mit einem günstigeren Ratenkredit abgelöst, danach wird der Dispo gesenkt.
- Der Notgroschen ist der beste Schutz davor, überhaupt in den Dispo zu rutschen.
- Solange du im Dispo steckst, bringt Abbauen mehr als Anlegen.
Hast du es verstanden?
Was kostet ein dauerhaftes Minus von 2.000 Euro bei 12 Prozent Dispozins?
Etwa 240 Euro Zinsen im Jahr, also rund 20 Euro im Monat.
Warum ist der Dispo als Dauerlösung so ungünstig?
Weil er viel teurer ist als ein Ratenkredit und kein Ende hat. Das Gehalt füllt jeden Monat nur das alte Loch.
Was muss eine Bank in Deutschland tun, wenn du den Dispo lange stark nutzt?
Nach sechs Monaten mit durchschnittlich mehr als 75 Prozent Auslastung muss sie dir eine Beratung zu günstigeren Alternativen anbieten.
Quellen und Weiterlesen
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 504a (Beratungspflicht bei dauerhafter Überziehung). Quelle ansehen ↗
- Verbraucherzentrale, Dispozinsen und Überziehungszinsen. Quelle ansehen ↗
- Richtlinie (EU) 2023/2225 über Verbraucherkreditverträge. Quelle ansehen ↗
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