Bollinger Bänder einfach erklärt
Bollinger Bänder legen einen Schlauch um den Kurs, der breiter wird, wenn es stark schwankt, und schmaler, wenn es ruhig ist. Eine Berührung des Bandes ist kein Signal für sich.
Die Bollinger Bänder hat John Bollinger in den 1980er Jahren entwickelt. Sie bestehen aus einer Mittellinie und zwei Bändern darüber und darunter. Wie weit die Bänder von der Mitte entfernt sind, hängt davon ab, wie stark der Kurs zuletzt geschwankt hat.
Worum es geht
Die Mittellinie ist ein gleitender Durchschnitt über 20 Tage. Die Bänder zeigen, in welchem Bereich sich der Kurs normalerweise bewegt. Schwankt der Kurs stark, gehen die Bänder weit auseinander. Ist es ruhig, ziehen sie sich zusammen.
Ein Beispiel: Die Bänder einer Aktie liegen seit Wochen eng beieinander. Viele Trader achten dann genau hin, weil auf ruhige Phasen oft eine größere Bewegung folgt. In welche Richtung, verraten die Bänder aber nicht.
So wird gerechnet
Zuerst rechnest du den Durchschnitt der letzten 20 Schlusskurse. Dann schaust du, wie weit die Kurse im Schnitt von diesem Durchschnitt abweichen. Diese Zahl heißt Standardabweichung. Das obere Band liegt zwei Standardabweichungen über der Mitte, das untere zwei darunter.
Mit Zahlen: Der Durchschnitt liegt bei 50 €, die Standardabweichung bei 1,50 €. Das obere Band liegt dann bei 53 €, das untere bei 47 €.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Berührung des unteren Bandes: Manche sehen darin eine Chance auf eine Gegenbewegung zur Mitte, vor allem in Seitwärtsphasen.
- Enge Bänder: Wenn die Bänder so eng sind wie lange nicht, rechnen viele mit einem baldigen Ausbruch.
- Laufen am Band: Schließt der Kurs Tag für Tag nahe am oberen Band, deutet das auf einen starken Aufwärtstrend hin.
Wo es dich in die Irre führt
Das obere Band ist keine Decke und das untere kein Boden. In einem starken Trend läuft der Kurs oft wochenlang am Band entlang. Wer dann jedes Mal gegen den Trend handelt, weil der Kurs ja am Band ist, verliert immer wieder.
Auch die Faustregel, dass rund 95 Prozent der Kurse innerhalb der Bänder liegen, stimmt nur, wenn Kursbewegungen einer Normalverteilung folgen. Das tun sie nicht. Große Ausreißer kommen an der Börse viel häufiger vor, als diese Rechnung annimmt.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Sara hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 150 €. Eine Aktie bewegt sich seit Wochen seitwärts und berührt bei 42 € das untere Band. Sara kauft und rechnet mit einer Rückkehr zur Mittellinie bei 45 €. Ihren Stop Loss setzt sie bei 40,50 €. Bei 1,50 € Risiko pro Aktie kauft sie 100 Stück für 4.200 €. Gebühren: je 1 € für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Kurs erreicht die Mittellinie bei 45 €. Sara liegt 300 € vorne, nach 2 € Gebühren und 4 € Spread bleiben 294 €.
Wenn es schiefgeht: Aus der Seitwärtsphase wird ein Abwärtstrend, der Kurs läuft am unteren Band entlang nach unten. Der Stop wird bei 40,40 € ausgeführt. Das sind 160 € Verlust, mit Kosten 166 €.
Die Idee hinter dem Trade, zurück zur Mitte, funktioniert nur in Seitwärtsphasen. Ob gerade eine ist, siehst du erst hinterher sicher.
John Bollinger hat die Bänder in den 1980er Jahren veröffentlicht und später in seinem Buch „Bollinger on Bollinger Bands“ (2001) beschrieben. Die Standardeinstellung ist ein einfacher Durchschnitt über 20 Perioden mit Bändern bei plus und minus zwei Standardabweichungen.
Zwei abgeleitete Werte sind verbreitet. %b zeigt, wo der Kurs innerhalb der Bänder liegt, 1 am oberen Band, 0 am unteren. Die Bandbreite misst den Abstand der Bänder relativ zur Mitte und macht ruhige Phasen, den sogenannten Squeeze, messbar.
Bollinger selbst betont, dass die Bänder keine eigenständigen Signale liefern, sondern mit anderen Werkzeugen zusammen gelesen werden sollen, etwa mit Volumen oder einem Momentum Indikator.
Zusammenfassung
- Bollinger Bänder zeigen, wie stark ein Kurs gerade schwankt.
- Ein Band ist weder Decke noch Boden.
- In starken Trends läuft der Kurs oft lange am Band entlang.
Hast du es verstanden?
Was bedeutet es, wenn die Bänder sehr eng werden?
Dass der Kurs zuletzt kaum geschwankt hat. Oft folgt eine größere Bewegung, die Richtung zeigen die Bänder aber nicht.
Warum ist eine Berührung des oberen Bandes kein sicheres Verkaufssignal?
Weil der Kurs in einem starken Trend lange am oberen Band entlanglaufen kann.
Wovon hängt die Breite der Bänder ab?
Von der Standardabweichung der letzten 20 Schlusskurse, also davon, wie stark der Kurs geschwankt hat.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Bollinger Bands (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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