Gleitende Durchschnitte
Ein gleitender Durchschnitt glättet den Kursverlauf, indem er über die letzten Perioden mittelt. Er zeigt die Richtung deutlicher, folgt ihr aber mit Verzögerung.
Ein Durchschnitt über die letzten zwanzig Tage nimmt die Schlusskurse dieser zwanzig Tage und bildet den Mittelwert. Morgen fällt der älteste Wert heraus und der neue kommt dazu. Deshalb gleitend.
Das Ergebnis ist eine glatte Linie, die die Richtung sichtbarer macht als der zackige Kursverlauf. Je länger der Zeitraum, desto glatter die Linie und desto träger ihre Reaktion.
Verbreitet ist die Verwendung als Signal: Kreuzt ein kurzer Durchschnitt einen langen von unten, gilt das als positiv. Das ist eine klar definierte Regel, was sie testbar macht, im Gegensatz zu vielem anderen.
Der Preis der Glättung ist Verzögerung. Ein Durchschnitt über 200 Tage reagiert erst, wenn eine Bewegung deutlich gelaufen ist. Er meldet keine Wendepunkte, sondern bestätigt sie im Nachhinein.
Der einfache gleitende Durchschnitt gewichtet alle einbezogenen Perioden gleich. Der exponentielle gewichtet neuere Werte stärker über einen Glättungsfaktor, wodurch er schneller reagiert, aber anfälliger für Fehlsignale wird. Beide sind lineare Filter, deren Verzögerung sich näherungsweise mit der halben Periodenlänge angeben lässt.
Kreuzungssysteme lassen sich eindeutig formalisieren und sind daher testbar. Untersuchungen über lange Zeiträume und mehrere Märkte finden für Trendfolgeansätze dieser Art teils positive Ergebnisse, insbesondere in einer Reduktion des maximalen Drawdowns gegenüber einer reinen Halteposition. Die Ergebnisse sind jedoch stark von Parameterwahl, Handelskosten und Untersuchungszeitraum abhängig.
Charakteristisch ist das Verhalten in verschiedenen Marktphasen. In ausgeprägten Trends erzeugen Trendfolgeverfahren wenige, lange Positionen mit gutem Ergebnis. In Seitwärtsphasen erzeugen sie eine Folge kleiner Verluste durch wiederholte Fehlsignale. Der Erwartungswert ergibt sich damit aus dem Verhältnis beider Phasen, was die hohe Streuung der Ergebnisse über verschiedene Zeiträume erklärt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Die Verzögerung entspricht grob der halben Periodenlänge.
- Kreuzungssysteme sind eindeutig definiert und damit testbar.
- In Seitwärtsphasen erzeugen sie viele kleine Verluste.
Hast du es verstanden?
Worin unterscheidet sich der exponentielle vom einfachen Durchschnitt?
Er gewichtet neuere Werte stärker, reagiert schneller und erzeugt dafür mehr Fehlsignale.
Warum sind Kreuzungssysteme besser prüfbar als Chartmuster?
Weil sie sich eindeutig formalisieren lassen.
Wie verhalten sich Trendfolgesysteme in Seitwärtsphasen?
Sie erzeugen eine Folge kleiner Verluste durch wiederholte Fehlsignale.
Passt dazu
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