Volatilität
Die Volatilität misst, wie stark eine Anlage schwankt. Sie ist ein brauchbares, aber unvollständiges Maß für Risiko, weil sie Ausschläge nach oben und nach unten gleich behandelt.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, was Volatilität misst und warum sie als Maß für Risiko unvollständig ist.
Die Volatilität sagt dir, wie stark ein Kurs um seinen Durchschnitt schwankt. Hohe Volatilität heißt große Ausschläge in beide Richtungen. Ein breiter Aktien ETF schwankt typischerweise um die 15 bis 20 Prozent im Jahr, Bitcoin eher um 50 bis 80 Prozent.
Volatilität ist nicht Risiko
Oft wird Volatilität mit Risiko gleichgesetzt, und das stimmt nur zum Teil. Ein Kurs, der kräftig nach oben springt, hat eine hohe Volatilität, aber niemand würde das als Risiko empfinden.
Dauerhafter Verlust
Was die Volatilität außerdem nicht erfasst, ist die Gefahr eines dauerhaften Verlusts. Eine Firma, die langsam und gleichmäßig in die Pleite rutscht, hat eine niedrige Volatilität und trotzdem das größte Risiko überhaupt.
Trotzdem brauchbar
Brauchbar ist sie trotzdem, weil man sie messen und vergleichen kann. Lies sie nur zusammen mit anderen Zahlen, vor allem mit dem maximalen Drawdown. Der zeigt, was man in der Vergangenheit tatsächlich aushalten musste.
Meistens wird die Volatilität als Standardabweichung der Renditen angegeben und auf ein Jahr hochgerechnet. Dafür multipliziert man die tägliche Schwankung mit der Wurzel aus der Zahl der Handelstage, also mit etwa 16. Das geht nur gut, wenn die Renditen der einzelnen Tage unabhängig voneinander sind. Bei Anlagen, die selten und geglättet bewertet werden, etwa manche Immobilienfonds, stimmt das nicht. Dort unterschätzt die Rechnung die echte Schwankung deutlich.
Ausschläge in beide Richtungen
Die Standardabweichung bewertet Ausschläge nach oben und unten gleich. Es gibt Maße, die nur die Verluste betrachten. Der Value at Risk sagt, welchen Verlust du an einem normalen schlechten Tag nicht überschreitest, zum Beispiel an 95 von 100 Tagen. Besser ist der erwartete Fehlbetrag. Er sagt, wie hoch der Verlust im Schnitt an den übrigen, wirklich schlimmen Tagen ist, und schaut damit genau auf die Stelle, die dich ruinieren kann.
Gebündelte Schwankungen
Schwankungen treten gebündelt auf. Auf unruhige Phasen folgen meistens weitere unruhige, auf ruhige ruhige. Deshalb lässt sich die Volatilität kurzfristig ganz gut vorhersagen, die Richtung des Kurses dagegen nicht. Daraus folgt etwas Nützliches: Dein Risiko zu steuern ist leichter, als die Rendite vorherzusagen.
Zusammenfassung
- Die Volatilität behandelt Ausschläge nach oben und unten gleich.
- Die Gefahr eines dauerhaften Verlusts erfasst sie nicht.
- Die Volatilität lässt sich vorhersagen, die Richtung des Kurses nicht.
Hast du es verstanden?
Warum ist die Volatilität ein unvollständiges Maß für Risiko?
Weil sie Ausschläge in beide Richtungen gleich behandelt und dauerhafte Verluste nicht erfasst.
Wann unterschätzt die übliche Rechnung die Schwankung?
Bei Anlagen, die selten und geglättet bewertet werden, weil die Renditen dort nicht unabhängig sind.
Was heißt es, dass Schwankungen gebündelt auftreten?
Auf unruhige Phasen folgen meist weitere. Deshalb lässt sich die Volatilität kurzfristig vorhersagen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Ein Wert schwankt täglich um 2 Prozent. Rechne das auf ein Jahr hoch, indem du mit der Wurzel aus 252 Handelstagen multiplizierst (etwa 15,9). Vergleiche das Ergebnis mit den 15 bis 20 Prozent eines breiten Aktien ETF und schau dir danach den Drawdownrechner an.
Quellen und Weiterlesen
- Die Originalarbeit von Robert Engle aus dem Jahr 1982, die das ARCH-Modell zur Beschreibung der Volatilitätsclusterung einführt. Quelle ansehen ↗
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