Volatilität
Volatilität misst die Schwankungsbreite von Renditen. Sie ist ein nützliches, aber unvollständiges Risikomaß, weil sie Auf- und Abwärtsbewegungen gleich behandelt.
Volatilität sagt, wie stark ein Kurs um seinen Mittelwert schwankt. Hohe Volatilität bedeutet große Ausschläge in beide Richtungen.
Sie wird oft mit Risiko gleichgesetzt, und das ist nur teilweise richtig. Ein Kurs, der stark nach oben schwankt, hat hohe Volatilität, aber niemand empfindet das als Risiko.
Was Volatilität außerdem nicht erfasst, ist die Gefahr eines dauerhaften Verlusts. Eine Firma, die zuverlässig langsam pleitegeht, hat niedrige Volatilität und maximales Risiko.
Trotzdem ist sie brauchbar, weil sie messbar und vergleichbar ist. Man sollte sie nur zusammen mit anderen Maßen lesen, vor allem mit dem maximalen Drawdown, der beschreibt, was man tatsächlich aushalten musste.
Üblicherweise wird Volatilität als annualisierte Standardabweichung logarithmierter Renditen angegeben. Die Annualisierung erfolgt über die Multiplikation mit der Wurzel der Periodenzahl, was unabhängige Renditen voraussetzt. Bei vorhandener Autokorrelation, wie sie bei illiquiden Anlagen mit geglätteter Bewertung auftritt, unterschätzt dieses Verfahren die tatsächliche Schwankung erheblich.
Die Standardabweichung setzt eine symmetrische Beurteilung von Abweichungen voraus. Alternativen sind die Semivarianz, die nur negative Abweichungen berücksichtigt, sowie Quantilsmaße wie der Value at Risk und der erwartete Fehlbetrag jenseits dieses Quantils. Letzterer ist gegenüber dem Value at Risk vorzuziehen, da er die Verteilung im Rand tatsächlich berücksichtigt.
Empirisch weisen Finanzmarktrenditen Volatilitätsclusterung auf: Auf Phasen hoher Schwankung folgen weitere solche Phasen. Modelle dieser Familie beschreiben diesen Effekt und begründen, warum Volatilität kurzfristig prognostizierbar ist, während die Renditerichtung es nicht ist. Daraus folgt, dass Risikosteuerung leichter möglich ist als Renditeprognose.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Volatilität behandelt Aufwärts- und Abwärtsbewegungen gleich.
- Sie erfasst nicht die Gefahr eines dauerhaften Verlusts.
- Volatilität ist prognostizierbar, die Richtung nicht.
Hast du es verstanden?
Warum ist Volatilität ein unvollständiges Risikomaß?
Weil sie symmetrisch misst und keine dauerhaften Verluste erfasst.
Wann unterschätzt die übliche Berechnung die Schwankung?
Bei illiquiden Anlagen mit geglätteter Bewertung und entsprechender Autokorrelation.
Was ist Volatilitätsclusterung?
Auf Phasen hoher Schwankung folgen weitere. Dadurch ist Volatilität kurzfristig prognostizierbar.
Passt dazu
- KorrelationStufe 4
- Was Rendite wirklich bedeutetStufe 0
- Absicherung mit OptionenStufe 4