Fibonacci Rücklaufmarken einfach erklärt
Fibonacci Marken teilen eine Kursbewegung in feste Anteile und zeigen, wo ein Rücksetzer Halt finden könnte. Ob er das tut, weiß vorher niemand.
Die Fibonacci Rücklaufmarken, auf Englisch Retracements, sind streng genommen kein Indikator, sondern ein Zeichenwerkzeug. Du legst sie selbst an, vom Tief zum Hoch einer Bewegung. Die Anteile stammen aus der Zahlenfolge des Mathematikers Leonardo Fibonacci aus dem 13. Jahrhundert.
Worum es geht
Nach einem starken Anstieg fällt ein Kurs oft ein Stück zurück, bevor es weitergeht. Die Marken zeigen, wo dieser Rücksetzer typischerweise Halt finden könnte: bei 23,6, 38,2, 50 oder 61,8 Prozent der vorherigen Strecke. Viele sehen diese Linien als mögliche Unterstützung.
Ein Beispiel: Eine Aktie ist von 40 € auf 60 € gestiegen und fällt jetzt zurück. Die 50 Prozent Marke liegt bei 50 €, die 61,8 Prozent Marke bei 47,64 €.
So wird gerechnet
Du nimmst die Strecke vom Tief zum Hoch und ziehst davon die Anteile ab. Bei 40 € Tief und 60 € Hoch ist die Strecke 20 €. Die 38,2 Prozent Marke liegt 7,64 € unter dem Hoch, also bei 52,36 €. Die 50 Prozent Marke liegt bei 50 €, die 61,8 Prozent Marke bei 47,64 €.
Die Zahl 61,8 Prozent entsteht, wenn du in der Fibonacci Folge 1, 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34 eine Zahl durch die nächste teilst, zum Beispiel 21 durch 34. 38,2 Prozent ist eine Zahl durch die übernächste. 50 Prozent ist keine Fibonacci Zahl, wird aber fast immer mit eingezeichnet.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Halt an einer Marke: Stoppt ein Rücksetzer bei 38,2 oder 61,8 Prozent und dreht wieder nach oben, kaufen manche dort.
- Bruch der 61,8 Prozent Marke: Fällt der Kurs deutlich darunter, halten viele den vorherigen Anstieg für beendet.
- Zusammenfallen mit anderen Linien: Liegt eine Marke nahe an einer alten Unterstützung oder einem Durchschnitt, gilt sie als stärker.
Wo es dich in die Irre führt
Mit vier oder fünf Linien liegt fast jeder Rücksetzer irgendwo in der Nähe einer Marke. Hinterher sieht es dann so aus, als hätte die Marke funktioniert. Vorher wusstest du nicht, welche es sein wird.
Dazu kommt: Welches Tief und welches Hoch du wählst, entscheidest du selbst. Zwei Trader, die unterschiedliche Punkte nehmen, bekommen unterschiedliche Linien. Dass manche Marken trotzdem oft Halt bieten, liegt vermutlich auch daran, dass viele Menschen auf dieselben Linien schauen.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Paul hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert höchstens 150 € pro Trade. Eine Aktie ist von 40 € auf 60 € gestiegen und fällt auf die 61,8 Prozent Marke bei rund 47,60 €. Paul kauft dort und setzt seinen Stop Loss bei 45,60 €. Bei 2 € Risiko pro Aktie kauft er 75 Stück für 3.570 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Kurs dreht und steigt auf 51,60 €. Paul liegt 300 € vorne, nach 2 € Gebühren und 3 € Spread bleiben 295 €.
Wenn es schiefgeht: Die Marke hält nicht, der Kurs fällt weiter. Der Stop wird bei 45,50 € ausgeführt. Das sind 157,50 € Verlust, mit Kosten 162,50 €.
Die Marke war für Paul ein Ort, an dem er einen Einstieg mit klarem Stop planen konnte. Mehr war sie nicht.
Leonardo Fibonacci beschrieb die Zahlenfolge 1202 in seinem Rechenbuch „Liber Abaci“. Das Verhältnis zweier aufeinanderfolgender Zahlen nähert sich dem goldenen Schnitt von etwa 1,618 an, sein Kehrwert ist 0,618.
Im Trading wurden die Marken vor allem durch Ralph Nelson Elliott und seine Wellentheorie in den 1930er Jahren bekannt. Wissenschaftlich belegt ist nicht, dass Märkte sich an den goldenen Schnitt halten. Studien finden an Fibonacci Marken meist keine auffällig häufigeren Umkehrungen als an beliebigen anderen Anteilen.
Neben den Rücklaufmarken gibt es Erweiterungen wie 161,8 Prozent, die mögliche Kursziele über das alte Hoch hinaus zeigen sollen. Für sie gilt dieselbe Vorsicht.
Zusammenfassung
- Fibonacci Marken teilen eine Bewegung in feste Anteile.
- Hinterher passt fast immer eine der Linien, vorher weißt du nicht welche.
- Tief und Hoch wählst du selbst, deshalb sehen die Linien bei jedem anders aus.
Hast du es verstanden?
Eine Aktie steigt von 40 € auf 60 €. Wo liegt die 50 Prozent Marke?
Bei 50 €, genau in der Mitte der Strecke.
Woher kommt die Zahl 61,8 Prozent?
Aus der Fibonacci Folge: Eine Zahl geteilt durch die nächste, zum Beispiel 21 durch 34, ergibt ungefähr 0,618.
Warum wirkt es oft so, als hätten Fibonacci Marken funktioniert?
Weil es mehrere Linien gibt und fast jeder Rücksetzer in der Nähe einer davon endet.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Fibonacci Retracements (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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