Unterstützung und Widerstand
Kursbereiche, an denen eine Bewegung in der Vergangenheit mehrfach gestoppt wurde. Ihre Wirkung beruht teils auf tatsächlichen Orders, teils auf sich selbst erfüllender Erwartung.
Wenn ein Kurs mehrfach an derselben Stelle nach oben abgeprallt ist, nennt man diese Stelle Widerstand. Prallt er mehrfach nach oben ab, heißt sie Unterstützung.
Warum das passiert, hat zwei Erklärungen. Erstens liegen dort tatsächlich Orders, etwa von Menschen, die bei diesem Preis verkaufen wollten. Zweitens schauen viele auf dieselben Charts und handeln deshalb an denselben Stellen.
Der zweite Punkt ist wichtig und wird oft als Kritik missverstanden. Dass eine Marke wirkt, weil viele daran glauben, macht sie nicht wertlos. Es macht sie aber abhängig davon, dass genug Leute weiter daran glauben.
Praktisch sind das Zonen, keine Linien. Wer erwartet, dass ein Kurs auf den Cent genau dreht, wird enttäuscht. Und je öfter eine Marke getestet wird, desto schwächer wird sie in der Regel, weil die dort liegenden Orders abgearbeitet werden.
Die Wirkung lässt sich über die Verteilung der Einstandskurse begründen. An Preisniveaus mit hohem historischem Umsatz existiert eine große Zahl von Positionen mit ähnlichem Einstand. Erreicht der Kurs dieses Niveau nach einem Rückgang wieder, entsteht Verkaufsdruck durch Anleger, die zum Einstand aussteigen wollen, was den Anstieg bremst.
Empirisch ist die Prüfung solcher Niveaus methodisch anspruchsvoll, weil ihre Identifikation Freiheitsgrade enthält: Welche Wendepunkte zählen, wie breit ist die Zone, wie viele Berührungen sind nötig. Werden diese Parameter erst nach Betrachtung der Daten gewählt, entsteht Overfitting, und die scheinbare Trefferquote hat keinen Aussagewert für die Zukunft.
Bei Durchbrüchen wird häufig eine Umkehrung der Rolle beschrieben, bei der ein durchbrochener Widerstand zur Unterstützung wird. Diese Beobachtung ist mit der Einstandskursverteilung vereinbar, da nach dem Durchbruch die Positionen auf der anderen Seite liegen. Belastbare Aussagen über die Häufigkeit erfordern jedoch eine vorab festgelegte Definition des Durchbruchs, einschließlich Mindestabstand und Bestätigungsdauer.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Es sind Zonen, keine Linien.
- Ihre Wirkung beruht teils auf Einstandskursen, teils auf gemeinsamer Erwartung.
- Wer die Parameter nachträglich wählt, bekommt ein Ergebnis ohne Aussagewert.
Hast du es verstanden?
Warum bremst ein früheres Kursniveau einen Anstieg?
Weil dort viele Anleger einen ähnlichen Einstand haben und zum Ausstieg neigen.
Warum ist die empirische Prüfung schwierig?
Weil die Identifikation der Niveaus viele Freiheitsgrade enthält, die leicht zu Overfitting führen.
Was passiert typischerweise bei mehrfachem Test einer Marke?
Sie wird schwächer, weil die dort liegenden Orders abgearbeitet werden.
Passt dazu
- Trendlinien und KanäleStufe 3
- Einen Chart lesenStufe 3
- Zinsen, Notenbanken und KonjunkturdatenStufe 3