Bestätigungsfehler
Wer eine Aktie besitzt, sucht unbewusst nach Nachrichten, die den Kauf bestätigen, und überliest alles, was dagegen spricht. Der Markt bestraft das oft.
Lernziel: Nach dieser Lektion erkennst du den Bestätigungsfehler bei dir selbst und weißt, wie du gegensteuerst.
Sobald du etwas gekauft hast, veränderst du dich. Nachrichten, die deine Entscheidung stützen, wirken überzeugend. Nachrichten dagegen wirken übertrieben oder von Leuten geschrieben, die es nicht verstanden haben.
Wie die Umgebung verstärkt
Deine Umgebung verstärkt das. Kauft Ben eine Aktie, folgt er bald Leuten, die dieselbe Aktie mögen, und schaut Videos von Fans. Nach ein paar Wochen hört er fast nur noch Zustimmung.
Die Frage vor dem Kauf
Deshalb ist vor jedem Kauf eine Frage wichtiger als die Frage, warum er gut ist: Was müsste passieren, damit ich falschliege? Wer darauf keine Antwort hat, hat keine Idee für den Kauf, nur eine Hoffnung.
Zwei Sätze aufschreiben
Ein praktischer Trick: Schreib vor dem Kauf zwei Sätze auf. Warum du kaufst, und woran du erkennen würdest, dass du dich geirrt hast. Der zweite Satz ist der wertvollere.
Der Bestätigungsfehler wirkt an drei Stellen. Wir suchen uns Quellen aus, die uns recht geben. Wir halten Belege für unsere Meinung für stärker als Belege dagegen. Und wir erinnern uns besser an das, was passt. Zusammen führt das dazu, dass du dich umso sicherer fühlst, je mehr du liest, ohne dass deine Einschätzung besser wird.
Der Besitztumseffekt
Dazu kommt der Besitztumseffekt. Allein weil du eine Aktie besitzt, hältst du sie für wertvoller, auch ohne neue Informationen. Hast du viel Zeit in die Analyse gesteckt, willst du diese Arbeit außerdem nicht umsonst gemacht haben. Diese versunkenen Kosten haben aber mit der Frage, ob du die Aktie heute halten solltest, nichts zu tun.
Schriftliche Gegenprobe
Gut bewährt hat es sich, vor der Entscheidung aufzuschreiben, woran du deinen Irrtum erkennen würdest. Weil es schriftlich festgehalten ist, kannst du dir später nichts schönreden. Eine verwandte Methode ist das Prämortem. Du stellst dir vor, dass die Entscheidung in einem Jahr eindeutig gescheitert ist, und schreibst die wahrscheinlichsten Gründe dafür auf. Oft fallen dir dabei Risiken ein, die du vorher übersehen hast.
Zusammenfassung
- Mehr Information macht dich sicherer, aber nicht treffsicherer.
- Schreib vor dem Kauf auf, woran du deinen Irrtum erkennen würdest.
- Versunkene Kosten gehören in keine heutige Entscheidung.
Hast du es verstanden?
An welchen Stellen wirkt der Bestätigungsfehler?
Bei der Auswahl der Quellen, bei der Gewichtung der Belege und bei der Erinnerung.
Was ist ein Kriterium für den eigenen Irrtum?
Ein vorher festgelegtes Ereignis, an dem du erkennen würdest, dass deine Idee falsch war.
Was ist ein Prämortem?
Du stellst dir vor, die Entscheidung sei gescheitert, und sammelst vorher die wahrscheinlichsten Gründe dafür.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Nimm eine Anlage, die du besitzt oder kaufen möchtest. Schreibe zwei Sätze auf: warum du sie kaufst und woran du erkennen würdest, dass du dich geirrt hast. Suche danach eine Quelle, die das Gegenteil sagt, und notiere ein Argument daraus.
Quellen und Weiterlesen
- Nickersons grundlegender Übersichtsartikel zum Bestätigungsfehler, der dessen Wirkung auf Quellenauswahl, Gewichtung von Belegen und Erinnerung zusammenfasst. Quelle ansehen ↗
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