Ichimoku einfach erklärt
Ichimoku packt Trend, Unterstützung und Schwung in ein einziges Bild. Liegt der Kurs über der Wolke, gilt der Trend als aufwärts, darunter als abwärts.
Ichimoku Kinko Hyo heißt ungefähr Gleichgewichtsbild auf einen Blick. Der japanische Journalist Goichi Hosoda hat es in den 1930er Jahren entwickelt und 1969 veröffentlicht. Auf den ersten Blick wirkt es überladen, im Kern beantwortet es aber eine einfache Frage: Ist der Markt gerade im Gleichgewicht oder in einem Trend?
Worum es geht
Du siehst zwei Linien nahe am Kurs, Tenkan und Kijun, und eine farbige Fläche, die Wolke. Liegt der Kurs über der Wolke, gilt der Trend als aufwärts. Liegt er darin, ist der Markt unentschlossen. Liegt er darunter, gilt der Trend als abwärts.
Ein Beispiel: Eine Aktie steigt aus einer langen Seitwärtsphase heraus und schließt zum ersten Mal über der Wolke. Viele Ichimoku Nutzer sehen darin den Beginn eines Aufwärtstrends. Eine dicke Wolke unter dem Kurs gilt dabei als starke Unterstützung.
So wird gerechnet
Alle Linien nutzen dieselbe Idee: die Mitte zwischen höchstem Hoch und tiefstem Tief eines Zeitraums. Tenkan nimmt 9 Tage, Kijun 26 Tage. Die erste Grenze der Wolke ist die Mitte aus Tenkan und Kijun, die zweite die Mitte aus Hoch und Tief der letzten 52 Tage. Beide werden 26 Tage in die Zukunft verschoben.
Mit Zahlen: In den letzten 9 Tagen lag das Hoch bei 58 € und das Tief bei 52 €. Tenkan steht dann bei 55 €. Die fünfte Linie, Chikou, ist einfach der heutige Schlusskurs, 26 Tage zurückverschoben.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Kurs und Wolke: Über der Wolke eher Aufwärtstrend, darunter eher Abwärtstrend, in der Wolke keine klare Richtung.
- Tenkan kreuzt Kijun: Kreuzt die schnelle Linie die langsame nach oben, lesen viele das als Kaufsignal, vor allem wenn es über der Wolke passiert.
- Farbe der Wolke: Liegt die erste Grenze über der zweiten, gilt die Wolke als steigend, sonst als fallend.
Wo es dich in die Irre führt
Ichimoku ist für Trends gebaut. In Seitwärtsphasen läuft der Kurs ständig durch die Wolke, und die Linien kreuzen sich hin und her. Weil alle Linien auf Hochs und Tiefs der Vergangenheit beruhen, kommen die Signale spät, zum Teil sehr spät.
Das System wurde außerdem für japanische Aktien mit sechs Handelstagen pro Woche entwickelt. Ob die Zeiträume 9, 26 und 52 auch für Kryptowährungen mit sieben Handelstagen passen, ist offen. Viele nutzen sie trotzdem unverändert.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Clara hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert höchstens 150 € pro Trade. Eine Aktie schließt bei 70 € zum ersten Mal über einer dicken, steigenden Wolke. Clara kauft und setzt ihren Stop Loss unter die Wolke, bei 67 €. Bei 3 € Risiko pro Aktie kauft sie 50 Stück für 3.500 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Trend setzt sich fort, Clara verkauft bei 76 €. Sie liegt 300 € vorne, nach 2 € Gebühren und 2 € Spread bleiben 296 €.
Wenn es schiefgeht: Der Kurs fällt zurück in die Wolke und durch sie hindurch. Der Stop wird bei 66,80 € ausgeführt. Das sind 160 € Verlust, mit Kosten 164 €.
Die Wolke hat Clara einen natürlichen Platz für den Stop gezeigt. Dass der Ausbruch hält, konnte sie ihr nicht versprechen.
Goichi Hosoda arbeitete Jahrzehnte an dem System, bevor er es 1969 veröffentlichte. Die Namen der Linien sind japanisch: Tenkan Sen (Umkehrlinie), Kijun Sen (Basislinie), Senkou Span A und B (die Grenzen der Wolke) und Chikou Span (die verzögerte Linie).
Formal: Tenkan = (Hoch 9 + Tief 9) / 2, Kijun = (Hoch 26 + Tief 26) / 2, Senkou A = (Tenkan + Kijun) / 2, 26 Perioden nach vorn verschoben, Senkou B = (Hoch 52 + Tief 52) / 2, ebenfalls 26 Perioden nach vorn. Chikou ist der Schlusskurs, 26 Perioden zurückverschoben.
Weil die Wolke in die Zukunft reicht, zeigt sie schon heute, wo in 26 Tagen mögliche Unterstützungen liegen. Das ist keine Vorhersage des Kurses, sondern eine Projektion vergangener Spannen.
Zusammenfassung
- Ichimoku zeigt Trend, Unterstützung und Schwung in einem Bild.
- Über der Wolke gilt der Trend als aufwärts, darunter als abwärts.
- In Seitwärtsphasen liefert es viele späte und falsche Signale.
Hast du es verstanden?
Was bedeutet es, wenn der Kurs in der Wolke liegt?
Dass der Markt keine klare Richtung hat.
Wie wird die Tenkan Linie berechnet?
Als Mitte zwischen höchstem Hoch und tiefstem Tief der letzten 9 Tage.
Warum reicht die Wolke in die Zukunft?
Weil ihre beiden Grenzen um 26 Tage nach vorn verschoben werden.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Ichimoku Cloud (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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- MACDIndikator
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