Der MACD einfach erklärt
Der MACD vergleicht zwei gleitende Durchschnitte und zeigt, ob ein Kurs gerade Fahrt aufnimmt oder an Schwung verliert. Seine Signale kommen verlässlich, aber immer etwas zu spät.
MACD steht für Moving Average Convergence Divergence. Hinter dem sperrigen Namen steckt eine einfache Idee: Wenn ein kurzfristiger gleitender Durchschnitt sich von einem langfristigen entfernt, gewinnt der Kurs an Schwung. Nähern sich beide an, lässt der Schwung nach. Der MACD gehört zu den Indikatoren, die fast jedes Chartprogramm schon eingebaut hat.
Worum es geht
Unter dem Kurs siehst du drei Dinge. Die MACD Linie, eine zweite, ruhigere Linie namens Signallinie und Säulen, die den Abstand zwischen beiden zeigen. Liegt die MACD Linie über null, ist der kurze Durchschnitt höher als der lange, der Kurs ist also zuletzt eher gestiegen.
Ein Beispiel: Die MACD Linie einer Aktie steigt seit Tagen und die Säulen werden länger. Das heißt, der Anstieg beschleunigt sich gerade. Werden die Säulen wieder kürzer, obwohl der Kurs noch steigt, verliert der Anstieg an Kraft.
So wird gerechnet
Du nimmst einen schnellen Durchschnitt über 12 Tage und einen langsamen über 26 Tage. Beide sind exponentiell, jüngere Kurse zählen also stärker. Die MACD Linie ist einfach der schnelle minus den langsamen Durchschnitt.
Mit Zahlen: Der 12 Tage Durchschnitt liegt bei 52,40 €, der 26 Tage Durchschnitt bei 51,10 €. Die MACD Linie steht dann bei 1,30. Die Signallinie ist ein Durchschnitt der MACD Linie über 9 Tage, die Säulen sind der Abstand zwischen beiden.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Kreuzung mit der Signallinie: Steigt die MACD Linie über die Signallinie, lesen viele das als Hinweis auf steigende Kurse, fällt sie darunter, als Hinweis auf fallende.
- Nulllinie: Steigt die MACD Linie über null, liegt der kurze Durchschnitt wieder über dem langen. Das bestätigt einen Aufwärtstrend eher, als dass es ihn früh anzeigt.
- Divergenz: Der Kurs macht ein neues Hoch, die MACD Linie aber nicht. Das kann bedeuten, dass der Anstieg an Kraft verliert.
Wo es dich in die Irre führt
Der MACD besteht aus Durchschnitten, und Durchschnitte hinken dem Kurs hinterher. Wenn eine Kreuzung auftaucht, ist ein Teil der Bewegung schon vorbei. In Seitwärtsphasen kreuzen sich die Linien ständig hin und her, und wer jedes Signal handelt, zahlt viele kleine Verluste und viele Gebühren.
Der MACD hat außerdem keine festen Grenzen wie der RSI. Ein Wert von 2 kann bei einer Aktie viel sein und bei einer anderen wenig. Vergleiche MACD Werte deshalb nie zwischen verschiedenen Werten.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Jonas hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 1,5 %, also 150 €. Bei einer Aktie für 80 € kreuzt die MACD Linie die Signallinie nach oben. Jonas kauft und setzt seinen Stop Loss bei 76 €. Weil er pro Aktie 4 € riskiert, kauft er 37 Stück für 2.960 €. Für Kauf und Verkauf zahlt er je 1 € Gebühr, der Spread kostet ihn bei jeder Order etwa 2 Cent pro Aktie.
Wenn es klappt: Der Kurs steigt auf 88 €, dann kreuzt der MACD wieder nach unten und Jonas verkauft. Er liegt 296 € vorne, nach 2 € Gebühren und rund 1,50 € Spread bleiben etwa 292,50 €.
Wenn es schiefgeht: Das Signal war eine Fehlkreuzung in einer Seitwärtsphase. Der Kurs fällt, der Stop wird bei 75,90 € ausgeführt. Das sind 151,70 € Verlust, mit Kosten rund 155,20 €.
Nach ein paar solchen Fehlkreuzungen hintereinander ist der Gewinn eines guten Trades schnell wieder weg. Deshalb nutzen viele den MACD nur zusammen mit einem Blick auf den übergeordneten Trend.
Der MACD stammt von Gerald Appel, der ihn Ende der 1970er Jahre entwickelt hat. Die Standardwerte 12, 26 und 9 stammen aus einer Zeit, in der an sechs Tagen pro Woche gehandelt wurde. Sie haben sich trotzdem als Gewohnheit gehalten.
Formal ist die MACD Linie EMA(12) − EMA(26), die Signallinie EMA(9) der MACD Linie und das Histogramm die Differenz beider. Weil die Signallinie ein Durchschnitt eines Durchschnitts ist, reagiert sie doppelt verzögert. Das macht Signale ruhiger, aber auch später.
Eine Variante ist der PPO, der dieselbe Rechnung in Prozent ausdrückt. Damit lassen sich Werte mit unterschiedlichen Kursen vergleichen. Wie bei allen Trendfolgern hängt der Nutzen stark davon ab, ob der Markt gerade trendet. In Seitwärtsphasen fressen Gebühren und Slippage die kleinen Gewinne schnell auf.
Zusammenfassung
- Der MACD zeigt, ob ein Kurs an Schwung gewinnt oder verliert.
- Seine Signale kommen spät, weil er aus Durchschnitten besteht.
- In Seitwärtsphasen liefert er viele Fehlsignale.
Hast du es verstanden?
Was bedeutet es, wenn die MACD Linie über der Signallinie liegt?
Dass der kurzfristige Schwung zuletzt zugenommen hat. Eine Garantie für weiter steigende Kurse ist das nicht.
Warum kommen MACD Signale oft spät?
Weil MACD und Signallinie aus Durchschnitten vergangener Kurse bestehen und der Bewegung hinterherlaufen.
Warum sollte man MACD Werte nicht zwischen zwei Aktien vergleichen?
Weil der MACD in Euro rechnet und vom Kursniveau abhängt. Ein Wert von 2 bedeutet bei einer teuren Aktie etwas anderes als bei einer günstigen.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, MACD (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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