Trends erkennen
Ein Aufwärtstrend besteht aus immer höheren Hochs und immer höheren Tiefs, ein Abwärtstrend aus dem Gegenteil. Die Regel ist einfach. Sie im laufenden Markt anzuwenden, ist es nicht.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einen Auf oder Abwärtstrend an seinen Hochs und Tiefs erkennen.
Die übliche Regel ist ganz mechanisch. Liegt jedes neue Hoch über dem vorherigen und jedes neue Tief ebenfalls über dem vorherigen, spricht man von einem Aufwärtstrend. Im umgekehrten Fall von einem Abwärtstrend.
Der Vorteil der Regel
Das Gute an dieser Regel: Sie ist eindeutig. Du kannst nachzählen. Damit unterscheidet sie sich von vielem, was sonst über Charts erzählt wird.
Nachteil im laufenden Markt
Ihr Nachteil zeigt sich im laufenden Markt. Dass ein Hoch ein Hoch war, weißt du erst, wenn der Kurs danach wieder gefallen ist. Jede Aussage über einen Trend kommt also zu spät, und wie spät, hängt vom Zeitrahmen ab, den du dir anschaust.
Wofür der Trend nützt
Nützlich ist der Trend vor allem für eine Frage: Handle ich mit der großen Richtung oder gegen sie? Gegen die große Richtung zu handeln ist nicht unmöglich, aber schwerer, und das solltest du wissen.
Macht man aus der Beobachtung von Trends eine feste Strategie, landet man bei Momentum und Trendfolge. Das ist eines der am besten erforschten Muster an den Finanzmärkten.
Um Trends genau zu bestimmen, braucht man eine Regel, ab wann ein Hoch oder Tief als solches zählt. Meistens muss sich der Kurs danach um einen Mindestbetrag in die Gegenrichtung bewegt haben, zum Beispiel um 5 Prozent. Diese Schwelle kann man frei wählen, und sie entscheidet, wie viele Trends man findet und wie spät man sie erkennt. Ohne diese Angabe kann niemand eine Trendaussage nachprüfen.
Der Momentumeffekt
Am besten belegt ist der Momentumeffekt. Aktien, die sich in den letzten Monaten besser entwickelt haben als andere, entwickeln sich über die nächsten Monate im Schnitt weiter etwas besser. Das zeigt sich an vielen Märkten und über viele Jahrzehnte. Allerdings gibt es heftige Rückschläge, wenn der Markt plötzlich dreht, wie im Frühjahr 2009, als die schwächsten Aktien plötzlich am stärksten stiegen.
Vergangenheit und Zukunft
Unterscheide zwei Aussagen. Dass ein Trend besteht, ist eine Aussage über die Vergangenheit, und die kannst du leicht prüfen. Dass er anhält, ist eine Aussage über die Zukunft, und dafür braucht es gute Gründe. Diese beiden Aussagen zu verwechseln ist der häufigste Fehler, wenn Menschen mit Trends arbeiten.
Ist das ein Aufwärtstrend?
Sechs Kursverläufe. Wende die Definition von oben an, bevor du auf eine Antwort klickst.
Zusammenfassung
- Höhere Hochs und höhere Tiefs, das ist schon die ganze Regel.
- Einen Trend erkennst du meist erst im Nachhinein.
- Dass ein Trend besteht, ist Vergangenheit. Dass er anhält, ist eine Behauptung.
Hast du es verstanden?
Woran erkennst du einen Aufwärtstrend?
An aufeinanderfolgenden höheren Hochs und höheren Tiefs.
Warum kommt jede Trendaussage zu spät?
Weil ein Hoch oder Tief erst als solches erkennbar ist, wenn sich der Kurs danach in die Gegenrichtung bewegt hat.
Welcher Trendeffekt ist am besten belegt?
Momentum über einige Monate, allerdings mit heftigen Rückschlägen, wenn der Markt dreht.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Ein Kurs bildet nacheinander diese Wendepunkte: Hoch 40, Tief 36, Hoch 43, Tief 39, Hoch 47, Tief 42, Hoch 51, Tief 41. Prüfe Punkt für Punkt nach der Regel aus der Lektion, bei welchem Punkt der Aufwärtstrend zum ersten Mal nicht mehr sauber ist. Notiere, warum du das erst im Nachhinein weißt.
Quellen und Weiterlesen
- Die Originalstudie von Jegadeesh und Titman aus dem Jahr 1993 zu den Renditen von Gewinner- und Verlierer-Aktien über mittlere Zeiträume. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Fundamental- und technische AnalyseStufe 4
- Gleitende DurchschnitteStufe 4
- ChartmusterStufe 4
- Passende Fragen zu dieser StufeFragen