Trends erkennen
Ein Aufwärtstrend besteht aus höheren Hochs und höheren Tiefs, ein Abwärtstrend aus dem Gegenteil. Die Definition ist einfach, ihre Anwendung in Echtzeit nicht.
Die gängige Definition ist mechanisch. Steigt jedes neue Hoch über das vorherige und liegt jedes neue Tief über dem vorherigen, spricht man von einem Aufwärtstrend. Umgekehrt vom Abwärtstrend.
Der Vorteil dieser Definition ist, dass sie eindeutig ist. Du kannst nachzählen. Damit unterscheidet sie sich von vielem, was sonst über Charts erzählt wird.
Ihr Nachteil zeigt sich in Echtzeit. Du weißt erst, dass ein Hoch ein Hoch war, wenn der Kurs wieder gefallen ist. Jede Trendaussage hinkt also der Bewegung hinterher, und wie stark, hängt vom gewählten Zeitrahmen ab.
Nützlich ist der Trendbegriff vor allem für eine Frage: Bewege ich mich mit der übergeordneten Richtung oder gegen sie? Gegen eine übergeordnete Richtung zu handeln ist nicht unmöglich, aber schwerer, und das sollte man wissen.
Wird aus der Beobachtung eines Trends eine systematische Strategie, landet man bei Momentum und Trendfolge, einem der am besten erforschten Muster der gesamten Finanzliteratur.
Die Formalisierung erfolgt über Extrempunkte, die erst nach einer Mindestgegenbewegung als solche gelten. Diese Bestätigungsschwelle ist ein freier Parameter, und ihre Wahl bestimmt sowohl die Anzahl der erkannten Trends als auch die Verzögerung der Erkennung. Ohne Angabe dieses Parameters ist eine Trendaussage nicht reproduzierbar.
Die empirisch belastbarste Erscheinungsform ist der Momentumeffekt, also die Beobachtung, dass Werte mit relativ starker Entwicklung über mittlere Zeiträume von mehreren Monaten dazu neigen, sich weiter überdurchschnittlich zu entwickeln. Der Effekt ist über verschiedene Märkte und Zeiträume dokumentiert, geht aber mit ausgeprägten Einbrüchen in Trendwendephasen einher.
Zu unterscheiden sind Trend und Trendpersistenz. Dass ein Trend besteht, ist eine Aussage über die Vergangenheit und trivial feststellbar. Dass er andauert, ist eine Aussage über die Zukunft und muss statistisch begründet werden. Die Verwechslung beider Aussagen ist der häufigste Fehler in der praktischen Anwendung.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Höhere Hochs und höhere Tiefs, das ist die gesamte Definition.
- Ein Trend wird immer erst im Nachhinein erkennbar.
- Dass ein Trend besteht, ist Vergangenheit. Dass er anhält, ist eine Behauptung.
Hast du es verstanden?
Wie ist ein Aufwärtstrend definiert?
Durch aufeinanderfolgend höhere Hochs und höhere Tiefs.
Warum hinkt jede Trendaussage hinterher?
Weil ein Extrempunkt erst nach einer Gegenbewegung als solcher erkennbar ist.
Welcher Trendeffekt ist empirisch am besten belegt?
Momentum über mittlere Zeiträume, allerdings mit starken Einbrüchen in Wendephasen.
Passt dazu
- Fundamental- und technische AnalyseStufe 3
- Gleitende DurchschnitteStufe 3
- ChartmusterStufe 3