Der RSI einfach erklärt
Der RSI zeigt auf einer Skala von 0 bis 100, ob ein Kurs zuletzt eher gestiegen oder gefallen ist. Über 70 gilt als überkauft, unter 30 als überverkauft. Ein Kaufsignal ist das allein nicht.
Der RSI ist einer der bekanntesten Indikatoren überhaupt. Er zeigt dir auf einer Skala von 0 bis 100, ob ein Kurs in den letzten Tagen eher gestiegen oder eher gefallen ist. RSI steht für Relative Strength Index, auf Deutsch Index der relativen Stärke.
Was die Zahl bedeutet
Liegt der RSI hoch, gab es in letzter Zeit vor allem Tage mit Gewinnen. Liegt er niedrig, überwogen die Verlusttage. Zwei Grenzen findest du in fast jedem Chartprogramm eingezeichnet: Über 70 gilt ein Wert als überkauft, unter 30 als überverkauft.
Ein Beispiel: Tom beobachtet eine Aktie, die zehn Tage fast ohne Pause gestiegen ist. Der RSI steht bei 78. Das heißt nur, dass der Anstieg zuletzt sehr einseitig war. Es heißt nicht, dass die Aktie jetzt fallen muss.
So wird er berechnet
Du schaust auf die letzten 14 Tage. Aus den Tagen, an denen der Kurs gestiegen ist, bildest du den durchschnittlichen Gewinn. Aus den Tagen, an denen er gefallen ist, den durchschnittlichen Verlust. Dann teilst du den einen Wert durch den anderen und rechnest das Ergebnis in eine Zahl zwischen 0 und 100 um.
Mit Zahlen: Der durchschnittliche Gewinn liegt bei 1,20 €, der durchschnittliche Verlust bei 0,60 €. Das Verhältnis ist 2. Der RSI ist dann 100 minus 100 geteilt durch 3, also rund 67.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Überkauft und überverkauft: Fällt der RSI unter 30, hoffen manche auf eine Gegenbewegung nach oben. Steigt er über 70, rechnen manche mit einem Rücksetzer.
- Divergenz: Der Kurs macht ein neues Hoch, der RSI aber nicht mehr. Das kann darauf hindeuten, dass dem Anstieg langsam die Kraft ausgeht.
- Die Mitte bei 50: Liegt der RSI meist über 50, überwiegen die Gewinntage, darunter die Verlusttage.
Wo er dich in die Irre führt
In einem starken Trend bleibt der RSI oft wochenlang über 70 oder unter 30. Wer dann jedes Mal gegen den Trend handelt, verliert immer wieder. Die Grafik unten zeigt so einen Fall: Rechts steht der RSI über einen Monat im überkauften Bereich, und der Kurs steigt trotzdem weiter.
Dazu kommt: Der RSI rechnet nur mit vergangenen Kursen. Er weiß nichts über Nachrichten, Zahlen oder die Lage des Unternehmens. Er beschreibt, was passiert ist, und sagt nicht voraus, was als Nächstes kommt.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Anna hat 10.000 € auf ihrem Konto und riskiert pro Trade höchstens 1,5 %, also 150 €. Eine Aktie fällt von 50 € auf 44 €, der RSI steht bei 24. Anna kauft und setzt ihren Stop Loss bei 41 €. Weil sie pro Aktie 3 € riskiert, kauft sie 50 Stück für 2.200 €. Für Kauf und Verkauf zahlt sie je 1 € Gebühr, dazu kommt ein Spread von etwa 5 Cent pro Aktie.
Wenn es klappt: Der Kurs erholt sich auf 50 €. Anna verkauft und liegt 300 € vorne. Nach 2 € Gebühren und rund 5 € Spread bleiben etwa 293 €.
Wenn es schiefgeht: Der Kurs fällt weiter, obwohl der RSI schon unter 30 steht. Der Stop greift, wegen der schnellen Bewegung wird aber erst bei 40,80 € verkauft. Das sind 160 € Verlust, mit Kosten rund 167 €.
Ob der Trade gut war, hängt weniger am RSI als an einer Sache: Anna wusste vorher, wie viel sie höchstens verliert. Das rettet sie im zweiten Fall. Mehr dazu in der Lektion zur Positionsgröße.
Den RSI hat J. Welles Wilder 1978 in seinem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ vorgestellt. Er vergleicht die durchschnittlichen Aufwärtsbewegungen mit den durchschnittlichen Abwärtsbewegungen über einen Zeitraum, standardmäßig 14 Perioden.
Die Formel lautet RSI = 100 − 100 / (1 + RS). RS ist der durchschnittliche Gewinn geteilt durch den durchschnittlichen Verlust. Wilder glättet beide Durchschnitte auf besondere Weise: Der neue Durchschnitt ist der alte mal 13, plus der Wert von heute, geteilt durch 14. Dadurch reagiert der RSI weicher als mit einem einfachen Durchschnitt. Manche Programme rechnen mit einfachen Durchschnitten, deshalb zeigen zwei Programme für denselben Tag manchmal leicht unterschiedliche Werte.
Die Grenzen 70 und 30 sind Gewohnheit und keine Naturkonstante. Manche Trader nutzen 80 und 20, um weniger, dafür deutlichere Signale zu bekommen. Kürzere Zeiträume wie 7 Tage machen den RSI unruhiger, längere wie 21 Tage ruhiger.
Ob sich mit RSI Signalen nach Kosten dauerhaft Geld verdienen lässt, ist umstritten. Viele einfache Regeln, die in alten Daten gut aussehen, verlieren ihren Vorteil, sobald Spread, Gebühren und Slippage dazukommen. Der RSI eignet sich deshalb eher als Beschreibung der aktuellen Lage denn als alleiniger Auslöser für Käufe.
Zusammenfassung
- Der RSI beschreibt, wie einseitig sich ein Kurs zuletzt bewegt hat.
- Über 70 und unter 30 heißt nicht, dass sich die Richtung gleich dreht.
- In starken Trends bleibt der RSI oft wochenlang im Extrembereich.
Hast du es verstanden?
Der RSI einer Aktie steht bei 78. Was sagt dir das?
Dass der Kurs zuletzt vor allem gestiegen ist. Ob er als Nächstes fällt, sagt der Wert nicht.
Warum ist ein RSI unter 30 kein sicheres Kaufsignal?
Weil der Kurs in einem Abwärtstrend noch lange weiter fallen kann, während der RSI niedrig bleibt.
Was ist eine Divergenz beim RSI?
Der Kurs erreicht ein neues Hoch oder Tief, der RSI aber nicht. Das kann ein Hinweis auf nachlassende Kraft sein.
Quellen und Weiterlesen
- J. Welles Wilder: New Concepts in Technical Trading Systems, 1978.
- StockCharts ChartSchool, Relative Strength Index (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
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