Warum Indikatoren nachlaufen
Jeder Indikator wird aus vergangenen Kursen berechnet und kann deshalb nur beschreiben, was schon war. Wer mehr von ihm erwartet, versteht das Werkzeug falsch.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du begründen, warum kein Indikator die Zukunft vorhersagen kann.
Ein Indikator ist eine Formel, die man auf vergangene Kurse anwendet. Er kann also nichts enthalten, was nicht schon im Kurs steckte. Das ist keine Kritik, das folgt einfach daraus, wie er gebaut ist.
Beschreiben statt vorhersagen
Daraus ergibt sich die wichtigste Grenze. Ein Indikator beschreibt einen Zustand, er sagt nichts voraus. Erzählt dir jemand, ein Signal habe eine Bewegung vorhergesagt, hat er die Reihenfolge verwechselt. Das Signal kam, weil die Bewegung schon begonnen hatte.
Die Verspätung
Die zweite Grenze ist die Verspätung. Jede Glättung kostet Zeit. Ein Indikator, der zuverlässig ist, reagiert spät. Einer, der schnell reagiert, liefert viele Fehlsignale. Beides zugleich bekommst du nicht, du kannst nur wählen.
Zu viele Indikatoren
Die dritte Grenze zeigt sich, wenn du viele Indikatoren gleichzeitig anschaust. Wer genug davon hat, findet für jede Entscheidung eine Bestätigung. Dann ist es keine Analyse mehr. Es ist eine Maschine, die Gründe für das liefert, was du ohnehin tun wolltest.
Technisch gesehen sind die meisten Indikatoren Filter, die über die Kursreihe laufen. Ein Filter, der nur vergangene Werte verwenden darf, muss zwangsläufig hinterherhinken. Man kann die Verspätung verteilen und anders gestalten, aber loswerden kann man sie nicht, solange man keine Kurse aus der Zukunft kennt.
Zielkonflikt der Glättung
Daraus folgt ein Zielkonflikt, den jeder Indikator hat. Glättest du stärker, bekommst du weniger Fehlsignale und mehr Verspätung. Glättest du schwächer, ist es umgekehrt. Suchst du die beste Einstellung an alten Daten, landest du fast immer beim Overfitting, weil die beste Einstellung für die Vergangenheit von genau dem Zeitraum abhängt, den du dir angeschaut hast.
Kombination ohne Gewinn
Mehrere Indikatoren zu kombinieren sieht nach mehr Sicherheit aus, bringt aber keine neue Information. Alle kommen aus derselben Kursreihe und bewegen sich deshalb sehr ähnlich. Eine Kombination macht dich nur dann sicherer, wenn jeder Teil etwas Eigenes beiträgt, zum Beispiel Zahlen aus dem Geschäftsbericht und ein Trendsignal. Mehrere Indikatoren aus demselben Kurs tun das nicht.
Zusammenfassung
- Ein Indikator beschreibt, er sagt nichts voraus.
- Zuverlässig und schnell zugleich geht nicht, du kannst nur wählen.
- Viele Indikatoren liefern scheinbare Bestätigung ohne neue Information.
Hast du es verstanden?
Warum kann ein Indikator nichts über die Zukunft enthalten?
Weil er ausschließlich aus vergangenen Kursen berechnet wird.
Welchen Zielkonflikt hat jede Glättung?
Stärkere Glättung heißt weniger Fehlsignale und mehr Verspätung, schwächere Glättung das Gegenteil.
Warum hilft es wenig, viele Indikatoren zu kombinieren?
Weil sie alle aus derselben Kursreihe stammen und sich sehr ähnlich bewegen, also nichts Unabhängiges beitragen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Stell dir einen Durchschnitt über 20 Tage und einen über 100 Tage vor. Schreibe auf, welcher mehr Fehlsignale und welcher mehr Verspätung liefert, und begründe es in einem Satz. Nenne dann eine Information außerhalb der Kursreihe, die du zusätzlich bräuchtest, damit eine Kombination wirklich etwas Eigenes beiträgt.
Quellen und Weiterlesen
- Die Arbeit zur Wahrscheinlichkeit von Overfitting in Backtests zeigt, warum die Optimierung von Parametern wie Glättungsgraden an historischen Daten regelmäßig zu Overfitting führt. Quelle ansehen ↗