RSI, MACD und Bollinger Bänder
Drei verbreitete Indikatoren, die alle aus dem Kursverlauf abgeleitet sind: relative Stärke, Abstand zweier Durchschnitte und Abstand zur normalen Schwankungsbreite.
Der RSI misst, wie stark die Aufwärtsbewegungen der letzten Perioden im Verhältnis zu den Abwärtsbewegungen waren. Er läuft zwischen 0 und 100. Werte über 70 gelten als überkauft, unter 30 als überverkauft.
Der MACD zeigt den Abstand zwischen einem kurzen und einem langen Durchschnitt. Wird der Abstand größer, verstärkt sich die Bewegung. Wird er kleiner, lässt sie nach.
Bollinger Bänder legen zwei Linien um einen Durchschnitt, deren Abstand sich aus der Schwankungsbreite ergibt. Sie zeigen, ob der Kurs gerade ungewöhnlich weit von seinem Mittel entfernt ist.
Wichtig: Alle drei sind aus dem Kurs berechnet. Sie enthalten keine zusätzliche Information, sondern stellen dieselbe Information anders dar. Zehn Indikatoren auf einem Chart bedeuten nicht zehn Meinungen, sondern eine Meinung in zehn Formen.
Der RSI berechnet sich als 100 − 100/(1 + RS), wobei RS das Verhältnis der durchschnittlichen Aufwärts- zu den Abwärtsbewegungen über die gewählte Periode ist. Die üblichen Schwellen bei 70 und 30 sind Konventionen ohne theoretische Ableitung. In anhaltenden Trends verbleibt der Indikator über längere Zeit im Extrembereich, weshalb er dort als Umkehrsignal systematisch versagt.
Der MACD ist die Differenz zweier exponentieller Durchschnitte, ergänzt um eine Signallinie als geglättete Version dieser Differenz. Er ist damit ein Trendfolgeindikator in anderer Darstellung und teilt dessen Eigenschaften einschließlich der Verzögerung.
Bollinger Bänder verwenden ein Vielfaches der Standardabweichung um einen gleitenden Durchschnitt. Die verbreitete Aussage, ein bestimmter Anteil der Kurse liege innerhalb der Bänder, setzt normalverteilte Renditen voraus. Da Finanzmarktrenditen schwerere Ränder aufweisen, treten Überschreitungen deutlich häufiger auf als unter dieser Annahme erwartet, was die Interpretation als Ausnahmesignal schwächt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Alle Indikatoren sind aus dem Kurs abgeleitet, keiner bringt neue Information.
- Im Trend bleibt der RSI dauerhaft im Extrembereich und versagt als Umkehrsignal.
- Bollinger Bänder unterstellen eine Verteilung, die real nicht zutrifft.
Hast du es verstanden?
Was misst der RSI?
Das Verhältnis der durchschnittlichen Aufwärts- zu den Abwärtsbewegungen über eine gewählte Periode.
Warum versagt der RSI in starken Trends?
Weil er dort dauerhaft im Extrembereich verbleibt und fortlaufend Umkehr signalisiert.
Welche Annahme steckt in den Bollinger Bändern?
Normalverteilte Renditen. Real sind die Ränder schwerer, Überschreitungen also häufiger.
Passt dazu
- Gleitende DurchschnitteStufe 3
- Warum Indikatoren nachlaufenStufe 3
- Einen Chart lesenStufe 3