RSI, MACD und Bollinger Bänder
RSI, MACD und Bollinger Bänder sind drei verbreitete Indikatoren. Alle drei werden aus dem Kursverlauf berechnet: aus der relativen Stärke, aus dem Abstand zweier Durchschnitte und aus dem Abstand zur üblichen Schwankung.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du die drei bekanntesten technischen Indikatoren benennen und sagen, woraus sie berechnet werden.
Der RSI misst, wie stark die Anstiege der letzten Tage im Verhältnis zu den Rückgängen waren. Er läuft von 0 bis 100. Über 70 gilt ein Wert als überkauft, unter 30 als überverkauft.
Der MACD
Der MACD zeigt den Abstand zwischen einem kurzen und einem langen Durchschnitt. Wird der Abstand größer, wird die Bewegung stärker. Wird er kleiner, lässt sie nach.
Bollinger Bänder legen zwei Linien um einen Durchschnitt. Wie weit sie auseinanderliegen, hängt davon ab, wie stark der Kurs zuletzt geschwankt hat. So siehst du, ob der Kurs gerade ungewöhnlich weit von seinem Mittel weg ist.
Keine neue Information
Wichtig: Alle drei werden aus dem Kurs berechnet. Sie bringen keine neue Information, sie zeigen dieselbe Information nur anders. Zehn Indikatoren auf einem Chart sind deshalb keine zehn Meinungen. Es ist eine Meinung in zehn Verkleidungen.
Der häufigste Denkfehler
Der häufigste Denkfehler: RSI über 70 heißt jetzt verkaufen. In starken Trends bleibt der RSI oft wochenlang über 70, ohne dass der Kurs dreht. Ähnlich ist es mit den anderen beiden. Eine MACD Kreuzung kommt meist erst, wenn der Trend schon läuft, und am oberen Bollinger Band kann ein Kurs in einem starken Trend einfach entlanglaufen. Keiner der drei sagt die Zukunft verlässlich voraus. Sie beschreiben, was schon passiert ist. Alle drei und sechzehn weitere findest du mit Beispielgrafiken in der Übersicht der Indikatoren.
Für den RSI teilt man den durchschnittlichen Anstieg der letzten 14 Tage durch den durchschnittlichen Rückgang. Diese Zahl wird so umgerechnet, dass sie zwischen 0 und 100 liegt. Die Schwellen 70 und 30 sind Gewohnheit, eine Begründung dafür gibt es nicht. In anhaltenden Trends bleibt der RSI lange im Extrembereich, und wer ihn dort als Signal zur Umkehr liest, liegt immer wieder falsch.
Berechnung des MACD
Der MACD ist der Unterschied zwischen zwei exponentiellen Durchschnitten, meist über 12 und 26 Tage. Dazu kommt eine Signallinie, die diesen Unterschied noch einmal glättet. Im Grunde ist er also ein Trendfolgeindikator in anderer Form und hinkt genauso hinterher.
Berechnung der Bollinger-Bänder
Bollinger Bänder liegen meist zwei Standardabweichungen über und unter einem Durchschnitt über 20 Tage. Oft heißt es, rund 95 Prozent der Kurse lägen innerhalb der Bänder. Das stimmt nur, wenn die Kursbewegungen einer Normalverteilung folgen. Das tun sie nicht. Extreme Bewegungen kommen an den Märkten deutlich öfter vor, deshalb verlässt der Kurs die Bänder auch häufiger, als diese Rechnung verspricht. Als Zeichen für eine echte Ausnahme taugt ein Ausbruch deshalb weniger, als es scheint.
Zusammenfassung
- Alle Indikatoren werden aus dem Kurs berechnet, keiner bringt neue Information.
- In starken Trends bleibt der RSI lange im Extrembereich und taugt dort nicht als Umkehrsignal.
- Bollinger Bänder unterstellen eine Verteilung, die es am Markt so nicht gibt.
Hast du es verstanden?
Was misst der RSI?
Das Verhältnis der durchschnittlichen Anstiege zu den durchschnittlichen Rückgängen über einen gewählten Zeitraum.
Warum versagt der RSI in starken Trends?
Weil er dort lange im Extrembereich bleibt und immer wieder eine Umkehr anzeigt, die nicht kommt.
Welche Annahme steckt in den Bollinger Bändern?
Dass die Kursbewegungen normalverteilt sind. In Wirklichkeit sind extreme Bewegungen häufiger, und der Kurs verlässt die Bänder öfter.
Was andere dazu oft fragen
Welche Indikatoren soll ich nutzen?
Wenige, die du wirklich verstehst und die sich ergänzen, zum Beispiel einen für den Trend und einen für die Schwankung. Fünf Indikatoren, die dasselbe messen, bestätigen sich nur scheinbar gegenseitig.
Gibt es einen Indikator, der zuverlässig funktioniert?
Nein. Jeder Indikator beschreibt die Vergangenheit. Ob eine Regel damit Geld verdient, zeigt sich erst über viele Trades nach Kosten.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreibe für RSI, MACD und Bollinger Bänder in je einem Satz auf, woraus sie berechnet werden. Öffne dann den Chart einer Aktie oder Kryptowährung, die zuletzt lange gestiegen ist, und zähle, an wie vielen Tagen der RSI über 70 lag. Notiere, ob der Kurs in dieser Zeit tatsächlich gedreht hat.
Quellen und Weiterlesen
- Bereits Benoit Mandelbrot zeigte 1963 in seiner Originalarbeit zu Kursschwankungen, dass die empirischen Verteilungen von Preisänderungen deutlich mehr Ausreißer aufweisen, als es eine Normalverteilung vorhersagen würde. Quelle ansehen ↗
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