Die Stochastik einfach erklärt
Die Stochastik zeigt, wo der Schlusskurs innerhalb der Spanne der letzten Tage liegt. Nahe am Hoch ergibt das einen hohen Wert, nahe am Tief einen niedrigen.
Die Stochastik, genauer der Stochastik Oszillator, stammt von George Lane aus den 1950er Jahren. Sie beantwortet eine einfache Frage: Schließt der Kurs eher oben oder eher unten in der Spanne der letzten zwei Wochen?
Worum es geht
Die Stochastik bewegt sich zwischen 0 und 100. Du siehst zwei Linien. Die schnellere heißt %K, die ruhigere %D. Über 80 gilt ein Wert als überkauft, unter 20 als überverkauft.
Ein Beispiel: In den letzten 14 Tagen lag das tiefste Tief einer Aktie bei 40 € und das höchste Hoch bei 50 €. Heute schließt sie bei 49 €. Sie schließt also fast ganz oben in ihrer Spanne, die Stochastik steht bei 90.
So wird gerechnet
Für %K nimmst du den heutigen Schlusskurs minus das tiefste Tief der letzten 14 Tage und teilst das durch die ganze Spanne, also höchstes Hoch minus tiefstes Tief. Das Ergebnis mal 100 ist der Rohwert. In der üblichen, langsamen Variante wird dieser Rohwert noch über 3 Tage geglättet. %D ist ein Durchschnitt von %K über 3 Tage.
Mit den Zahlen von oben: (49 − 40) geteilt durch (50 − 40) ergibt 0,9, mal 100 also 90.
Welche Signale Trader daraus lesen
- Überkauft und überverkauft: Unter 20 hoffen manche auf eine Gegenbewegung nach oben, über 80 rechnen manche mit einem Rücksetzer.
- Kreuzung von %K und %D: Kreuzt %K die Linie %D im unteren Bereich nach oben, lesen viele das als Kaufsignal. Im oberen Bereich nach unten als Verkaufssignal.
- Divergenz: Der Kurs macht ein neues Tief, die Stochastik aber nicht. Das kann auf nachlassenden Verkaufsdruck hindeuten.
Wo es dich in die Irre führt
Die Stochastik reagiert schnell, und genau das ist ihr Problem. Sie springt oft zwischen den Bereichen hin und her und liefert viele Signale, von denen ein großer Teil nichts bringt. In einem starken Trend bleibt sie außerdem lange im Extrembereich. Die Grafik zeigt das: Im Aufwärtstrend steht sie wochenlang über 80, während der Kurs weiter steigt.
Wer bei jedem Wert über 80 verkauft, steigt in genau den Phasen aus, in denen es am besten läuft.
Ein Beispieltrade mit erfundenen Zahlen
Tom hat 10.000 € auf dem Konto und riskiert pro Trade höchstens 150 €. Bei einer Aktie für 30 € kreuzt %K die Linie %D unterhalb von 20 nach oben. Tom kauft und setzt seinen Stop Loss bei 28,80 €. Bei 1,20 € Risiko pro Aktie kauft er 125 Stück für 3.750 €. Kosten: je 1 € Gebühr für Kauf und Verkauf, dazu etwa 2 Cent Spread pro Aktie und Order.
Wenn es klappt: Der Kurs steigt auf 32,40 €. Tom liegt 300 € vorne, nach 2 € Gebühren und 5 € Spread bleiben 293 €.
Wenn es schiefgeht: Das Signal kam mitten in einem Abwärtstrend. Der Kurs fällt weiter, der Stop wird bei 28,70 € ausgeführt. Das sind 162,50 € Verlust, mit Kosten 169,50 €.
Kaufsignale der Stochastik im Abwärtstrend gehen besonders oft schief. Viele nutzen sie deshalb nur in Richtung des größeren Trends.
George Lane hat die Stochastik in den 1950er Jahren populär gemacht. Er beschrieb sie als Maß für den Schwung des Kurses, der sich oft vor dem Kurs selbst dreht.
Es gibt drei Varianten. Die schnelle Stochastik nutzt den ungeglätteten Rohwert als %K. Die langsame glättet ihn über 3 Tage und ist heute Standard. Die volle Stochastik lässt alle drei Zeiträume frei wählen, zum Beispiel 14, 3 und 3.
Verwandt ist Williams %R, der dieselbe Spanne betrachtet, aber auf einer Skala von −100 bis 0. Wie bei allen schnellen Oszillatoren entstehen viele Signale, und nach Kosten bleibt von einfachen Regeln oft wenig übrig.
Zusammenfassung
- Die Stochastik zeigt, wo der Schlusskurs in der Spanne der letzten Tage liegt.
- Sie reagiert schnell und liefert viele Fehlsignale.
- Im starken Trend bleibt sie lange über 80 oder unter 20.
Hast du es verstanden?
Eine Aktie schließt bei 49 €, die Spanne der letzten 14 Tage reicht von 40 € bis 50 €. Wo steht die Stochastik?
Bei 90, weil der Schlusskurs bei 90 Prozent der Spanne liegt.
Was ist der Unterschied zwischen %K und %D?
%K ist die schnellere Linie, %D ein Durchschnitt von %K über 3 Tage.
Warum ist ein Wert über 80 kein sicheres Verkaufssignal?
Weil die Stochastik in einem starken Aufwärtstrend lange über 80 bleiben kann, während der Kurs weiter steigt.
Quellen und Weiterlesen
- StockCharts ChartSchool, Stochastic Oscillator (englisch). Quelle ansehen ↗
- ESMA, Informationen für Anleger zu den Risiken von Trading. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- RSIIndikator
- Williams %RIndikator
- Grenzen von IndikatorenLektion