Indizes
Ein Index bildet einen Markt ab. Ihn zu besitzen (per ETF) und ihn zu handeln (per CFD oder Future) sind zwei sehr unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichem Risiko.
Ein Index wie der DAX oder der S&P 500 ist selbst kein Produkt, sondern eine berechnete Kennzahl: ein Korb von Aktien, zusammengefasst zu einer einzigen Zahl. Der DAX bildet die vierzig größten deutschen Unternehmen ab, der S&P 500 die fünfhundert größten US-Unternehmen.
Einen Index direkt kaufen kannst du nicht, es gibt zwei sehr unterschiedliche Wege, ihm nahezukommen. Erstens ein Index-ETF, der die enthaltenen Aktien tatsächlich hält oder nachbildet. Du bist damit wirtschaftlich an all diesen Unternehmen beteiligt, mit den Rechten, die ein Sondervermögen bietet.
Zweitens ein Index-CFD oder -Future: eine reine Wette auf den Kursstand, meist mit Hebel, ohne dass dir irgendetwas davon gehört. Der Anbieter ist deine Gegenpartei, nicht ein Depot voller Aktien.
Diese beiden Wege werden im Alltag oft verwechselt, sind aber grundverschieden: der eine ist Investieren mit langem Atem, der andere ist Trading mit allen Risiken, die dazugehören, einschließlich Liquidation.
Die meisten großen Indizes sind nach Marktkapitalisierung gewichtet: je größer ein Unternehmen, desto stärker bestimmt es die Bewegung des gesamten Index. In stark konzentrierten Indizes können deshalb wenige Schwergewichte einen überproportionalen Anteil der Gesamtbewegung ausmachen, was die vermeintliche Streuung über "500 Unternehmen" praktisch einschränkt. Der Dow Jones ist eine historische Ausnahme: er ist preisgewichtet, nicht nach Marktkapitalisierung, was ihn methodisch inkonsistent, aber aus Tradition weiterhin verbreitet macht.
Index-CFDs und -Futures notieren nicht exakt wie der zugrunde liegende Index, sondern mit einem Auf- oder Abschlag, der unter anderem erwartete Dividenden und Finanzierungskosten einpreist. Bei Futures wird dieser Unterschied als Basis bezeichnet und verschwindet zum Verfallstermin. Bei CFDs auf Indizes fallen, ähnlich wie bei Forex und Perpetuals, laufende Übernacht-Finanzierungskosten an, die eine langfristig gehaltene gehebelte Position spürbar verteuern.
Ein oft übersehener Effekt ist das Rebalancing: Indizes werden regelmäßig neu zusammengesetzt, Unternehmen fliegen raus, andere kommen rein. Für einen ETF, der den Index nachbildet, bedeutet das automatische Umschichtungen und damit Handelskosten, die die Wertentwicklung minimal, aber systematisch von der reinen Indexrechnung abweichen lassen.
Zusammenfassung
- Ein Index ist eine Kennzahl, kein Produkt, das man direkt kauft.
- ETF bedeutet Besitz der zugrunde liegenden Werte, CFD oder Future bedeutet eine gehebelte Wette dagegen.
- Marktkapitalisierungsgewichtung lässt wenige Schwergewichte den Index dominieren.
Hast du es verstanden?
Kann man einen Index direkt kaufen?
Nein. Man bildet ihn entweder über einen ETF nach, der die enthaltenen Werte tatsächlich hält, oder handelt eine Wette auf seinen Kurs über CFD oder Future, ohne die Werte zu besitzen.
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen ETF und Index-CFD?
Der ETF gehört dir und ist Sondervermögen. Der CFD ist ein Vertrag mit dem Anbieter, meist gehebelt, mit laufenden Finanzierungskosten.
Warum bewegen sich einzelne Indizes so unterschiedlich stark?
Wegen der Gewichtung. Bei marktkapitalisierungsgewichteten Indizes bestimmen wenige sehr große Werte einen überproportionalen Teil der Bewegung.
Verstehens-Check
Passt dazu
- Was ein ETF istStufe 1
- CFDs und warum Aufsichtsbehörden warnenTrading
- DiversifikationStufe 5