Das Schneeballsystem
Bei einem Schneeballsystem werden die Erträge früherer Anleger aus den Einzahlungen späterer bezahlt. Es funktioniert, solange mehr Geld hereinkommt als abfließt, und bricht dann zwangsläufig zusammen.
Das Prinzip ist über hundert Jahre alt und hat sich kaum verändert. Jemand verspricht attraktive und stabile Renditen. Die ersten Anleger bekommen tatsächlich Auszahlungen, aber nicht aus Gewinnen, sondern aus dem Geld der neu Hinzugekommenen.
Weil die ersten Anleger echtes Geld sehen, erzählen sie es weiter. Genau das ist der Motor. Empfehlungen von Menschen, denen man vertraut, sind das wirksamste Werbemittel überhaupt.
Der Zusammenbruch ist mathematisch zwingend, nicht möglich. Damit alle bedient werden können, muss der Zustrom laufend wachsen. Sobald er stockt oder viele gleichzeitig auszahlen wollen, ist nichts da.
Die zuverlässigsten Warnzeichen: stabile Renditen unabhängig vom Marktgeschehen, keine nachvollziehbare Erklärung der Ertragsquelle, Prämien für das Werben neuer Teilnehmer, und Schwierigkeiten beim Auszahlen bei gleichzeitig reibungslosem Einzahlen.
Charakteristisch ist die Entkopplung der ausgewiesenen Wertentwicklung vom Marktgeschehen. Eine über Jahre gleichmäßige Rendite ohne Verlustmonate ist bei einer marktbezogenen Strategie praktisch ausgeschlossen, da jede Ertragsquelle mit Schwankungen einhergeht. Genau diese unplausible Gleichmäßigkeit war bei mehreren großen Fällen das auffälligste Merkmal und wurde jahrelang als Qualitätsmerkmal missverstanden.
Strukturell fehlt regelmäßig die Trennung von Verwaltung und Verwahrung. Verwaltet und verwahrt dieselbe Partei und erstellt zudem die Berichte, entfällt jede unabhängige Kontrolle über die tatsächliche Existenz der Bestände. Die Prüfung, welche unabhängige Stelle die Vermögenswerte verwahrt, ist deshalb aussagekräftiger als jede vorgelegte Wertentwicklung.
Zu unterscheiden ist das klassische Schneeballsystem von Strukturvertrieben mit Prämien für Anwerbung. Beide teilen die Abhängigkeit von wachsender Teilnehmerzahl, unterscheiden sich aber darin, ob ein Produkt existiert. Der gemeinsame Kern bleibt, dass der Ertrag nicht aus externer Wertschöpfung, sondern aus Zuflüssen neuer Teilnehmer stammt.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Gleichmäßige Rendite ohne Verlustmonate ist kein Qualitätsmerkmal, sondern verdächtig.
- Prüfe, welche unabhängige Stelle die Werte verwahrt.
- Prämien fürs Anwerben neuer Teilnehmer sind das deutlichste Signal.
Hast du es verstanden?
Woher stammen die Auszahlungen?
Aus den Einzahlungen später hinzugekommener Teilnehmer, nicht aus Erträgen.
Warum ist eine sehr gleichmäßige Rendite verdächtig?
Weil jede marktbezogene Ertragsquelle mit Schwankungen einhergeht.
Welche strukturelle Prüfung ist am wirksamsten?
Ob Verwaltung und Verwahrung getrennt sind und wer die Bestände unabhängig verwahrt.
Passt dazu
- Einen Anbieter prüfenBetrugsschutz
- Gurus und SignalgruppenBetrugsschutz
- Grid-Trading- und DCA-BotsStrategiearten