Lehman Brothers
Im September 2008 ging eine große amerikanische Investmentbank pleite und löste die schwerste Finanzkrise seit Jahrzehnten aus. Dahinter steckten hohe Schulden, schwer durchschaubare Wertpapiere und fallende Hauspreise.
In den Jahren davor hatten Banken in den USA in großem Stil Kredite für Häuser vergeben, auch an Haushalte, die sie sich kaum leisten konnten. Diese Kredite wurden gebündelt, in Wertpapiere verpackt und an Anleger in aller Welt weiterverkauft.
Solange die Hauspreise stiegen, ging das gut. Als sie fielen, konnten immer mehr Haushalte nicht mehr zahlen, und niemand wusste mehr genau, was diese Papiere noch wert waren. Die Banken misstrauten einander und liehen sich kein Geld mehr.
Lehman Brothers war hoch verschuldet und hatte viele solcher Papiere gekauft. Am 15. September 2008 meldete die Bank Insolvenz an. Weil die großen Banken eng miteinander verflochten waren, lief die Erschütterung durch das ganze Finanzsystem.
Die Aktienmärkte fielen weltweit stark. Der amerikanische S&P 500 verlor vom Hoch im Oktober 2007 bis zum Tief im März 2009 rund 57 Prozent. Bis zur Erholung dauerte es Jahre. Wer damals verkaufte, hat sie verpasst. Wer investiert blieb, hatte die Verluste mit Dividenden bis etwa 2012 wieder aufgeholt.
Verstärkt wurde alles durch die Schulden. Wer stark auf Kredit arbeitet, dem reicht ein kleiner Wertverlust, um das eigene Kapital aufzuzehren. Lehman hatte für jeden Euro eigenes Kapital rund dreißig Euro Schulden. Schon gut drei Prozent Wertverlust reichten damit, um das Eigenkapital auszulöschen. Die Bank musste verkaufen, das drückte die Preise, und das zwang wieder andere zum Verkaufen. Es ist derselbe Mechanismus wie bei einer Kette von Liquidationen, nur für das ganze Finanzsystem.
Ein zweiter Grund lag in den Bewertungen. Die Ratingagenturen gingen davon aus, dass Kredite aus verschiedenen Regionen kaum gleichzeitig ausfallen. Diese Annahme brach zusammen, als die Hauspreise im ganzen Land fielen. Es war wieder der Effekt, dass in Krisen plötzlich alles zusammenhängt.
Für dich ist der Verlauf danach am interessantesten. Breite Aktienmärkte erreichten in den Jahren darauf neue Höchststände. Dauerhaft geschadet hat die Krise vor allem denen, die am Tiefpunkt verkauft haben, und denen, die Aktien einzelner betroffener Banken hielten, die wertlos wurden. Der Fall bestätigt damit beides: Das Risiko des ganzen Marktes wird über die Zeit bezahlt, das Risiko einzelner Firmen nicht.
Zusammenfassung
- Hohe Verschuldung verwandelt kleine Wertverluste in Zahlungsunfähigkeit.
- Die Annahme unabhängiger Ausfälle brach zusammen, als alles gleichzeitig fiel.
- Der Markt erholte sich, einzelne betroffene Institute nicht.
Hast du es verstanden?
Wie wirkte die Verschuldung als Verstärker?
Wer stark auf Kredit arbeitet, verliert schon bei einem kleinen Wertverlust sein ganzes Eigenkapital und muss verkaufen.
Welche Modellannahme brach zusammen?
Dass Kredite aus verschiedenen Regionen kaum gleichzeitig ausfallen.
Wen traf der dauerhafte Schaden?
Die, die am Tiefpunkt verkauft haben, und die, die Aktien einzelner betroffener Banken hielten. Der breite Markt hat sich erholt.
Aufgabe für dich
Die Bank hatte für jeden Euro eigenes Kapital rund dreißig Euro Schulden. Wie viel Wertverlust verträgt ein Unternehmen mit diesem Verhältnis? Rechne nach, warum schon gut drei Prozent genügten, und suche dann im Geschäftsbericht eines Unternehmens deiner Wahl Eigenkapital und Schulden heraus, um sein Verhältnis zu berechnen.
Quellen und Weiterlesen
- Abschlussbericht der US-amerikanischen Untersuchungskommission zur Finanzkrise sowie öffentliche Marktdaten. Quelle ansehen ↗