GameStop
Anfang 2021 stieg die Aktie einer Kette für Videospiele in wenigen Wochen um ein Vielfaches. Dahinter steckten viele Leerverkäufer, eine Menge Privatanleger, die sich in Foren austauschten, und erzwungene Rückkäufe.
GameStop war eine Ladenkette für Videospiele, deren Geschäft schrumpfte. Ungewöhnlich viele ihrer Aktien waren leerverkauft, also von Leuten geliehen und verkauft, die auf fallende Kurse setzten. Zeitweise waren mehr Aktien leerverkauft, als überhaupt frei gehandelt wurden.
Anfang 2021 begannen viele Privatanleger, sich in Foren abzusprechen und die Aktie zu kaufen. Der Kurs stieg, die Leerverkäufer machten Verluste und mussten zurückkaufen. Diese Rückkäufe trieben den Kurs weiter nach oben. Anfang Januar kostete die Aktie unter 20 Dollar, am 28. Januar kurzzeitig über 480 Dollar.
Das ist ein Short Squeeze, genau wie in der Lektion Shortselling beschrieben. Der Kurs stieg um ein Vielfaches, obwohl sich am Geschäft der Firma nichts geändert hatte.
Die Geschichte wird oft als Sieg der Kleinanleger erzählt. Für die, die früh gekauft haben, stimmt das. Wer spät eingestiegen ist, weil er in den Nachrichten davon gelesen hatte, kaufte nahe am Höchststand. Am 19. Februar schloss die Aktie wieder bei rund 40 Dollar. In der Erzählung kommen beide Gruppen selten gemeinsam vor.
So anfällig war die Aktie, weil im Verhältnis zu den frei handelbaren Aktien sehr viele leerverkauft waren. Steigt der Kurs, müssen Leerverkäufer Sicherheiten nachschießen oder zurückkaufen. Weil ihr Verlust nach oben keine Grenze hat, werden viele zum Schließen gezwungen, und das verstärkt die Bewegung.
Verstärkt wurde das über den Optionsmarkt. Viele kauften Calls auf die Aktie. Wer diese Calls verkauft hatte, sicherte sich ab, indem er die Aktie selbst kaufte. Das brachte noch mehr Käufe. Diese Rückkopplung über Optionen gilt als einer der wichtigsten Treiber des Anstiegs.
Der Fall zeigt auch die Grenzen der Erzählung, jetzt könne jeder an der Börse mitreden. Der Anstieg verschob Geld zwischen Marktteilnehmern und hatte nichts damit zu tun, wie viel die Firma verdient. Für die späten Käufer und für einen Teil der Leerverkäufer ging es gleichermaßen schlecht aus. Was die einen gewannen, verloren die anderen.
Zusammenfassung
- Ein Short Squeeze entsteht durch erzwungene Rückkäufe und nicht dadurch, dass es der Firma besser geht.
- Absicherungskäufe von Optionsverkäufern verstärken die Bewegung zusätzlich.
- Die Geschichte erzählt die Gewinner, nicht die spät Eingestiegenen.
Hast du es verstanden?
Was macht eine Aktie anfällig für einen Short Squeeze?
Wenn im Verhältnis zu den frei handelbaren Aktien sehr viele leerverkauft sind.
Wie verstärkt der Optionsmarkt die Bewegung?
Wer Calls verkauft hat, sichert sich ab, indem er die Aktie selbst kauft. Das bringt zusätzliche Käufe.
Warum ist die Erzählung vom Sieg der Kleinanleger unvollständig?
Weil die späten Käufer nahe am Höchststand eingestiegen sind und viel verloren haben.
Aufgabe für dich
Der Kurs sprang von unter 20 Dollar auf kurzzeitig über 480 Dollar, ohne dass sich das Geschäft änderte. Woran würdest du erkennen, dass du gerade zu spät einsteigst? Rechne aus, um wie viel Prozent die Aktie von 480 Dollar auf rund 40 Dollar fiel, und was von 1.000 Dollar übrig geblieben wäre, die du am Höchststand eingesetzt hättest.
Quellen und Weiterlesen
- Bericht der US-Wertpapieraufsicht zu den Marktereignissen im Januar 2021 sowie öffentliche Kurs- und Positionsdaten. Quelle ansehen ↗
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