Altersvorsorge
Die gesetzliche Rente deckt bei den meisten nur einen Teil dessen, was sie im Alter ausgeben. Die Lücke rechnest du in drei Schritten aus, und je früher du anfängst, desto kleiner ist die Rate, die sie schließt.
Altersvorsorge klingt nach einem Thema für später. Rechnerisch ist sie ein Thema für jetzt, weil die Zeit bis zur Rente die stärkste Hilfe ist, die du hast. Wichtig ist vor allem, dass du weißt, wie viel dir später fehlt.
Schritt 1: deine Renteninformation lesen
Die Deutsche Rentenversicherung schickt allen Versicherten ab 27 Jahren, die mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt haben, jedes Jahr automatisch eine Renteninformation. Darin steht unter anderem eine Hochrechnung deiner Regelaltersrente, die davon ausgeht, dass du so weiter einzahlst wie in den letzten fünf Jahren. Ab 55 kommt stattdessen alle drei Jahre die ausführlichere Rentenauskunft.
Der Betrag dort ist ein Bruttowert. Von der späteren Rente gehen in der Regel noch Steuern und Beiträge zur Kranken und Pflegeversicherung ab. Rechne also mit etwas weniger.
Schritt 2: alle Ansprüche an einem Ort sehen
Seit dem 30. Juni 2023 gibt es die Digitale Rentenübersicht unter rentenuebersicht.de. Dort siehst du kostenlos gesetzliche, betriebliche und private Ansprüche zusammen. Für die Anmeldung brauchst du einen Personalausweis mit freigeschalteter Onlinefunktion und deine Steuer ID.
Schritt 3: die Lücke ausrechnen
Überleg, wie viel du im Alter im Monat ausgeben wirst, in heutigem Geld. Zieh davon ab, was aus Renteninformation und Übersicht zusammenkommt. Was übrig bleibt, ist deine Lücke.
Ein Beispiel: Lea ist 30 und rechnet im Alter mit 2.400 € Ausgaben im Monat. Ihre Ansprüche ergeben zusammen rund 1.500 €. Es fehlen also etwa 900 € im Monat. Nach dem Rechner für finanzielle Freiheit braucht sie dafür bei einer vorsichtigen Entnahmerate von 3,5 Prozent rund 308.600 €. Bis 67 hat sie 37 Jahre Zeit. Bei angenommenen 5 Prozent Rendite nach Inflation reichen dafür rund 240 € im Monat. Fängt sie zehn Jahre später an, wird die Rate deutlich größer.
Drei Wege, die sich ergänzen
- Gesetzlich: Die Rente aus der Rentenversicherung ist die Grundlage. Ihr Niveau ist gesetzlich bis einschließlich 2031 bei 48 Prozent festgeschrieben. Was das genau bedeutet, steht im Bereich Tiefer.
- Betrieblich: Bei der Entgeltumwandlung zahlst du einen Teil deines Bruttolohns in eine Betriebsrente ein. Spart dein Arbeitgeber dadurch Sozialabgaben, muss er bei Direktversicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds 15 Prozent des umgewandelten Betrags dazugeben.
- Privat: Ein breit gestreuter ETF Sparplan, den du selbst führst. Ab Januar 2027 gibt es zusätzlich das staatlich geförderte Altersvorsorgedepot, das die Riester Rente für neue Verträge ablöst.
Welcher Weg sich lohnt, hängt von Kosten, Förderung und deiner Lage ab. Zahl nichts in einen Vertrag ein, den du nicht verstehst, und lass dich nicht zu einem schnellen Abschluss drängen.
Was das Rentenniveau von 48 Prozent bedeutet
Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis einer Standardrente nach 45 Beitragsjahren mit Durchschnittsverdienst zum Durchschnittsverdienst aller Versicherten. Es sagt nicht, dass du 48 Prozent deines letzten Gehalts bekommst. Wer weniger Jahre oder unter dem Durchschnitt eingezahlt hat, liegt darunter. Der Bundestag hat das Rentenpaket mit der Haltelinie von 48 Prozent bis einschließlich 2031 im Dezember 2025 beschlossen. Ohne diese Regel hätte die Rentenversicherung bis 2031 mit etwa 47 Prozent gerechnet.
Das neue Altersvorsorgedepot ab 2027
Das Altersvorsorgereformgesetz hat der Bundesrat am 8. Mai 2026 verabschiedet. Neue Produkte gibt es ab Januar 2027. Nach Angaben der Verbraucherzentrale (Stand Juli 2026) gilt für neue Verträge:
- Grundzulage: 50 Prozent auf Einzahlungen bis 360 € im Jahr und 25 Prozent auf weitere Einzahlungen bis 1.440 €. Das sind höchstens 540 € Zulage im Jahr.
- Kinderzulage: 100 Prozent auf bis zu 300 € Beitrag pro Kind und Jahr.
- Einmalig 200 € Bonus für Sparer unter 25 Jahren. Der Mindestbeitrag liegt bei 120 € im Jahr.
- Für das Standarddepot sind die Effektivkosten auf höchstens 1,0 Prozent im Jahr begrenzt. Eine Garantie gibt es dort nicht. Andere Verträge dürfen eine Garantie bieten.
- Statt einer lebenslangen Rente ist ein Auszahlplan bis zum 85. oder 95. Lebensjahr möglich.
- Erträge werden in der Ansparphase nicht versteuert, die spätere Auszahlung aber schon.
- Bestehende Riester Verträge laufen weiter und können zu den bisherigen Bedingungen fortgeführt oder später in das neue System überführt werden.
Die Verbraucherzentrale rechnet zum Jahresende mit vielen Verkaufsgesprächen. Ihr Rat: nicht unter Druck abschließen, Provisionsangebote meiden, auf Klauseln achten, mit denen Anbieter Kosten später erhöhen dürfen, und im Zweifel das staatliche Standardprodukt abwarten und vergleichen. Ein ungefördertes ETF Depot kann manchmal die bessere Wahl sein, etwa weil du jederzeit an das Geld kommst.
Betriebsrente nüchtern prüfen
Der Pflichtzuschuss von 15 Prozent gilt nur für den Teil, für den dein Arbeitgeber tatsächlich Sozialabgaben spart, und nicht bei Pensionszusagen und Unterstützungskassen. Im Alter fallen auf die Betriebsrente in der Regel Steuern und Beiträge zur Krankenversicherung an, und die Vertragskosten zehren an der Rendite. Frag nach den Kosten, nach dem Zuschuss und danach, was beim Jobwechsel mit dem Vertrag passiert.
Was die Rechnung oben nicht kann
Die Beispielrechnung arbeitet mit heutigem Geld und einer gleichmäßigen Rendite. Echte Märkte schwanken, und schlechte Jahre kurz vor oder nach Rentenbeginn wiegen schwer. Darum lohnt es sich, ab etwa zehn Jahren vor der Rente schrittweise mehr in sichere Anlagen umzuschichten. Wie lange ein Vermögen bei regelmäßiger Entnahme reicht, zeigt der Entnahmeplan-Rechner.
Stand der Angaben
Rentenrecht ändert sich häufig, und manche Details des neuen Altersvorsorgedepots werden noch per Verordnung geregelt. Die Quellen wurden am 21. Oktober 2026 gelesen. Prüfe vor einer Entscheidung den aktuellen Stand. Die Seite gilt für Deutschland. Wer in einem anderen Land versichert ist, findet die Angaben bei der dortigen Rentenversicherung.
Zusammenfassung
- Die Renteninformation kommt ab 27 Jahren und fünf Beitragsjahren jedes Jahr und zeigt einen Bruttobetrag.
- Die Digitale Rentenübersicht zeigt gesetzliche, betriebliche und private Ansprüche an einem Ort.
- Deine Lücke ist das, was du im Alter ausgibst, minus das, was an Renten zusammenkommt.
- Ab 2027 löst das geförderte Altersvorsorgedepot die Riester Rente für neue Verträge ab.
- Je früher du anfängst, desto kleiner ist die Rate, die deine Lücke schließt.
Hast du es verstanden?
Ab wann bekomme ich eine Renteninformation?
Ab 27 Jahren, wenn du mindestens fünf Jahre Beiträge gezahlt hast. Sie kommt dann jedes Jahr automatisch, ab 55 alle drei Jahre als ausführlichere Rentenauskunft.
Heißt Rentenniveau 48 Prozent, dass ich 48 Prozent meines Gehalts bekomme?
Nein. Das Rentenniveau vergleicht eine Standardrente nach 45 Jahren mit Durchschnittsverdienst mit dem Durchschnittsverdienst. Deine eigene Rente hängt von deinen Beitragsjahren und deinem Verdienst ab.
Wie hoch ist die Förderung im neuen Altersvorsorgedepot?
Ab 2027 gibt es 50 Prozent Zulage auf Einzahlungen bis 360 € und 25 Prozent auf weitere bis 1.440 € im Jahr, zusammen höchstens 540 €. Dazu kommen bis zu 300 € Kinderzulage pro Kind.
Quellen und Weiterlesen
- Deutsche Rentenversicherung Baden-Württemberg, Was sagt die Renteninformation aus? (April 2025). Quelle ansehen ↗
- Deutsche Rentenversicherung, Digitale Rentenübersicht: Durchblick bei der Altersvorsorge (März 2026). Quelle ansehen ↗
- ZDFheute, Rentenpaket: Das kostet es, so entwickelt sich das Rentenniveau. Quelle ansehen ↗
- Deutsche Rentenversicherung, Bundesrat verabschiedet Reform der privaten Altersvorsorge (Mai 2026). Quelle ansehen ↗
- Verbraucherzentrale, Neues Altersvorsorgedepot: Rentenchance oder teure Verkaufsfalle? (Juli 2026). Quelle ansehen ↗
- Deutsche Rentenversicherung, Lexikon: Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Rechner finanzielle FreiheitRechner
- Entnahmeplan-RechnerRechner
- Ziel und ZeithorizontStufe 0
- Der SparplanStufe 2