Ziel und Zeithorizont
Zuerst kommt die Frage, wann du das Geld brauchst, dann die Frage, wie du es anlegst. Geld, das du in zwei Jahren brauchst, gehört nicht in Anlagen, die stark schwanken.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du für jedes Sparziel den Zeitraum bestimmen und daraus eine passende Anlageform ableiten.
Jeder Euro, den du zur Seite legst, hat einen Termin. Die Autoreparatur kommt vielleicht nächstes Jahr, die neue Küche in fünf, die Rente in dreißig. Für jeden dieser Termine passt etwas anderes.
Faustregel nach Zeithorizont
Eine grobe Faustregel:
- Geld für die nächsten drei Jahre bleibt sicher und schnell verfügbar.
- Geld für drei bis zehn Jahre darf gemischt angelegt sein.
- Geld, das du mehr als zehn Jahre nicht brauchst, kann Schwankungen aushalten.
Der Grund ist einfach. Kurse schwanken, und je kürzer die Zeit, desto größer die Gefahr, dass du das Geld genau in einem Tief brauchst. Tobias legt 20.000 € für die Anzahlung auf eine Wohnung in Aktien an, die er in zwei Jahren kaufen will. Fällt die Börse im zweiten Jahr um 30 Prozent, fehlen ihm 6.000 €, und die Wohnung wartet nicht.
Schreib deine Ziele auf, jeweils mit Betrag und Jahr. Diese Liste ist mehr wert als jeder Aktientipp, weil sie die Frage beantwortet, um die es eigentlich geht: wofür das Geld ist.
Warum Zeit so viel ausmacht, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Die erwartete Rendite wächst mit jedem Jahr gleichmäßig mit. Die Schwankung, gemessen als Standardabweichung, wächst dagegen nur mit der Wurzel der Zeit. Deshalb sinkt die Wahrscheinlichkeit, am Ende im Minus zu liegen, je länger du dabei bleibst, auch wenn die Spanne der möglichen Ergebnisse insgesamt größer wird.
Die Grenzen der Zeit
Das bedeutet nicht, dass Aktien mit der Zeit sicher werden. Es gab Zeiträume von zehn Jahren und mehr, in denen Anleger nach Abzug der Inflation im Minus lagen, zum Beispiel nach 1929 und nach 2000. Ein langer Zeitraum senkt vor allem die Gefahr, im Tief verkaufen zu müssen, und gibt dem Zinseszins Zeit zu wirken.
Töpfe nach Zeit
In der Praxis führt das zu Töpfen nach Zeit statt zu einem einzigen Portfolio. Jedes Ziel bekommt einen Betrag, einen Termin und eine passende Anlageform. Nebenbei beantwortet das auch die Frage nach deiner Aktienquote: Sie ergibt sich aus der Summe deiner Ziele mit langem Zeitraum, nicht aus einer allgemeinen Empfehlung.
Daten als Text
Bis 3 Jahre gilt: sicher und verfügbar. Von 3 bis 10 Jahren gilt: gemischt. Über 10 Jahre gilt: darf schwanken.
Zusammenfassung
- Erst der Termin, dann die Anlageform.
- Unter drei Jahren gehört Geld nicht in stark schwankende Anlagen.
- Ein langer Zeitraum macht Aktien nicht sicher, er senkt aber den Zwang zum Verkauf.
Hast du es verstanden?
Warum sinkt das Risiko eines Verlusts, je länger du anlegst?
Weil die erwartete Rendite gleichmäßig mit der Zeit wächst, die Schwankung aber nur mit der Wurzel der Zeit.
Sind Aktien nach zehn Jahren sicher?
Nein. Es gab Jahrzehnte mit Verlust nach Inflation. Ein langer Zeitraum senkt nur die Gefahr, im Tief verkaufen zu müssen.
Woraus ergibt sich deine Aktienquote?
Aus der Summe deiner Ziele mit langem Zeitraum, nicht aus einer allgemeinen Empfehlung.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreib drei Sparziele mit Betrag und Jahr auf und ordne jedem einen Zeitraum zu: unter drei Jahre, drei bis zehn Jahre oder über zehn Jahre. Rechne für ein Ziel von 12.000 € in 4 Jahren die Monatsrate ohne Zinsen aus. Prüf sie im Sparplanrechner.
Quellen und Weiterlesen
- Die frei zugänglichen historischen Marktdaten von Robert Shiller (Yale) reichen bis 1871 zurück und zeigen, dass es auch Jahrzehnte mit negativer realer Aktienrendite gab, etwa nach 1929. Quelle ansehen ↗