Ziel und Zeithorizont
Nicht die Anlage bestimmt den Zeitraum, sondern der Zeitraum die Anlage. Geld, das du in zwei Jahren brauchst, gehört nicht in schwankende Werte.
Jeder Euro, den du beiseitelegst, hat einen Termin. Die Autoreparatur kommt vielleicht nächstes Jahr, die Küche in fünf, die Rente in dreißig. Für jeden dieser Termine passt etwas anderes.
Faustregel: Geld für die nächsten drei Jahre bleibt sicher und verfügbar. Geld für drei bis zehn Jahre darf gemischt sein. Geld, das du über zehn Jahre nicht brauchst, kann Schwankungen aushalten.
Der Grund ist einfach. Kurse schwanken, und je kürzer der Zeitraum, desto größer die Gefahr, dass du genau in einem Tief brauchst, was du eingezahlt hast.
Schreib deine Ziele auf, mit Betrag und Jahr. Diese Liste ist wertvoller als jede Aktienempfehlung, denn sie beantwortet die einzige Frage, die wirklich zu dir gehört: wofür eigentlich.
Die Begründung liegt in der Verteilung der Renditen über die Zeit. Die erwartete Rendite wächst linear mit der Haltedauer, die Standardabweichung dagegen nur mit der Wurzel der Haltedauer. Dadurch sinkt die Wahrscheinlichkeit eines negativen Ergebnisses mit zunehmender Haltedauer, obwohl die absolute Spannbreite möglicher Endwerte gleichzeitig zunimmt.
Wichtig ist die richtige Lesart dieses Effekts. Er bedeutet nicht, dass Aktien mit der Zeit sicher werden. Historisch gab es Zeiträume von zehn Jahren und mehr mit negativem realen Ergebnis, etwa nach 1929 und nach 2000. Die Aussage lautet lediglich, dass ein langer Horizont die Wahrscheinlichkeit eines erzwungenen Verkaufs im Tief senkt und dem Zinseszins Zeit gibt zu wirken.
Praktisch führt das zur Zuordnung nach Zeittöpfen statt zu einem einzigen Portfolio. Jedes Ziel bekommt Betrag, Termin und eine dazu passende Anlageform. Dieses Vorgehen liefert nebenbei die Antwort auf die Frage, wie hoch die Aktienquote sein sollte: Sie ergibt sich aus der Summe der Ziele mit langem Horizont, nicht aus einer Empfehlung.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Erst der Termin, dann die Anlageform.
- Unter drei Jahren gehört Geld nicht in schwankende Werte.
- Ein langer Horizont macht Aktien nicht sicher, aber er senkt den Zwang zum Verkauf.
Hast du es verstanden?
Warum sinkt die Verlustwahrscheinlichkeit mit längerer Haltedauer?
Weil die erwartete Rendite linear mit der Zeit wächst, die Schwankung aber nur mit der Wurzel der Zeit.
Heißt das, Aktien werden nach zehn Jahren sicher?
Nein. Es gab historisch Jahrzehnte mit negativem realem Ergebnis. Der lange Horizont senkt nur den Zwang, im Tief zu verkaufen.
Woraus ergibt sich deine Aktienquote?
Aus der Summe deiner Ziele mit langem Zeithorizont, nicht aus einer allgemeinen Empfehlung.
Passt dazu
- Bevor du einen Euro anlegstStufe −1
- Wann Anlegen für dich noch keinen Sinn ergibtStufe −1
- ZinseszinsStufe 0