Der Crash von 1929
Nach Jahren steigender Kurse und immer mehr Käufen auf Kredit brach der amerikanische Aktienmarkt im Oktober 1929 ein. Bis zum Tiefpunkt 1932 verlor er rund neunzig Prozent.
In den zwanziger Jahren stiegen die Aktienkurse in den USA Jahr für Jahr kräftig. Der Dow Jones stand im September 1929 bei rund 380 Punkten, etwa sechsmal so hoch wie im August 1921 (rund 63 Punkte). Ein wachsender Teil der Käufe lief auf Kredit, oft mussten die Käufer nur zehn Prozent selbst bezahlen.
Im Oktober 1929 kippte die Stimmung. Weil so viele auf Kredit gekauft hatten, mussten sie bei fallenden Kursen Geld nachschießen oder verkaufen. Diese Zwangsverkäufe drückten die Kurse weiter.
Mit dem Oktober war es nicht vorbei. Bis zum Tiefpunkt im Juli 1932 fiel der Dow Jones auf rund 41 Punkte, ein Minus von fast neunzig Prozent. Erst im November 1954, also rund fünfundzwanzig Jahre später, stand er wieder so hoch wie 1929.
Diese Zahl ist unbequem, und sie gehört dazu. Wer behauptet, Aktien seien auf lange Sicht sicher, übersieht sie. Richtig ist: Breite Streuung und lange Zeiträume verbessern deine Chancen. Eine Garantie geben sie dir nicht.
Verstärkt wurde der Absturz durch die Käufe auf Kredit mit sehr wenig eigenem Geld. Wer nur zehn Prozent selbst bezahlt, muss schon bei einem kleinen Rückgang Geld nachschießen, und kann er das nicht, wird zwangsverkauft. Dasselbe beschreibt die Lektion Liquidation, nur hier für den ganzen Markt und mit entsprechend größerer Wucht.
Dass der Rückgang bis 1932 so lange dauerte und so tief ging, lag nach heutiger Forschung vor allem an dem, was danach kam: Die Notenbank hielt das Geld knapp, tausende Banken gingen pleite, weil es keine Einlagensicherung gab, und Zölle brachten den Handel zum Erliegen. Der Kurssturz war der Auslöser der großen Depression, aber nicht ihre einzige Ursache.
Wie lange die Erholung dauerte, hängt davon ab, wie man rechnet. Ohne Dividenden gerechnet waren es rund fünfundzwanzig Jahre. Rechnet man die Dividenden ein und berücksichtigt, dass die Preise in den dreißiger Jahren fielen (Deflation), war es deutlich kürzer, rund siebeneinhalb Jahre. Beide Angaben stimmen. Der Unterschied zeigt, wie stark die Art der Rechnung prägt, was wir über die Vergangenheit erzählen.
Zusammenfassung
- Die Käufe auf Kredit erzwangen die Verkäufe, die den Absturz vertieften.
- Der Rückgang bis 1932 betrug rund neunzig Prozent.
- Die Erholungsdauer hängt stark davon ab, ob man Dividenden und Inflation einrechnet.
Hast du es verstanden?
Welche Rolle spielte die Kreditfinanzierung?
Wer nur wenig eigenes Geld eingesetzt hatte, musste bei fallenden Kursen nachschießen oder zwangsverkaufen, und das verstärkte den Absturz.
War der Crash die alleinige Ursache der Depression?
Nein. Knappes Geld der Notenbank, Bankpleiten und Zölle haben wesentlich mitgewirkt.
Warum kursieren verschiedene Angaben zur Erholungsdauer?
Weil sie davon abhängen, ob man Dividenden und die fallenden Preise der dreißiger Jahre einrechnet.
Quellen und Weiterlesen
- Historische Kursreihen des US-Aktienmarkts sowie wirtschaftshistorische Standardliteratur zur Weltwirtschaftskrise.
- Federal Reserve History, Essay zum Börsencrash von 1929: Dow-Verlauf von 1921 bis 1954 und Käufe auf Kredit mit rund 10 Prozent Eigenanteil. Abgerufen am 09.10.2026. Quelle ansehen ↗
- Federal Reserve History, Essay zur Great Depression: Zusammenbruch des Bankensystems, Rückgang der Geldmenge und Rolle der Notenbank. Abgerufen am 09.10.2026. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Rückgänge und ErholungRealitäts-Check
- Bullenmarkt, Bärenmarkt, Crash, BlaseStufe 1
- Die Dotcom-Blase 2000Börsengeschichte