Rückgänge und Erholung
Rückgänge um zehn Prozent gibt es im Schnitt ungefähr einmal im Jahr, Rückgänge um mehr als vierzig Prozent mehrmals pro Jahrhundert. Bis zur Erholung dauerte es mal Monate, mal Jahrzehnte.
Wer anlegt, sollte drei Größenordnungen kennen. Kleine Rückgänge um etwa zehn Prozent kommen bei breiten Aktienmärkten im langjährigen Schnitt ungefähr einmal im Jahr vor. Sie sind kein besonderes Ereignis. Sie gehören zum Normalbetrieb.
Mittlere Rückgänge um zwanzig Prozent und mehr gibt es alle paar Jahre. Schwere Rückgänge um vierzig bis über achtzig Prozent gab es im letzten Jahrhundert mehrmals: von 1929 bis 1932, nach 2000 und von 2007 bis 2009.
Wie lange die Erholung dauert, ist sehr unterschiedlich. Nach dem Einbruch im Frühjahr 2020 waren es nur Monate. Nach 1929 dauerte es ohne Dividenden und ohne Inflation gerechnet rund fünfundzwanzig Jahre, bis der amerikanische Aktienmarkt wieder so hoch stand wie vorher.
Das Wichtigste dazu: Diese Zahlen sprechen nicht gegen Aktien. Sie erklären, warum Geld, das du bald brauchst, dort nichts zu suchen hat, und warum der Notgroschen vor dem Depot kommt.
Je tiefer ein Rückgang, desto seltener kommt er vor. Sehr große Einbrüche passieren aber deutlich öfter, als es eine Normalverteilung erwarten ließe. Wer aus der Vergangenheit ausrechnet, wie oft es richtig schlimm wird, unterschätzt deshalb meistens die Gefahr.
Wie lange eine Erholung gedauert hat, hängt stark davon ab, wie man rechnet. Ohne Dividenden und ohne Inflation kommen viel längere Zeiten heraus als mit beidem. Für die Zeit nach 1929 findet man deshalb Angaben zwischen etwa siebeneinhalb und fünfundzwanzig Jahren. Beide sind richtig gerechnet, sie messen nur Verschiedenes.
Für deine Planung zählt der ungünstige Fall, nicht der Durchschnitt. Wähle deinen Anlagehorizont so, dass dich auch eine Erholung, die so lange dauert wie die längsten der Vergangenheit, nicht zum Verkaufen zwingt. Daher kommt die Faustregel, Geld, das du in den nächsten drei Jahren brauchst, nicht in Anlagen zu stecken, die schwanken.
Daten als Text
Rückgänge von 10 Prozent kommen etwa jährlich vor, von 20 Prozent alle paar Jahre und von 40 Prozent mehrfach je Jahrhundert.
Zusammenfassung
- Zehn Prozent Rückgang ist Normalbetrieb und keine Ausnahme.
- Erholungsdauern reichten historisch von Monaten bis zu über zwei Jahrzehnten.
- Plane mit dem ungünstigen Fall, nicht mit dem Durchschnitt.
Hast du es verstanden?
Wie häufig treten Rückgänge um zehn Prozent auf?
Bei breiten Aktienmärkten im langjährigen Schnitt ungefähr einmal im Jahr.
Warum kursieren verschiedene Erholungsdauern für die Zeit nach 1929?
Weil sie davon abhängen, ob Dividenden und Inflation eingerechnet werden. Beide Angaben stimmen.
Woran sollte sich der Anlagehorizont orientieren?
Am ungünstigen Fall und nicht am Durchschnitt, damit du nie zum Verkaufen gezwungen bist.
Quellen und Weiterlesen
- Langfristige Kursreihen breiter Aktienindizes; die Angaben zur Erholungsdauer nach 1929 variieren je nach Berücksichtigung von Dividenden und Inflation.
Passt dazu
- Der Crash von 1929Börsengeschichte
- Was Rendite wirklich bedeutetStufe 1
- Aktive Fonds gegen den IndexRealitäts-Check