Die Dotcom-Blase 2000
Ende der neunziger Jahre stiegen die Kurse von Internetunternehmen dramatisch, oft ohne Gewinne und teils ohne Umsätze. Nach dem Höhepunkt im März 2000 verlor der technologielastige Index rund achtzig Prozent.
Das Internet war eine echte, große Veränderung. Genau deshalb funktionierte die Blase: Die zugrunde liegende Geschichte stimmte. Falsch war nur der Preis.
Weil viele Unternehmen keine Gewinne hatten, wurden neue Maßstäbe erfunden, etwa die Zahl der Seitenaufrufe. Wenn Kennzahlen erfunden werden, weil die üblichen kein gutes Bild ergeben, ist das ein verlässliches Warnzeichen.
Ab März 2000 fielen die Kurse. Der technologielastige Index verlor bis 2002 rund achtzig Prozent. Viele Firmen verschwanden ganz, andere überlebten und wurden später sehr wertvoll.
Die wichtigste Lehre: Eine richtige Geschichte schützt nicht vor einem falschen Preis. Das Internet hat die Welt verändert wie versprochen, und trotzdem haben Anleger sehr viel Geld verloren, weil sie zu viel dafür bezahlt hatten.
Kennzeichnend war die Verschiebung der Bewertungsgrundlage von Gewinnen zu Ersatzgrößen wie Nutzerzahlen, Reichweite oder Umsatzwachstum ohne Rentabilitätsperspektive. Diese Verschiebung ist kein Zufall, sondern eine notwendige Folge: Wo etablierte Maßstäbe eine Überbewertung anzeigen, entsteht Nachfrage nach neuen Maßstäben.
Verstärkend wirkte die Angebotsseite. Die Zahl der Börsengänge erreichte Rekordwerte, wobei ein erheblicher Teil der emittierten Unternehmen keine Gewinne auswies. Zugleich liefen Haltefristen für Altaktionäre nach einigen Monaten aus, was ab 2000 zusätzlichen Angebotsdruck erzeugte.
Der Fall ist zugleich das Standardbeispiel dafür, dass Technologieprognose und Anlageergebnis auseinanderfallen. Die technologische Entwicklung verlief weitgehend wie erwartet, während die Renditen der frühen Anleger negativ waren, weil der erwartete Nutzen bereits vollständig eingepreist war und sich zudem auf wenige spätere Gewinner konzentrierte.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Neu erfundene Kennzahlen sind ein zuverlässiges Warnzeichen.
- Eine richtige Zukunftsprognose schützt nicht vor einem falschen Preis.
- Der Nutzen einer Technologie verteilt sich auf wenige spätere Gewinner.
Hast du es verstanden?
Warum wurden neue Bewertungsmaßstäbe eingeführt?
Weil die etablierten eine Überbewertung anzeigten. Diese Verschiebung ist selbst ein Warnzeichen.
Welche Rolle spielten Haltefristen?
Ihr Ablauf brachte zusätzliche Aktien von Altaktionären auf den Markt und erhöhte den Angebotsdruck.
Was ist die zentrale Lehre?
Eine zutreffende Technologieprognose führt nicht automatisch zu einer guten Rendite.
Quellen und Weiterlesen
- Kursreihen des technologielastigen US-Index sowie Statistiken zu Börsengängen der Jahre 1995 bis 2002.
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