Die Dotcom-Blase 2000
Ende der neunziger Jahre stiegen die Kurse von Internetfirmen dramatisch, oft ohne Gewinne und manchmal sogar ohne Umsatz. Nach dem Höhepunkt im März 2000 verlor der technologielastige Nasdaq rund achtzig Prozent.
Das Internet war eine echte, große Veränderung. Genau deshalb funktionierte die Blase: Die Geschichte dahinter stimmte. Falsch war nur der Preis, den man dafür zahlte.
Weil viele Firmen keine Gewinne hatten, erfand man neue Maßstäbe, zum Beispiel die Zahl der Seitenaufrufe. Werden neue Kennzahlen erfunden, weil die üblichen kein gutes Bild ergeben, ist das ein verlässliches Warnzeichen.
Ab März 2000 fielen die Kurse. Der Nasdaq, ein Index voller Technologiewerte, fiel von über 5.000 Punkten bis Oktober 2002 auf rund 1.100. Viele Firmen verschwanden ganz, etwa der Tierbedarfshändler Pets.com, der nicht einmal ein Jahr an der Börse überlebte. Andere überlebten und wurden später sehr wertvoll. Die Aktie von Amazon fiel damals um über neunzig Prozent.
Die wichtigste Lehre: Eine richtige Geschichte schützt nicht vor einem falschen Preis. Das Internet hat die Welt so verändert, wie es versprochen wurde, und trotzdem haben Anleger sehr viel Geld verloren, weil sie viel zu viel dafür bezahlt hatten. Der Nasdaq brauchte bis 2015, um seinen alten Höchststand wieder zu erreichen.
Typisch war, dass man Firmen nicht mehr nach ihrem Gewinn bewertete. Stattdessen zählten Nutzerzahlen, Reichweite oder Umsatzwachstum, auch wenn nicht absehbar war, dass daraus je Gewinn wird. Das war kein Zufall. Wenn die alten Maßstäbe zeigen, dass etwas zu teuer ist, wächst der Wunsch nach neuen Maßstäben.
Dazu kam ein großes Angebot an neuen Aktien. So viele Firmen wie nie zuvor gingen an die Börse, und viele davon machten keinen Gewinn. Außerdem durften die ersten Besitzer ihre Aktien nach einigen Monaten Sperrfrist verkaufen. Ab 2000 kamen dadurch zusätzlich viele Aktien auf den Markt.
Der Fall ist das Paradebeispiel dafür, dass eine richtige Vorhersage über eine Technik und ein gutes Ergebnis als Anleger zwei verschiedene Dinge sind. Die Technik entwickelte sich weitgehend wie erwartet. Die frühen Anleger verloren trotzdem, weil der erwartete Nutzen längst im Preis steckte und sich am Ende auf wenige spätere Gewinner verteilte.
Zusammenfassung
- Neu erfundene Kennzahlen sind ein zuverlässiges Warnzeichen.
- Eine richtige Zukunftsprognose schützt nicht vor einem falschen Preis.
- Der Nutzen einer neuen Technik landet am Ende bei wenigen späteren Gewinnern.
Hast du es verstanden?
Warum wurden neue Bewertungsmaßstäbe eingeführt?
Weil die gewohnten Maßstäbe zeigten, dass die Aktien zu teuer waren. Dass man neue Maßstäbe braucht, ist selbst ein Warnzeichen.
Welche Rolle spielten Haltefristen?
Als die Sperrfristen abliefen, konnten die ersten Besitzer verkaufen, und zusätzliche Aktien kamen auf den Markt.
Was ist die zentrale Lehre?
Wer mit seiner Vorhersage über eine Technik recht hat, macht damit nicht automatisch eine gute Rendite.
Quellen und Weiterlesen
- Kursreihen des technologielastigen US-Index sowie Statistiken zu Börsengängen der Jahre 1995 bis 2002.
- Federal Reserve Bank of St. Louis (FRED), Tagesschlusskurse des Nasdaq Composite (Reihe NASDAQCOM): Höchststand 5.048,62 Punkte am 10.03.2000, Tiefstand 1.114,11 Punkte am 09.10.2002. Abgerufen am 09.10.2026. Quelle ansehen ↗
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