Fundamental- und technische Analyse
Die Fundamentalanalyse fragt, was etwas wert ist. Die technische Analyse fragt, was der Preis gerade macht. Beide beantworten verschiedene Fragen und taugen für verschiedene Zeiträume.
Fundamental heißt: Du schaust dir das Unternehmen an. Umsatz, Gewinn, Schulden, Wettbewerb. Daraus schätzt du, was es wert ist, und vergleichst mit dem Preis.
Technisch heißt: Du schaust dir nur den Kurs an. Was hat er zuletzt gemacht, wo gab es Wendepunkte, wie viel wurde gehandelt. Das Unternehmen selbst spielt keine Rolle.
Beide haben ihren Ort. Fundamental ist für lange Zeiträume brauchbar, weil sich der Preis dort am Zustand der Firma orientiert. Technisch zielt auf kurze Zeiträume, in denen Stimmung und Positionierung dominieren.
Was du unbedingt wissen solltest: Die technische Analyse ist umstritten, und viele ihrer Aussagen halten einer Überprüfung nicht stand. Sie ist keine Wissenschaft, sondern eine Sammlung von Beobachtungen unterschiedlicher Qualität. In dieser Stufe lernst du sie kennen und lernst gleichzeitig, wo ihre Grenzen liegen.
Die Fundamentalanalyse leitet einen inneren Wert aus erwarteten Zahlungsströmen ab und vergleicht ihn mit dem Marktpreis. Ihre Schwäche liegt in der Empfindlichkeit gegenüber den Annahmen: Kleine Änderungen bei Wachstumsrate und Diskontsatz führen zu großen Bewertungsunterschieden, weshalb der berechnete Wert eher eine Bandbreite als eine Zahl ist.
Die technische Analyse unterstellt, dass sich Informationen und Erwartungen im Preis- und Volumenverlauf niederschlagen und dass sich Muster wiederholen. Diese Annahme steht in Spannung zur Informationseffizienz in ihrer schwachen Form, nach der aus historischen Kursen keine Überrenditen erzielbar sind. Empirisch finden Untersuchungen für einzelne Ansätze, insbesondere Momentum, statistisch belastbare Effekte, für den Großteil der klassischen Chartmuster dagegen kaum.
Für Privatanleger ist die praktisch bedeutsamste Unterscheidung nicht die zwischen beiden Schulen, sondern die zwischen prüfbaren und nicht prüfbaren Aussagen. Eine Regel, die sich eindeutig formulieren und an historischen Daten testen lässt, kann bewertet werden. Eine Aussage, die erst im Nachhinein eindeutig wird, kann es nicht, und genau diese Eigenschaft haben viele Chartmuster.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Fundamental fragt nach dem Wert, technisch nach dem Preisverlauf.
- Fundamental wirkt langfristig, technisch zielt auf kurze Zeiträume.
- Prüfbare Regeln lassen sich bewerten, im Nachhinein erkennbare Muster nicht.
Hast du es verstanden?
Worin liegt die Hauptschwäche der Fundamentalanalyse?
In der Empfindlichkeit gegenüber Annahmen zu Wachstum und Diskontsatz. Das Ergebnis ist eine Bandbreite, keine Zahl.
Welcher technische Ansatz hält empirischer Prüfung am ehesten stand?
Momentum. Für den Großteil der klassischen Chartmuster ist die Befundlage schwach.
Welche Unterscheidung ist praktisch am wichtigsten?
Zwischen prüfbaren Regeln und Aussagen, die erst im Nachhinein eindeutig werden.
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