Fundamental- und technische Analyse
Die Fundamentalanalyse fragt, was etwas wert ist. Die technische Analyse fragt, was der Kurs gerade macht. Beide beantworten verschiedene Fragen und passen zu verschiedenen Zeiträumen.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du fundamentale und technische Analyse unterscheiden und einschätzen, wofür sich welche eignet.
Fundamental heißt: Du schaust dir die Firma an. Umsatz, Gewinn, Schulden, Konkurrenz. Daraus schätzt du, was sie wert ist, und vergleichst das mit dem Preis an der Börse.
Technisch heißt: Du schaust dir nur den Kurs an. Was hat er zuletzt gemacht, wo hat er gedreht, wie viel wurde gehandelt. Die Firma selbst spielt dabei keine Rolle.
Wo beide ihren Platz haben
Beide haben ihren Platz. Fundamental hilft bei langen Zeiträumen, weil sich der Preis auf Dauer daran orientiert, wie es der Firma geht. Technisch zielt auf kurze Zeiträume, in denen Stimmung und Stimmungswechsel den Ton angeben.
Kritik an der technischen Analyse
Eines solltest du wissen: Die technische Analyse ist umstritten, und viele ihrer Aussagen halten einer Überprüfung nicht stand. Sie ist eine Sammlung von Beobachtungen, manche gut, manche schwach. In dieser Stufe lernst du sie kennen und gleichzeitig, wo ihre Grenzen liegen.
Die Fundamentalanalyse leitet aus den erwarteten künftigen Gewinnen einen Wert ab und vergleicht ihn mit dem Börsenkurs. Ihre Schwäche: Schon kleine Änderungen bei den Annahmen verändern das Ergebnis stark. Rechnet Sophie mit 6 statt 5 Prozent Wachstum, kommt schnell ein Drittel mehr heraus. Der berechnete Wert ist deshalb eher eine Spanne als eine genaue Zahl.
Annahmen der technischen Analyse
Die technische Analyse geht davon aus, dass sich alles Wissen und alle Erwartungen im Kursverlauf zeigen und dass sich Muster wiederholen. Das beißt sich mit der Theorie effizienter Märkte, nach der man aus alten Kursen allein keine Überrendite erzielen kann. Studien finden für einzelne Ansätze echte Effekte, vor allem für Momentum. Für die meisten klassischen Chartmuster finden sie kaum etwas.
Prüfbare Aussagen
Für dich als Privatanleger ist ein anderer Unterschied wichtiger als der zwischen den beiden Schulen: der zwischen prüfbaren und nicht prüfbaren Aussagen. Eine Regel, die sich eindeutig aufschreiben und an alten Daten testen lässt, kann man beurteilen. Eine Aussage, die erst hinterher eindeutig wird, kann man nicht beurteilen. Genau diese Eigenschaft haben viele Chartmuster.
Zusammenfassung
- Fundamental fragt nach dem Wert, technisch nach dem Kursverlauf.
- Fundamental hilft auf lange Sicht, technisch zielt auf kurze Zeiträume.
- Prüfbare Regeln kann man beurteilen, Muster, die erst hinterher eindeutig sind, nicht.
Hast du es verstanden?
Was ist die größte Schwäche der Fundamentalanalyse?
Dass schon kleine Änderungen bei den Annahmen das Ergebnis stark verändern. Heraus kommt eine Spanne, keine genaue Zahl.
Welcher technische Ansatz hält Überprüfungen am ehesten stand?
Momentum. Für die meisten klassischen Chartmuster sind die Belege schwach.
Welche Unterscheidung ist für dich am wichtigsten?
Die zwischen prüfbaren Regeln und Aussagen, die erst hinterher eindeutig werden.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreibe zwei Fragen auf, die jemand mit fundamentaler Analyse stellt, und zwei, die jemand mit technischer Analyse stellt. Ordne dann deinen eigenen Anlagehorizont, zum Beispiel zwanzig Jahre oder drei Wochen, einem der beiden Ansätze zu und begründe es in einem Satz.
Quellen und Weiterlesen
- Die Studie von Lo, Mamaysky und Wang (2000) findet für einzelne technische Ansätze statistisch messbare Effekte gegenüber einer rein zufälligen Kursentwicklung, während die Befundlage für die meisten klassischen Chartmuster insgesamt schwach bleibt. Quelle ansehen ↗