Investieren und Trading sind zwei verschiedene Dinge
Investieren heißt, an einem Wert teilzuhaben und zu warten. Trading heißt, aus Preisbewegungen Gewinn zu ziehen. Das eine ist ein Nebenbei, das andere ein Beruf.
Ein Investor kauft einen Anteil an etwas, das Erträge erwirtschaftet, und lässt ihn liegen. Sein Gewinn kommt daraus, dass Firmen über Jahre Geld verdienen. Sein Aufwand liegt bei wenigen Stunden im Jahr.
Ein Trader kauft und verkauft, um von Preisänderungen zu profitieren. Sein Gewinn kommt daraus, dass er richtiger liegt als der Rest des Marktes. Sein Aufwand ist ein Vollzeitjob, sein Gegner sind Profis mit besseren Daten und schnelleren Rechnern.
Beides ist legitim. Was nicht funktioniert, ist die Vermischung: kaufen als Investor und dann bei jeder Nachricht wie ein Trader reagieren. Das ist der häufigste teure Fehler überhaupt.
Die ehrliche Frage lautet deshalb nicht, welches besser ist, sondern wie viel Zeit du hast. Wer nebenbei zehn Minuten im Monat aufbringen kann, ist Investor. Alles andere ist Selbsttäuschung.
Die Quellen der Rendite unterscheiden sich strukturell. Der Investor vereinnahmt eine Risikoprämie, die dafür bezahlt wird, dass er Schwankungen und Verlustrisiko trägt. Diese Prämie ist positiv summiert: Alle langfristigen Halter können gleichzeitig gewinnen, weil die zugrunde liegenden Unternehmen tatsächlich Werte schaffen.
Kurzfristiges Trading ist dagegen vor Kosten ein Nullsummenspiel und nach Kosten ein Negativsummenspiel. Jedem Gewinn steht ein Verlust einer Gegenpartei gegenüber, zuzüglich Spread, Gebühren und Steuern. Das bedeutet nicht, dass niemand gewinnen kann, wohl aber, dass die Gewinne einer Minderheit aus den Verlusten der Mehrheit stammen müssen.
Daraus folgt die Frage nach dem eigenen Vorteil. Wer kurzfristig handelt, behauptet implizit, über Information, Modelle oder Ausführungsgeschwindigkeit zu verfügen, die andere Marktteilnehmer nicht haben. Lässt sich dieser Vorteil nicht benennen, ist er in aller Regel nicht vorhanden, und die erwartete Rendite entspricht der Marktrendite abzüglich der eigenen Handelskosten.
| Investieren | Trading | |
|---|---|---|
| Ertragsquelle | Risikoprämie und Wertschöpfung | richtiger liegen als die Gegenseite |
| Summenspiel | alle können gewinnen | nach Kosten negativ |
| Zeitaufwand | wenige Stunden im Jahr | Vollzeit |
| Gegenseite | spielt keine Rolle | meist Institutionen und Algorithmen |
| Kosten | gering, weil selten gehandelt | hoch, weil oft gehandelt |
| Nötiger Vorteil | Geduld | ein benennbarer Informationsvorsprung |
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Investieren nutzt eine Prämie, von der alle Langfristanleger profitieren können.
- Trading ist nach Kosten ein Negativsummenspiel.
- Wer seinen Vorteil nicht benennen kann, hat keinen.
Hast du es verstanden?
Woher stammt die Rendite eines langfristigen Investors?
Aus der Risikoprämie und der tatsächlichen Wertschöpfung der Unternehmen. Alle Langfristanleger können gleichzeitig gewinnen.
Warum ist kurzfristiges Trading nach Kosten ein Negativsummenspiel?
Weil jedem Gewinn ein Verlust gegenübersteht und zusätzlich Spread, Gebühren und Steuern abgehen.
Welche Frage sollte man sich vor jedem Trade stellen?
Worin genau mein Vorteil gegenüber der Gegenpartei besteht.
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