Investieren und Trading sind zwei verschiedene Dinge
Investieren heißt, dich an etwas zu beteiligen, das Werte schafft, und dann zu warten. Trading heißt, mit Kursbewegungen Geld verdienen zu wollen. Das eine läuft nebenher, das andere ist ein Beruf.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du Investieren und Trading klar unterscheiden und einschätzen, was zu dir passt.
Eine Investorin kauft Anteile an Firmen, die Geld verdienen, und lässt sie liegen. Ihr Gewinn entsteht, weil diese Firmen über Jahre Gewinne machen. Ihr Aufwand sind ein paar Stunden im Jahr.
Was ein Trader tut
Ein Trader kauft und verkauft, um an Kursänderungen zu verdienen. Sein Gewinn entsteht nur, wenn er öfter richtig liegt als der Rest des Marktes. Das ist ein Vollzeitjob, und auf der anderen Seite sitzen Profis mit besseren Daten und schnelleren Rechnern.
Das Problem der Mischung
Beides ist erlaubt. Was schiefgeht, ist die Mischung. Svenja kauft einen ETF für zwanzig Jahre, schaut dann jeden Tag in die App und verkauft beim ersten Rückgang von 15 Prozent aus Angst. Damit hat sie wie eine Investorin gekauft und wie eine Traderin verkauft. Das ist einer der häufigsten und teuersten Fehler überhaupt.
Die Frage nach der Zeit
Die ehrliche Frage lautet deshalb: Wie viel Zeit hast du? Kannst du nebenbei zehn Minuten im Monat aufbringen, bist du Investor. Wer sich etwas anderes einredet, zahlt am Ende meistens drauf.
Die Rendite kommt aus unterschiedlichen Quellen. Die Investorin bekommt eine Risikoprämie dafür, dass sie Schwankungen und Verlustrisiko aushält. Davon können alle langfristigen Anleger gleichzeitig profitieren, weil die Firmen dahinter tatsächlich Werte schaffen. Wenn Firmen Gewinne machen, wird der Kuchen für alle größer.
Trading als Nullsummenspiel
Kurzfristiges Trading ist dagegen vor Kosten ein Nullsummenspiel. Was der eine gewinnt, verliert ein anderer. Nach Spread, Gebühren und Steuern verlieren alle zusammen sogar. Gewinnen kann trotzdem jemand, aber nur eine Minderheit, und ihr Gewinn stammt aus den Verlusten der Mehrheit.
Der behauptete Vorteil
Wer kurzfristig handelt, behauptet damit, etwas zu haben, was die anderen nicht haben: bessere Informationen, bessere Modelle oder schnellere Ausführung. Frag dich vor jedem Trade, was genau dein Vorteil ist. Kannst du ihn nicht benennen, hast du wahrscheinlich keinen. Dann ist das Beste, was du erwarten kannst, die Marktrendite minus deine Handelskosten, und die bekommst du mit einem ETF billiger.
| Investieren | Trading | |
|---|---|---|
| Ertragsquelle | Risikoprämie und Wertschöpfung | richtiger liegen als die Gegenseite |
| Summenspiel | alle können gewinnen | nach Kosten negativ |
| Zeitaufwand | wenige Stunden im Jahr | Vollzeit |
| Gegenseite | spielt keine Rolle | meist Institutionen und Algorithmen |
| Kosten | gering, weil selten gehandelt | hoch, weil oft gehandelt |
| Nötiger Vorteil | Geduld | ein benennbarer Informationsvorsprung |
Zusammenfassung
- Beim Investieren können alle langfristigen Anleger gleichzeitig gewinnen.
- Trading ist nach Kosten ein Spiel, bei dem alle zusammen verlieren.
- Wer seinen Vorteil nicht benennen kann, hat keinen.
Hast du es verstanden?
Woher kommt die Rendite einer langfristigen Investorin?
Aus der Risikoprämie und daraus, dass die Firmen tatsächlich Werte schaffen. Alle Langfristanleger können gleichzeitig gewinnen.
Warum verlieren Trader nach Kosten zusammen Geld?
Weil jedem Gewinn ein Verlust gegenübersteht und zusätzlich Spread, Gebühren und Steuern abgehen.
Welche Frage solltest du dir vor jedem Trade stellen?
Worin genau dein Vorteil gegenüber der Gegenseite besteht.
Was andere dazu oft fragen
Kann man vom Trading leben?
Rechne es durch: Wer 30.000 € im Jahr zum Leben braucht und jedes Jahr sehr gute 20 Prozent erzielt, benötigt 150.000 € Kapital. Die meisten Privatanleger, die aktiv handeln, verdienen nach Kosten aber gar nichts.
Wie viel Prozent der Trader verlieren Geld?
Je nach Studie und Markt die große Mehrheit. Bei CFDs nennen die Anbieter selbst Verlustquoten von meist über 70 Prozent. Mehr dazu in den Realitäts-Checks.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Du handelst 30 Mal im Monat, und jeder Trade kostet dich 4 € an Gebühren und Spread. Rechne die Jahreskosten aus und setze sie ins Verhältnis zu einem Konto von 10.000 €. Schau im Rechner für die Gewinnschwelle nach, wie weit sich ein Kurs bewegen muss, damit ein Trade seine Kosten einspielt, und schreibe auf, welchen Vorteil du hättest, der das rechtfertigt.
Quellen und Weiterlesen
- Barber und Odean (2000) zeigen im Journal of Finance anhand von über 66.000 Haushalten, dass die am aktivsten handelnden Privatanleger deutlich schlechter abschneiden als der Marktdurchschnitt. Quelle ansehen ↗
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