Eine Bilanz lesen
Die Bilanz zeigt, was ein Unternehmen besitzt und wie es finanziert ist. Vier Posten reichen für einen ersten Eindruck: Vermögen, Schulden, Eigenkapital und liquide Mittel.
Eine Bilanz hat zwei Seiten, die immer gleich groß sind. Links steht, was die Firma besitzt. Rechts steht, wem das gehört: teils Gläubigern als Schulden, teils den Eigentümern als Eigenkapital.
Für einen ersten Eindruck reichen vier Zahlen. Wie hoch ist das Eigenkapital im Verhältnis zum Gesamtvermögen? Wie viel Bargeld ist da? Wie hoch sind die Schulden? Und wie viel davon wird im nächsten Jahr fällig?
Eine hohe Eigenkapitalquote bedeutet, dass die Firma einen schlechten Zeitraum überstehen kann, ohne von Kreditgebern abhängig zu sein. Eine niedrige bedeutet das Gegenteil, was in guten Zeiten die Rendite erhöht und in schlechten gefährlich wird.
Zwei Dinge stehen nicht in der Bilanz und sind trotzdem wichtig: der Gewinn, der steht in der Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Und der tatsächliche Geldfluss, der steht in der Kapitalflussrechnung. Erst zusammen ergeben die drei ein Bild.
Die Bilanzgleichung lautet Vermögen gleich Schulden plus Eigenkapital. Für die Beurteilung der Widerstandsfähigkeit sind neben der Eigenkapitalquote die Fristigkeiten maßgeblich: Kurzfristige Verbindlichkeiten sind mit kurzfristig verfügbarem Vermögen zu vergleichen, was in Kennzahlen wie dem Liquiditätsgrad ausgedrückt wird.
Die Verschuldungskennzahl aus Nettoverschuldung zu operativem Ergebnis vor Abschreibungen gibt an, wie viele Jahre operativer Ertrag zur Tilgung nötig wären. Sie ist branchenabhängig zu beurteilen: Kapitalintensive Geschäfte mit stabilen Erträgen tragen höhere Werte als zyklische Geschäfte mit schwankenden Erträgen.
Wesentlich ist die Unterscheidung zwischen Ergebnis und Zahlungsfluss. Das ausgewiesene Ergebnis enthält periodenfremde und nicht zahlungswirksame Bestandteile und unterliegt Bewertungsspielräumen. Der operative Zahlungsfluss ist weniger gestaltbar. Eine dauerhafte Abweichung zwischen beiden, insbesondere ein Ergebnis deutlich über dem operativen Zahlungsfluss, ist ein etabliertes Warnzeichen und war bei mehreren bekannten Bilanzskandalen frühzeitig erkennbar.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Eigenkapitalquote zeigt, wie gut eine Firma schlechte Zeiten übersteht.
- Fristigkeiten sind wichtiger als die reine Höhe der Schulden.
- Ergebnis deutlich über dem operativen Zahlungsfluss ist ein Warnzeichen.
Hast du es verstanden?
Wie lautet die Bilanzgleichung?
Vermögen gleich Schulden plus Eigenkapital. Beide Seiten sind immer gleich groß.
Warum reicht die Höhe der Schulden allein nicht?
Weil die Fristigkeit entscheidet. Kurzfristig Fälliges muss kurzfristig verfügbarem Vermögen gegenüberstehen.
Was ist ein etabliertes Warnzeichen in den Zahlen?
Ein ausgewiesenes Ergebnis, das dauerhaft deutlich über dem operativen Zahlungsfluss liegt.