Dein schriftlicher Plan
Der Abschluss des Lehrgangs ist kein Wissen, sondern ein Dokument: dein eigener Plan, der festhält, was du tust, wovon du die Finger lässt und woran du dich in schlechten Phasen hältst.
Alles, was du in den fünf Stufen gelesen hast, nützt wenig, solange es im Kopf bleibt. Im Kopf verändert es sich, sobald die Kurse fallen. Auf Papier nicht.
Dein Plan braucht sieben Punkte. Erstens dein Ziel mit Betrag und Jahr. Zweitens deine Aufteilung zwischen sicher und riskant. Drittens deine monatliche Sparrate. Viertens deine Regeln fürs Rebalancing.
Fünftens, was du ausdrücklich nicht machst. Sechstens dein Satz für den Krisenfall, den du liest, wenn alles fällt. Und siebtens der Termin, an dem du den Plan überprüfst, üblicherweise einmal im Jahr.
Der sechste Punkt ist der wichtigste. Schreib jetzt, in Ruhe, was dein zukünftiges Ich in der Panik lesen soll. Das ist das einzige Mittel, das in diesem Moment tatsächlich wirkt, denn dein zukünftiges Ich wird dir nicht zuhören, aber es wird lesen, was du geschrieben hast.
Ein schriftlicher Plan wirkt als Bindungsmechanismus. Sein Nutzen entsteht nicht aus der Optimalität der Regeln, sondern aus der Verlagerung der Entscheidung in einen Zustand ohne emotionale Belastung. Da die dokumentierte Renditelücke zwischen Fonds und Fondsanlegern weitgehend aus Abweichungen in Belastungssituationen stammt, ist die quantitative Wirkung mit der einer Kostenoptimierung vergleichbar.
Sinnvolle Bestandteile sind Zielgrößen mit Zeitbezug, die strategische Aufteilung mit zulässigen Bandbreiten, Regeln für Zuflüsse und Rebalancing, eine ausdrückliche Ausschlussliste, Abbruchkriterien für aktive Strategien sowie ein festgelegter Überprüfungstermin. Die Ausschlussliste verdient besondere Aufmerksamkeit, da Verzichtsentscheidungen im Vorhinein leichter fallen als in der Situation.
Für die Überprüfung ist zwischen Plananpassung und Reaktion zu unterscheiden. Anpassungen sind bei Veränderungen der Lebensumstände, des Zeithorizonts oder der Tragfähigkeit sachgerecht. Eine Anpassung, die durch die jüngste Marktentwicklung ausgelöst wird, ist dagegen genau jene prozyklische Reaktion, die der Plan verhindern soll. Diese Unterscheidung schriftlich festzuhalten erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie im Ernstfall auch getroffen wird.
Zusammenfassung
- Was im Kopf bleibt, ändert sich, wenn die Kurse fallen.
- Die Ausschlussliste ist so wichtig wie die Liste dessen, was du tust.
- Anpassung wegen Lebensumständen ja, wegen Marktentwicklung nein.
Hast du es verstanden?
Warum wirkt ein schriftlicher Plan?
Weil er die Entscheidung in einen Zustand ohne emotionale Belastung verlagert.
Was gehört neben deinen Regeln unbedingt hinein?
Eine ausdrückliche Liste dessen, was du nicht machst, und ein Satz für den Krisenfall.
Wann ist eine Plananpassung sachgerecht?
Bei veränderten Lebensumständen oder Zeithorizonten, nicht als Reaktion auf die jüngste Marktentwicklung.
Passt dazu
- PortfoliotheorieStufe 4
- RebalancingStufe 4
- OverfittingStufe 4