Impermanent Loss und Smart-Contract-Risiko
Wer einen Liquidity Pool mit Coins versorgt, hat am Ende weniger von dem, was gestiegen ist. Der Rückstand gegenüber einfachem Halten wächst, je weiter die Kurse auseinanderlaufen, und er ist meistens nicht vorübergehend.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum ein Liquidity Pool gegenüber einfachem Halten zu einem dauerhaften Verlust führen kann.
In einem Liquidity Pool hinterlegst du zwei Coins im gleichen Wert, damit andere zwischen ihnen tauschen können. Dafür bekommst du einen Teil der Tauschgebühren.
Wie der Verlust entsteht
Der Haken: Steigt einer der beiden Coins stark, tauschen die Leute den anderen gegen ihn ein. Am Ende hast du mehr von dem, der gefallen oder gleich geblieben ist, und weniger von dem, der gestiegen ist. Verglichen mit einfachem Halten hast du verloren. Ein Beispiel: Emil legt ETH und Dollar im Wert von je 1.000 € in einen Pool. Verdoppelt sich ETH, hätte er beim einfachen Halten 3.000 €. Im Pool hat er ungefähr 2.830 €, also rund 170 € weniger, vor den Gebühren, die er eingenommen hat.
Warum der Name irreführt
Der Name führt in die Irre. Vorübergehend ist der Verlust nur, wenn die Kurse wieder zum alten Verhältnis zurückkehren. Tun sie das nicht, und meistens tun sie es nicht, bleibt er.
Wann es sich lohnt
Lohnen kann sich das nur, wenn die Gebühren diesen Verlust übersteigen. Bei zwei Coins, die sich sehr ähnlich bewegen, etwa zwei Stablecoins, kann das aufgehen. Bei stark schwankenden Paaren geht es oft nicht auf, und gerade die werden am lautesten beworben.
Die meisten Pools funktionieren nach der Regel, dass das Produkt der beiden Mengen gleich bleibt. Ändert sich der Preis, verschieben sich die Mengen deshalb automatisch. Den Rückstand gegenüber einfachem Halten berechnest du so: zwei mal die Wurzel aus der Preisänderung, geteilt durch (eins plus Preisänderung), minus eins. Verdoppelt sich ein Coin, liegt der Rückstand bei etwa 5,7 Prozent. Vervierfacht er sich, bei etwa 20 Prozent. Dasselbe gilt, wenn er stark fällt.
Gebühren gegen Rückstand
Dein Ertrag ist also die Differenz aus Gebühren und diesem Rückstand. Wirtschaftlich entspricht das dem Verkauf von Volatilität. Du verdienst in ruhigen Phasen und verlierst bei großen Bewegungen. Das ähnelt dem Verkauf von Optionen, und das Muster ist dasselbe: viele kleine Gewinne und seltene große Verluste.
Smart-Contract-Risiken
Dazu kommt das Risiko der Smart Contracts, das nichts mit dem Markt zu tun hat. Dazu gehören Fehler im Code, manipulierbare Preisquellen und Rechte, die Verträge nachträglich zu ändern. Anders als Marktrisiken kannst du dieses Risiko nicht wegstreuen, indem du mehrere Pools auf derselben Plattform nutzt. Es hilft nur, verschiedene unabhängige Plattformen zu nutzen und insgesamt nur einen kleinen Teil deines Geldes einzusetzen.
Zusammenfassung
- Der Rückstand gegenüber Halten bleibt, wenn die Kurse nicht zurückkehren.
- Einen Pool zu versorgen ist wirtschaftlich der Verkauf von Volatilität.
- Das Risiko der Smart Contracts lässt sich nicht wegstreuen, nur begrenzen.
Hast du es verstanden?
Warum führt der Name Impermanent Loss in die Irre?
Weil der Verlust nur vorübergehend ist, wenn die Kurse zum alten Verhältnis zurückkehren, und das tun sie meistens nicht.
Welchem Geschäft entspricht es, einen Pool zu versorgen?
Dem Verkauf von Volatilität: viele kleine Gewinne und seltene große Verluste.
Wie gehst du mit dem Risiko der Smart Contracts um?
Indem du verschiedene unabhängige Plattformen nutzt und nur einen kleinen Teil deines Geldes einsetzt.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Ein Coin in deinem Pool steigt gegenüber dem anderen auf das Neunfache. Rechne mit der Formel aus der Lektion aus, wie groß dein Rückstand gegenüber einfachem Halten ist: zwei mal die Wurzel aus der Preisänderung, geteilt durch eins plus die Preisänderung, minus eins. Notiere dann, wie viele Prozent des Einsatzes der Pool in dieser Zeit mindestens an Gebühren einnehmen müsste, damit sich der Pool gegenüber Halten lohnt.
Quellen und Weiterlesen
- Das offizielle Uniswap-v2-Whitepaper beschreibt die Mechanik der Constant-Product-Formel und führt darin den Begriff des Impermanent Loss als Folge divergierender Kurse ein. Quelle ansehen ↗
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