Portfoliotheorie
Ein Depot wird durch das Zusammenspiel seiner Teile gut, und nicht dadurch, dass jeder Teil für sich der beste ist. Es kommt darauf an, wie viel Rendite du für jede Einheit Risiko bekommst.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du erklären, warum ein gutes Depot mehr ist als die Summe seiner besten Einzelteile.
Ein zentraler Gedanke klingt unscheinbar und hat große Folgen. Zwei Anlagen, die jede für sich stark schwanken, können zusammen ein ruhigeres Portfolio ergeben, wenn sie nicht gleichzeitig fallen.
Anlagen im Zusammenhang beurteilen
Daraus folgt, dass du eine Anlage nie allein beurteilen solltest. Die Frage ist weniger, ob sie gut ist, als was sie zu dem beiträgt, was du schon hast. Eine Aktie mehr aus einer Branche, die du schon dreimal besitzt, bringt dir wenig. Etwas, das sich ganz anders bewegt, kann viel bringen, selbst wenn es für sich allein weniger verspricht.
Die beste Mischung
Der zweite Gedanke: Für jedes Risiko, das du tragen willst, gibt es eine bestmögliche Mischung. Alles darunter ist Verschwendung, weil du dasselbe Risiko trägst und weniger dafür bekommst.
Was das praktisch heißt
Rechnen musst du dafür nichts. Ein breiter ETF auf Aktien der ganzen Welt und dazu sichere Anlagen im Verhältnis, das zu dir passt, bilden den Kern dessen ab, was die Theorie empfiehlt.
Wie stark ein Depot schwankt, hängt nicht nur davon ab, wie stark die einzelnen Teile schwanken. Es hängt auch davon ab, wie sie sich zueinander bewegen, also von ihrer Korrelation. Je niedriger die, desto stärker beruhigen sich die Teile gegenseitig. Solange die Korrelation unter eins liegt, schwankt das Ganze immer weniger als der gewichtete Durchschnitt seiner Teile.
Markowitz und die Mischung
Harry Markowitz hat 1952 gezeigt, dass es für jedes Risikoniveau eine Mischung mit der höchsten erwarteten Rendite gibt. Alle diese Mischungen zusammen bilden die sogenannte Effizienzlinie. Nimmt man eine sichere Anlage dazu, lässt sich jede sinnvolle Mischung aus zwei Bausteinen bauen: der sicheren Anlage und einem einzigen breit gestreuten Aktienkorb. Deshalb ist die Aufteilung zwischen Aktienquote und sicherem Anteil wichtiger als die Frage, welche Aktien du genau hältst.
Grenzen in der Praxis
In der Praxis scheitert die Theorie oft an den Schätzungen. Die erwartete Rendite lässt sich aus alten Daten nur sehr ungenau schätzen, und Rechenverfahren zur Optimierung reagieren darauf extrem empfindlich. Heraus kommen dann seltsame Gewichte wie 60 Prozent in einer einzigen Aktie, die sich bei neuen Daten völlig ändern. Deshalb schneiden einfache Regeln, etwa alles gleich gewichten oder nach Börsenwert gewichten wie ein ETF, in Vergleichen oft genauso gut oder besser ab als die ausgerechnete Optimierung.
Zusammenfassung
- Beurteile eine Anlage nach ihrem Beitrag zum Ganzen, nicht für sich allein.
- Die Aufteilung zwischen riskant und sicher zählt mehr als die Auswahl einzelner Aktien.
- Ausgerechnete Optimierung scheitert oft an Schätzfehlern, einfache Regeln reichen.
Hast du es verstanden?
Wann macht eine zusätzliche Anlage dein Depot ruhiger?
Sobald ihre Korrelation zu den übrigen Positionen unter eins liegt.
Aus welchen zwei Bausteinen lässt sich jede sinnvolle Mischung bauen?
Aus einer sicheren Anlage und einem einzigen breit gestreuten Aktienkorb.
Warum schlagen einfache Regeln oft die ausgerechnete Optimierung?
Weil die Optimierung sehr empfindlich auf Fehler bei der geschätzten Rendite reagiert.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Schreibe die drei größten Teile deines Depots oder Wunschdepots auf. Notiere für jeden, ob er eher mit den anderen fällt oder sich anders bewegt, und was er zum Gesamtbild beiträgt. Trage die Positionen dann in das Portfolio Röntgenbild ein und prüfe, ob zwei Teile in derselben Anlageklasse stecken.
Quellen und Weiterlesen
- Harry Markowitz begründete 1952 im Journal of Finance mit seinem Aufsatz „Portfolio Selection“ die moderne Portfoliotheorie und zeigte formal, warum die Kombination von Anlagen und nicht die einzelne Anlage über das Risiko-Rendite-Verhältnis entscheidet. Quelle ansehen ↗