Wer die Märkte wirklich bewegt
Der größte Teil des Handels an der Börse kommt von großen Institutionen und Computerprogrammen. Privatanleger sind nur ein kleiner Teil, und wenn du handelst, sitzt auf der anderen Seite meistens ein Profi.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einschätzen, wer tatsächlich hinter dem meisten Handel an der Börse steckt.
Wenn du eine Order aufgibst, denkst du vielleicht an einen anderen Menschen, der dir die Aktie verkauft. In Wirklichkeit ist die Gegenseite meistens ein Computerprogramm oder ein großer Fonds.
Die großen Spieler
An der Börse aktiv sind vor allem Pensionskassen und Versicherungen, die riesige Summen langfristig anlegen, dazu Investmentfonds und ETFs, Hedgefonds und Handelsfirmen, deren Rechner in Sekundenbruchteilen reagieren.
Ein Grund für Bescheidenheit
Das ist kein Grund zur Panik, aber einer für Bescheidenheit. Beim langfristigen Investieren ist es egal, wer auf der anderen Seite sitzt. Beim kurzfristigen Handeln ist es entscheidend.
Chartlesen gegen Profis
Deshalb ist die Vorstellung, man könne mit ein bisschen Chartlesen gegen diese Gegner bestehen, einer der teuersten Irrtümer für Anfänger. Das ist, als würdest du sonntags mit Freunden kicken und erwarten, gegen Bayern München zu gewinnen.
Gemessen am Handelsvolumen beherrschen Institutionen den Markt klar. Ein großer Teil des Volumens an den großen Aktienmärkten stammt von Computerprogrammen. Darunter sind viele Market Maker. Sie nennen ständig einen Kauf und einen Verkaufspreis und verdienen am Spread und an Vergütungen der Handelsplätze. Ob ein Kurs steigt oder fällt, ist ihnen im Grunde egal.
Die Gegenseite
Wer auf der anderen Seite steht, entscheidet über deine Chancen. Handelst du gegen einen Market Maker, verlierst du im Schnitt etwa den halben Spread. Handelst du gegen jemanden, der mehr weiß als du, kann es deutlich mehr sein. Fachleute nennen das adverse Selektion. Die besser informierte Seite handelt am liebsten genau dann mit dir, wenn es für sie günstig ist und damit für dich ungünstig.
Langfristige Anlagen
Für langfristige Anlagen spielt all das kaum eine Rolle. Die Risikoprämie verdienst du, indem du Firmen Kapital zur Verfügung stellst und Schwankungen aushältst. Dafür musst du niemanden übertrumpfen. Gegen Profis im Nachteil bist du nur, wenn du vorhersagen willst, was morgen passiert.
Zusammenfassung
- Der größte Teil des Handels kommt von Institutionen und Computerprogrammen.
- Beim kurzfristigen Handeln ist die Gegenseite meist besser ausgestattet als du.
- Beim langfristigen Investieren spielt die Gegenseite keine Rolle.
Hast du es verstanden?
Wovon leben Market Maker?
Vom Spread und von Vergütungen der Handelsplätze. Ob Kurse steigen oder fallen, ist für sie zweitrangig.
Was bedeutet adverse Selektion beim Handeln?
Die besser informierte Gegenseite handelt vor allem dann mit dir, wenn es für sie günstig ist, also eher zu deinem Nachteil.
Warum ist die Gegenseite beim langfristigen Investieren egal?
Weil deine Rendite aus der Risikoprämie und den Gewinnen der Firmen kommt und nicht daraus, andere zu übertrumpfen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Stell dir vor, du kaufst 10 Stück eines ETF. Schreib in zwei Sätzen auf, wer vermutlich die Gegenseite ist. Halte außerdem fest, ob das für dich eine Rolle spielt, wenn du Jahrzehnte hältst, und ob es eine spielt, wenn du in Wochen wieder verkaufen willst.
Quellen und Weiterlesen
- Der Marktstruktur-Bericht des US-Branchenverbands SIFMA zeigt, dass Privatanleger nur einen kleinen Teil des Handelsvolumens an US-Aktienmärkten ausmachen und der weit überwiegende Teil auf institutionelle und algorithmische Akteure entfällt. Quelle ansehen ↗