Wer die Märkte wirklich bewegt
Der weit überwiegende Teil des Handelsvolumens stammt von Institutionen und Algorithmen. Privatanleger sind ein kleiner Teil des Marktes, und beim Handeln ist meist ein Profi die Gegenseite.
Wenn du eine Order aufgibst, stellst du dir vielleicht einen anderen Menschen vor. In Wirklichkeit ist die Gegenseite meist ein Computerprogramm oder ein großer Fonds.
Am Markt aktiv sind vor allem: Pensionsfonds und Versicherungen, die riesige Summen langfristig anlegen. Investmentfonds und ETFs. Hedgefonds. Und Handelsfirmen, deren Rechner in Bruchteilen von Sekunden agieren.
Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund zur Bescheidenheit. Beim langfristigen Investieren spielt es keine Rolle, wer die Gegenseite ist. Beim kurzfristigen Handeln spielt es die entscheidende Rolle.
Deshalb ist die verbreitete Vorstellung, man könne mit ein bisschen Chartlesen gegen diese Gegner bestehen, der teuerste Irrtum für Anfänger. Es ist, als würde man am Wochenende Fußball spielen und erwarten, in der Champions League zu gewinnen.
Nach Volumen dominieren institutionelle Akteure den Handel deutlich. Ein erheblicher Anteil des Volumens an großen Aktienmärkten entfällt auf algorithmische Systeme, darunter Market Maker, die laufend Kauf- und Verkaufskurse stellen und ihre Erträge aus dem Spread und aus Rückvergütungen der Handelsplätze beziehen, nicht aus Richtungsprognosen.
Die Zusammensetzung der Gegenseite ist für die Bewertung der eigenen Erfolgsaussichten entscheidend. Bei einem Trade gegen einen Market Maker ist der erwartete Nachteil der halbe Spread. Bei einem Trade gegen einen informierten Marktteilnehmer ist er potenziell erheblich größer. Der Begriff adverse Selektion beschreibt genau dieses Problem: Man wird bevorzugt dann bedient, wenn die Gegenseite es für vorteilhaft hält.
Zugleich gilt: Für langfristige Anlagen ist die Identität der Gegenseite weitgehend irrelevant. Die Risikoprämie entsteht nicht daraus, jemanden zu übervorteilen, sondern daraus, Kapital bereitzustellen und Schwankungen auszuhalten. Der Wettbewerbsnachteil gegenüber Institutionen betrifft ausschließlich die kurzfristige Prognose, nicht die langfristige Teilhabe.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Der Großteil des Handelsvolumens stammt von Institutionen und Algorithmen.
- Beim kurzfristigen Handeln ist die Gegenseite typischerweise besser ausgestattet als du.
- Beim langfristigen Investieren spielt die Gegenseite keine Rolle.
Hast du es verstanden?
Wovon leben Market Maker?
Vom Spread und von Vergütungen der Handelsplätze, nicht von Richtungsprognosen.
Was bedeutet adverse Selektion beim Handeln?
Dass die Gegenseite bevorzugt dann handelt, wenn es für sie vorteilhaft ist, also tendenziell zu deinem Nachteil.
Warum ist die Gegenseite beim langfristigen Investieren egal?
Weil die Rendite aus der Risikoprämie und der Wertschöpfung der Unternehmen kommt, nicht aus dem Übervorteilen anderer.