Warum die meisten investieren sollten
Studien über Jahrzehnte kommen immer wieder zum selben Ergebnis: Je mehr Privatanleger handeln, desto schlechter schneiden sie ab. Nichts tun ist eine oft unterschätzte Strategie.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du begründen, warum häufiges Handeln den meisten Privatanlegern schadet.
Es gibt kaum ein Gebiet, auf dem mehr Einsatz häufig zu schlechteren Ergebnissen führt. Wer viel handelt, zahlt viele Gebühren, trifft viele Entscheidungen und hat damit viele Gelegenheiten, sich zu irren.
Das Timing
Dazu kommt das Timing. Die besten Börsentage folgen oft direkt auf die schlimmsten. Im März 2020 fiel der Markt innerhalb weniger Wochen um rund ein Drittel und erholte sich dann schneller, als fast jemand erwartet hatte. Wer aus Angst verkauft hatte, verpasste den Anstieg und stieg später teurer wieder ein.
Der Sparplan als Lösung
Ein Sparplan löst das Problem, weil er dir die Entscheidung abnimmt. Gekauft wird am Monatsersten, ob du gerade ein gutes Gefühl hast oder nicht. Das ist langweilig, und gerade deshalb funktioniert es.
Ein vernünftiger Mittelweg
Reizt dich das Handeln trotzdem, gibt es einen vernünftigen Weg. Der größte Teil deines Geldes läuft im Sparplan. Ein kleiner Teil ist Spielgeld, dessen Verlust dir nicht wehtut. So lernst du, ohne dich zu ruinieren.
Die bekannteste Studie dazu stammt von Brad Barber und Terrance Odean. Sie haben die Depots zehntausender Kunden eines großen amerikanischen Discountbrokers ausgewertet. Wer am meisten handelte, lag deutlich hinter dem Markt. Die ruhigsten Depots schnitten am besten ab. Der Unterschied kam vor allem von den Handelskosten und von schlechtem Timing, weniger davon, dass die gekauften Aktien schlecht waren.
Fondsrendite und Anlegerrendite
Ein zweiter Effekt ist die Lücke zwischen der Rendite eines Fonds und der Rendite seiner Anleger. Der Fonds selbst schneidet regelmäßig besser ab als die Menschen, die in ihn investiert haben. Das liegt daran, dass nach starken Anstiegen viel Geld hineinfließt und nach Rückgängen wieder heraus. Anleger kaufen also eher teuer und verkaufen eher billig, egal wie gut das Produkt ist.
Die besten Börsentage
Zum Timing gibt es Auswertungen, die zeigen, was passiert, wenn man nur wenige der besten Tage verpasst. Eine bekannte Rechnung von J.P. Morgan für den amerikanischen S&P 500 von 2003 bis 2022: Wer in diesen zwanzig Jahren nur die zehn besten Tage verpasste, hatte am Ende ungefähr halb so viel wie jemand, der einfach investiert blieb. Der Effekt ist so groß, weil sich die Gewinne der Börse auf wenige Tage ballen. Und diese Tage liegen besonders oft mitten in unsicheren Phasen, also genau dann, wenn viele Anleger gerade ausgestiegen sind.
Zusammenfassung
- Wer mehr handelt, schneidet als Privatanleger im Schnitt schlechter ab.
- Die besten Tage folgen oft direkt auf die schlimmsten.
- Ein Sparplan wirkt, weil er dir die Entscheidung abnimmt.
Hast du es verstanden?
Was fanden Barber und Odean heraus?
Die Anleger, die am meisten handelten, schnitten am schlechtesten ab, die ruhigsten am besten.
Was ist die Lücke zwischen Fonds und Fondsanlegern?
Anleger verdienen weniger als ihr eigener Fonds, weil sie nach Anstiegen kaufen und nach Rückgängen verkaufen.
Warum ist Aussteigen während eines Rückgangs so teuer?
Weil die stärksten Erholungstage besonders oft in unsicheren Phasen liegen, in denen man dann nicht investiert ist.
Aufgabe für dich
Du handelst mit 5.000 € und führst 60 Orders im Jahr aus, jede kostet 3 € inklusive Spread. Rechne die Kosten im Jahr in Euro und in Prozent des Geldes. Vergleiche mit einem ETF zu 0,2 Prozent im Jahr und prüf den ETF-Teil im Gebührenrechner (5.000 € Startkapital, 0 € Sparrate, 7 Prozent Rendite vor Kosten, 1 Jahr Laufzeit).
Quellen und Weiterlesen
- Barber, B. M. und Odean, T. (2000), Trading Is Hazardous to Your Wealth, Journal of Finance Quelle ansehen ↗
Verstehens-Check
Passt dazu
- Warum aktive Fonds meist schlechter abschneidenStufe 1
- RohstoffeStufe 1
- Der SparplanStufe 2
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