Wer sonst noch am Markt handelt
Der Markt ist kein einzelner Gegner. Dort handeln viele verschiedene Teilnehmer mit ganz unterschiedlichen Zielen, Summen und Zeiträumen. Wer das weiß, versteht viele Bewegungen besser.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du die wichtigsten Gruppen am Markt benennen und erklären, wie sie Kursbewegungen beeinflussen.
Wenn Anfänger vom Markt sprechen, stellen sie sich oft einen einzigen Gegenspieler vor. Tatsächlich handeln dort sehr verschiedene Leute gleichzeitig, mit sehr verschiedenen Absichten.
Wer am Markt handelt
Ein Privatanleger legt eigenes Geld an, meistens nebenher und oft über Jahre. Ein Daytrader eröffnet und schließt seine Positionen am selben Tag. Eine Investmentbank oder eine Handelsfirma setzt Geld der Firma ein, meist mit festen Risikogrenzen und viel Technik im Hintergrund.
Fonds und Kassen
Ein Hedgefonds verwaltet Geld von Investoren und verfolgt eine bestimmte Strategie, mit der er für sich wirbt. Eine Pensionskasse oder ein Vermögensverwalter legt sehr langfristig und breit gestreut an, oft mit gesetzlichen Vorgaben. Ein Market Maker nennt ständig Kauf und Verkaufspreise und verdient am Abstand dazwischen. Die Richtung des Kurses ist ihm ziemlich egal.
Notenbanken und Firmen
Zwei Gruppen fehlen in solchen Aufzählungen oft: Notenbanken und die Firmen selbst. Eine Notenbank kauft Anleihen oder Devisen nicht, um Gewinn zu machen. Sie will Zinsen oder den Wechselkurs steuern und bewegt dabei wegen der riesigen Summen oft ganze Märkte. Eine Firma wird zur Käuferin am Markt, wenn sie eigene Aktien zurückkauft. Dann gibt es weniger Aktien im Umlauf, und das kann den Kurs stützen, egal wie das Geschäft gerade läuft.
Wichtig ist, was daraus nicht folgt: Es gibt keine eine Methode, die alle Profis benutzen. Die Gruppen unterscheiden sich in Zeitraum, Herkunft des Geldes und Risikogrenzen so stark, dass es eine gemeinsame Erfolgsformel gar nicht geben kann.
Man kann die Gruppen nach vier Merkmalen unterscheiden. Wessen Geld wird eingesetzt: eigenes, das der Firma oder das von Kunden? Wie lange: Sekunden oder Jahrzehnte? Wie streng sind die Risikogrenzen: locker oder täglich von einer Aufsicht überwacht? Und woran wird Erfolg gemessen: an der absoluten Rendite, am Abstand zu einem Vergleichsindex oder am Spread ohne jedes Risiko auf die Richtung?
Gesetzliche Grenzen
Große Anleger wie Pensionskassen müssen sich oft an gesetzliche Grenzen halten, zum Beispiel an einen Höchstanteil Aktien oder an Mindestnoten für Anleihen. Rutscht eine Anleihe unter diese Note, müssen viele sie gleichzeitig verkaufen. Das erklärt manches Verhalten, das mit der Einschätzung des Marktes nichts zu tun hat. Es sind schlicht Vorschriften.
Geschwindigkeit als Vorteil
Market Maker und Hochfrequenzhändler verdienen am Spread und an Rabatten der Handelsplätze. Ihr Vorteil ist Geschwindigkeit und ein Blick ins Orderbuch in Millionstelsekunden, kein besseres Urteil über die Zukunft. Mit ihnen kannst du dich als Privatanleger nicht sinnvoll vergleichen. Sie betreiben ein anderes Geschäft und keine schnellere Version deines Geschäfts.
Ohne Renditeziel
Notenbanken und Firmen passen nicht in dieses Raster, weil sie keinem Renditeziel folgen. Eine Notenbank kauft Anleihen, um den Leitzins in der Wirtschaft ankommen zu lassen, oder greift am Devisenmarkt ein, wenn ihr die eigene Währung zu stark oder zu schwach erscheint. Ihre Summen übersteigen die jedes privaten Teilnehmers oft um ein Vielfaches. Firmen, die eigene Aktien zurückkaufen, erhöhen die Nachfrage und lassen den Gewinn je Aktie rein rechnerisch steigen, auch wenn der Gesamtgewinn gleich bleibt.
| Privatanleger | Daytrader | Hedgefonds | Market Maker | |
|---|---|---|---|---|
| Kapitalquelle | eigenes Geld | eigenes oder Firmenkapital | Kundengelder | Firmenkapital |
| Typischer Zeithorizont | Jahre bis Jahrzehnte | Minuten bis Stunden | Wochen bis Jahre | Sekunden |
| Erfolgsmaßstab | eigene Ziele erreichen | absoluter Gewinn | Rendite über Vergleichsindex | Spanne, unabhängig von Richtung |
| Risikolimits | selbst gewählt | meist informell | vertraglich und aufsichtsrechtlich | streng, automatisiert |
| Hauptvorteil | Zeit und niedrige Kosten | keiner, empirisch meist Nachteil | Kapitalgröße und Zugang | Geschwindigkeit |
Marktteilnehmer im Vergleich
Privatanleger
Daytrader
Hedgefonds
Market Maker
Zusammenfassung
- Am Markt handeln viele Gruppen mit unterschiedlichen Zielen, nicht ein einzelner Gegner.
- Es gibt keine eine Methode, die alle Profis benutzen.
- Market Maker verdienen am Spread und nicht an der Richtung. Sie betreiben ein anderes Geschäft.
Hast du es verstanden?
Woran verdient ein Market Maker vor allem?
Am Abstand zwischen Kauf und Verkaufspreis, nicht an der Richtung des Kurses.
Warum verhalten sich Pensionskassen manchmal gleichzeitig gleich?
Wegen gesetzlicher Anlagegrenzen, die sie einhalten müssen, und nicht unbedingt wegen ihrer Einschätzung des Marktes.
Gibt es eine gemeinsame Erfolgsmethode aller Profis?
Nein. Die Gruppen unterscheiden sich dafür zu stark in Zeitraum, Herkunft des Geldes und Risikogrenzen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Wähle drei Gruppen von Marktteilnehmern aus der Lektion und schreibe für jede auf, welchen Zeitraum sie im Blick hat und woher ihr Geld kommt. Erkläre dann in zwei Sätzen, warum du als Privatanleger mit einem Anlagehorizont von zehn Jahren die Methode keiner dieser Gruppen einfach übernehmen kannst.
Quellen und Weiterlesen
- Die Europäische Zentralbank veröffentlicht laufend den Bestand ihres Anleihekaufprogramms (APP), der die Größenordnung zeigt, in der Zentralbanken als Marktteilnehmer auftreten. Quelle ansehen ↗
Passt dazu
- Kapitalerhalt vor GewinnStufe 3
- Quellen bewertenStufe 4
- Einen Chart lesenStufe 4
- Passende Fragen zu dieser StufeFragen