Quellen bewerten
Die entscheidende Frage bei jeder Finanzquelle lautet, wie sie Geld verdient. Wer daran verdient, dass du handelst, gibt dir andere Ratschläge als jemand, der es nicht tut.
Stell bei jeder Quelle zuerst diese eine Frage: Womit verdient dieser Mensch oder diese Seite sein Geld? Die Antwort erklärt fast immer, warum der Rat so ausfällt, wie er ausfällt.
Wer über Werbelinks an Depoteröffnungen verdient, empfiehlt Depoteröffnungen. Wer Kurse verkauft, betont, dass man lernen muss, um erfolgreich zu handeln. Das muss nicht unehrlich sein, färbt aber zuverlässig.
Zweite Frage: Zeigt die Quelle auch ihre Fehler? Wer nur Gewinne zeigt, zeigt nicht seine Ergebnisse, sondern eine Auswahl. Screenshots von Gewinnen sind das billigste und häufigste Betrugsmittel überhaupt.
Dritte Frage: Gibt es Belege? Eine Aussage über historische Renditen sollte eine Quelle haben. Wenn stattdessen nur Selbstsicherheit angeboten wird, ist das ein Warnzeichen, kein Kompetenzbeweis.
Interessenkonflikte lassen sich systematisch nach Vergütungsmodell ordnen: Provisionen für Produktabschlüsse, Vergütung nach Handelsvolumen, Verkauf von Bildungsangeboten, Werbeeinnahmen nach Reichweite oder unabhängige Finanzierung durch Nutzer oder öffentliche Mittel. Jedes Modell erzeugt eine vorhersagbare Verzerrungsrichtung, die unabhängig von der persönlichen Redlichkeit wirkt.
Bei Leistungsnachweisen ist zwischen dokumentierten und behaupteten Ergebnissen zu unterscheiden. Belastbar sind ausschließlich vollständige, extern nachvollziehbare Aufstellungen über einen längeren Zeitraum einschließlich aller Positionen. Ausschnitte einzelner Positionen sind wegen der Selektionsmöglichkeit ohne Aussagewert, ebenso Ergebnisse aus Demokonten.
Bei wissenschaftlichen Belegen ist auf Replizierbarkeit und Publikationsverzerrung zu achten. Einzelne Studien mit auffälligen Ergebnissen halten der Überprüfung häufig nicht stand, weshalb Übersichtsarbeiten und breit replizierte Befunde vorzuziehen sind. Für Finanzmarktfragen bedeutet das konkret, Aussagen eher auf über Jahrzehnte und mehrere Märkte bestätigte Regelmäßigkeiten zu stützen als auf einzelne Untersuchungen.
Drei Sätze zum Mitnehmen
- Frag zuerst, wie die Quelle Geld verdient.
- Ausgewählte Gewinn-Screenshots sind ohne jeden Aussagewert.
- Breit replizierte Befunde schlagen einzelne auffällige Studien.
Hast du es verstanden?
Welche Frage stellst du bei jeder Finanzquelle zuerst?
Womit sie Geld verdient. Das Vergütungsmodell bestimmt die Verzerrungsrichtung.
Warum sind einzelne Gewinn-Screenshots wertlos?
Weil sie eine Auswahl darstellen. Belastbar sind nur vollständige, nachvollziehbare Aufstellungen.
Worauf stützt man sich bei wissenschaftlichen Aussagen?
Auf breit replizierte Befunde über lange Zeiträume und mehrere Märkte statt auf Einzelstudien.