On-Chain-Analyse
Bei öffentlichen Blockchains kann jeder alle Überweisungen sehen. Daraus lassen sich Kennzahlen bilden. Wie viel sie aussagen, ist aber stark begrenzt, weil man selten weiß, wem eine Adresse gehört.
Lernziel: Nach dieser Lektion kannst du einschätzen, was On Chain Kennzahlen zeigen können und wo ihre Grenzen liegen.
Anders als bei Aktien kannst du bei einer öffentlichen Blockchain jede Bewegung sehen: wie viele Adressen aktiv sind, wie viel verschoben wird und wie lange Bestände unbewegt liegen.
Kennzahlen aus der Blockchain
Daraus entstehen Kennzahlen. Wie viele Coins liegen gerade auf Handelsplattformen? Wie lange hat sie niemand angefasst? Wie viel Gewinn oder Verlust hätten die heutigen Besitzer, wenn sie jetzt verkaufen würden?
Der echte Vorteil
Das klingt nach einem echten Vorteil, und zum Teil ist es einer. Bei keiner Aktie kannst du sehen, wie viele Anteile gerade an eine Börse geschickt wurden, vielleicht um verkauft zu werden.
Die Grenze der Zuordnung
Die Grenze liegt in der Zuordnung. Eine Adresse ist keine Person. Ein Mensch kann tausende Adressen haben, und eine einzige Adresse einer Börse kann Millionen Kunden gehören. Wer daraus ableitet, wie sich Menschen verhalten, trifft Annahmen, die er selten offenlegt.
Verbreitet sind Kennzahlen wie die Zahl aktiver Adressen, die Menge der Überweisungen, das Alter der zuletzt bewegten Bestände und das Verhältnis von Marktkapitalisierung zum sogenannten realisierten Wert. Für den realisierten Wert wird jeder Coin zu dem Kurs bewertet, bei dem er zuletzt bewegt wurde. So lässt sich schätzen, wie viel Buchgewinn oder Buchverlust alle Besitzer zusammen gerade haben.
Adressen den Besitzern zuordnen
Das größte Problem ist, Adressen den richtigen Besitzern zuzuordnen. Dafür gibt es Faustregeln, zum Beispiel: Werden mehrere Adressen in einer Überweisung gemeinsam verwendet, gehören sie wahrscheinlich derselben Person. Solche Regeln irren oft, und manche Nutzer hebeln sie mit Datenschutztechniken gezielt aus. Die Zahl aktiver Adressen sagt deshalb weder, wie viele Menschen ein Netz nutzen, noch wie viel wirtschaftlich passiert.
Kurze Datenhistorie
Dazu kommt, dass es die Daten erst seit wenigen Jahren gibt. Bitcoin hat seit 2009 nur eine Handvoll großer Auf und Ab erlebt. Schwellen für Kauf oder Verkaufssignale werden deshalb an sehr wenigen Beispielen festgelegt. Aussagen wie diese Kennzahl stand immer an Tiefpunkten so niedrig beruhen auf vier oder fünf Fällen, und das ist für eine belastbare Aussage viel zu wenig.
Zusammenfassung
- Alle Überweisungen sind sichtbar, aber Adressen sind keine Personen.
- Aktive Adressen sagen weder, wie viele Menschen ein Netz nutzen, noch wie viel passiert.
- Die Daten reichen über zu wenige große Zyklen für verlässliche Signale.
Hast du es verstanden?
Was ist das Grundproblem der On Chain Analyse?
Adressen den richtigen Besitzern zuzuordnen. Dafür gibt es nur Faustregeln, die oft irren.
Warum ist die Zahl aktiver Adressen keine Nutzerzahl?
Weil ein Mensch viele Adressen haben kann und eine Börsenadresse Millionen Kunden gehören kann.
Warum sind On Chain Signale statistisch schwach belegt?
Weil die Daten nur wenige große Marktzyklen umfassen.
Verstehens-Check
Aufgabe für dich
Nenne zwei On Chain Kennzahlen aus der Lektion und schreibe für jede auf, welche Annahme über die Besitzer der Adressen nötig ist, damit du daraus Verhalten ableiten kannst. Erkläre in einem Satz, warum eine Adresse nicht automatisch eine Person ist.
Quellen und Weiterlesen
- Der Datenanbieter Glassnode erläutert in eigener Forschung die Konstruktion und Grenzen der MVRV-Kennzahl, die realisierten Kurswert und aktuellen Marktwert vergleicht. Quelle ansehen ↗